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Die Anhänger-, Aufbauten- und Containerindustrie

In der deutschen Anhänger- und Aufbautenindustrie verlief das vergangene Jahr äußerst gespalten. Die Branche verzeichnete im Gesamtjahr 2008 insgesamt zwar noch positive Zulassungszahlen. Auch waren die Kapazitäten in der ersten Jahreshälfte aufgrund des hohen Auftragsbestandes aus dem Vorjahr noch gut ausgelastet. Nach der bislang längsten Phase kräftiger Expansion ist allerdings die konjunkturelle Dynamik in Deutschland schon zur Jahresmitte 2008 abgeflacht. Auch die Kostenlawine hat spätestens nach der 62. IAA Nutzfahrzeuge deutliche Bremsspuren im Bestelleingang der deutschen Anhänger- und Aufbautenhersteller hinterlassen. Das Güterkraftverkehrsgewerbe hatte bis in den Herbst hinein durch den starken Anstieg des Ölpreises zu kämpfen. Die Nutzungskosten pro Lkw stiegen durch die höheren Dieselpreise binnen Jahresfrist allein um 12.000 Euro. Die Nutzfahrzeugkonjunktur in Deutschland ist damit im zweiten Halbjahr 2008 - nach der Boomphase in den letzten Jahren - auf den lange erwarteten Normalisierungstrend eingeschwenkt.

Zum Jahresende 2008 haben die Nutzfahrzeugmärkte allerdings eine Talfahrt genommen, die in dieser Geschwindigkeit und Ausprägung noch nie vorher stattgefunden hat. Nach mehreren Wachstumsjahren befinden sich die internationalen Nutzfahrzeugmärkte in einem zyklischen Abschwung, der durch die Wirtschafts- und Finanzkrise dramatisch verstärkt wird. Die Krise beschränkt sich nicht auf Deutschland, sondern hat alle wichtigen Märkte europa- und weltweit erfasst. Dennoch ist das deutsche Speditions- und Transportgewerbe durch die Mautanhebung erheblich stärker betroffen als ihre europäischen Wettbewerber. Die Mauterhöhung zum 1. Januar 2009 kam zur denkbar ungünstigen Zeit. Flottenbetreiber mussten drastische Wertberichtigungen von erst zum Teil vor 2 Jahren angeschafften Lkw vornehmen. Damit verschlechterten sich, neben der bestehenden Kreditklemme, die Kreditbedingungen des Transportgewerbes, was die Finanzierungsmöglichkeiten noch weiter einschränkt. In der Konsequenz trifft der Markteinbruch derzeit vor allem die deutschen Hersteller von Anhängern und Aufbauten mit voller Wucht.

Auf den ersten Blick dynamischer Heimatmarkt in 2008

Der Inlandsabsatz schwerer Anhänger mit mehr als 6 t zulässigem Gesamtgewicht (zul. GG) lag im vergangenen Jahr mit einem Volumen von insgesamt 63.600 Einheiten nochmals um 1,5 Prozent über dem Vorjahresniveau. Dabei blicken die Hersteller gewöhnlicher schwere Anhänger über 6 t mit einem Zulassungsplus von 5 Prozent bei einem Absatzvolumen von 22.200 Fahrzeugen auf ein erfolgreiches Jahr 2008 zurück. In diesem Segment legten allen voran die Anhänger zum Transport von Lebensmitteln sowie Tieflader und Anhänger für die Bauwirtschaft zu. Bei den Sattelanhängern wurde das hohe Zulassungsvolumen des Vorjahres zwar nicht ganz erreicht (-0,4 Prozent), dennoch bedeuten 41.400 erstmals neu zugelassene Auflieger das zweitbeste jemals erzielte Absatzniveau in Deutschland. Einen Anstieg der Neuzulassungen verzeichneten erneut die Tieflader, Wechselanhänger und Koffer-Auflieger zum Transport temperaturkritischer Waren. Der in den letzten Jahren zu beobachtende überproportionale Trend zum Semi-Trailer hat sich damit 2008 nicht weiter fortgesetzt. Dennoch bilden die Sattelauflieger mittlerweile fast zwei Drittel der insgesamt auf deutschen Straßen neu zugelassenen schweren Anhänger über 6 t. Der Absatz schwerer Lkw (ohne Sattelzugmaschinen) lag 2008 mit 59.300 Fahrzeugen leicht unter dem sehr hohen Vorjahresniveau (-1,3 Prozent). Auch hier legten die Wechselaufbauten,
Aufbauten zum Transport von Lebensmitteln und Isolieraufbauten zu, die von der wiederbelebten Konsumnachfrage profitierten.

Neuzulassungen gaben zu Jahresende deutlich nach

Ein wesentlicher Faktor für die dynamische Entwicklung des Inlandsmarktes im Gesamtjahr 2008 war der zu Jahresbeginn noch hohe Transportbedarf und die damit verbundene Verknappung des Laderaums in Deutschland. Allerdings hat sich die Konjunkturentwicklung bereits zur Jahresmitte 2008 deutlich abgekühlt und die deutsche Nutzfahrzeugkonjunktur schwenkte auf den lange erwarteten Normalisierungstrend ein. Im ersten Halbjahr 2008 wurden mit 35.800 schwerer Anhänger mit mehr als 6 t zul. GG noch gut 11 Prozent mehr als vor einem Jahr abgesetzt. Dieser Zuwachs ist sowohl dem Segment gewöhnlicher Anhänger (+9 Prozent) als auch den Sattelanhängern (+13 Prozent) zu verdanken. Die Neuzulassungen von schweren Lkw (ohne Sattelzugmaschinen) gingen leicht um 4 Prozent auf 29.200 Fahrzeuge zurück. In der zweiten Jahreshälfte ist die Nachfrage nach Lkw, Aufbauten und Anhängern mit der einsetzenden Rezession und verstärkt durch die ersten Auswirkungen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise jedoch deutlich rückläufig gewesen. Der Bestelleingang aus dem Inland bei schweren Lkw ist allein im 4. Quartal 2008 um 70 Prozent rückläufig gewesen. Bei den deutschen Herstellern von Anhängern und Aufbauten waren die Auftragseingänge aus dem Inland bereits seit Jahresbeginn 2008 rückläufig und sind in den letzten Monaten des Jahres regelrecht eingebrochen. Dieser Rückgang kam bei den Neuzulassungszahlen von schweren Anhängern zwar erst mit Verzögerung an, allerdings gingen diese bereits im Schlussquartal 2008 um mehr als ein Viertel zurück.

Starkes 1. Halbjahr beschert der Branche einen Rekordumsatz - Deutliche Umsatzrückgänge in der zweiten Jahreshälfte

Mit einem leichten Zuwachs von 1 Prozent erzielten die Hersteller der deutschen Anhänger- und Aufbautenindustrie im vergangenen Jahr zwar einen Rekordumsatz von 12,14 Mrd. Euro. Ausschlaggebend für den seit dem Jahr 2000 kontinuierlich steigenden Branchenumsatz war allerdings ausschließlich das überdurchschnittlich anziehende Geschäft in der ersten Jahreshälfte (+16 Prozent). In der zweiten Jahreshälfte machte sich der Konjunkturabschwung bereits deutlich bemerkbar und wurde in den letzten Monaten des Jahres 2008 durch die Finanzkrise dramatisch verstärkt. Dementsprechend schrumpfte der Gesamtumsatz im zweiten Halbjahr um 13 Prozent.

Das seit sieben Jahren kontinuierlich anziehende Auslandsgeschäft hat sich im vergangenen Jahr beruhigt und lag mit 7,12 Mrd. Euro leicht unter Vorjahresniveau. Der Anteil des im Ausland erwirtschafteten Umsatzes am Gesamtumsatz ging damit von 59,4 Prozent im Jahr 2007 auf 58,6 Prozent in 2008 leicht zurück. Dennoch gelang es den deutschen Herstellern, sich in den Exportmärkten erfolgreich aufzustellen und Marktanteile hinzuzugewinnen. Auf ihrem Heimatmarkt verzeichneten die deutschen Anhänger- und Aufbautenhersteller 2008 einen Zuwachs um 3 Prozent und erzielten damit einen Inlandsumsatz von 5,03 Mrd. Euro. Seit nunmehr fünf Jahren in Folge legt der Inlandsumsatz der Branche zu, wenn auch das Umsatzplus ausschließlich im ersten Halbjahr erzielt wurde (+16 Prozent), während sich in der zweiten Jahreshälfte der Konjunkturabschwung bereits deutlich bemerkbar machte (-9 Prozent).

Besonders erfreulich ist, dass die Branche 2008 ihre Stammbelegschaft nochmals deutlich aufgestockt hat und damit auch die Anhänger- und Aufbautenindustrie ihren Teil zur Belebung des deutschen Arbeitsmarktes beigetragen hat: Mit 41.800 Mitarbeitern waren im Dezember 2008 knapp 2 Prozent oder 700 mehr Mitarbeiter in dieser Branche beschäftigt als noch ein Jahr zuvor. Die Branche hat damit den Personalstand seit 2004 kontinuierlich aufgestockt und beschäftigt derzeit etwa 18 Prozent oder 6.300 mehr Mitarbeiter als noch fünf Jahre zuvor. Trotz der sehr frühzeitig einsetzenden Rezession tragen damit die deutschen Anhänger- und Aufbautenhersteller wesentlich zum Erhalt von Arbeitsplätzen und zur sozialen Sicherung in Deutschland bei.

Eingetrübte Aussichten für das laufende Jahr - Hersteller reagieren auf die Rezession ein

Die Aussichten für 2009 haben sich in den vergangenen Monaten drastisch verschlechtert: Rund zwei Drittel der im VDA organisierten Hersteller gehen davon aus, dass sich die Kapazitätsauslastung in diesem Jahr verringern wird. Dabei rechnet die Branche mit einem in dieser Ausprägung noch nie dagewesenen Einbruch des heimischen Marktes. Auch das Exportgeschäft dürfte deutlich rückläufig sein. Besonders hart trifft die deutschen Anhänger- und Aufbautenhersteller derzeit die Entwicklung auf den Märkten Mittel- und Osteuropas, die in den vergangenen Jahren mit hohen Wachstumsraten ein Hoffnungsträger für die gesamte Nutzfahrzeugindustrie waren. Diese Märkte melden aktuell überhaupt keinen Bedarf mehr an und können nicht mehr den Ausgleich für die starken Nachfrageinbrüche auf dem heimischen und westeuropäischen Markt liefern. Damit sind auch die Erwartungen für die Beschäftigung pessimistisch: Lediglich ein Drittel der Unternehmen gehen davon aus, dass sie ihren Personalbestand im laufenden Jahr auf hohem Niveau konstant halten können.

Der bei einigen Herstellern aktuell komplett zum Erliegen gekommene Auftragseingang schlägt sich zunehmend in der Auslastung der Produktionskapazitäten der heimischen Anhänger- und Aufbautenhersteller nieder, die ihre Fertigung in den letzten Monaten überdurchschnittlich stark zurückgefahren haben. Während zunehmend mehr ausländische Anhänger- und Aufbautenhersteller kurz davor stehen, vom Markt zu verschwinden bzw. ihre Fertigung bereits einstellen mussten, passen die deutschen Hersteller ihre Kapazitäten derzeit der rückläufigen Nachfrage an. Dabei setzen sie alles daran, die Krise mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, mit dem Abbau von Arbeitszeitkonten, verlängerte Werksferien, Freisetzung von Leih- bzw. Zeitarbeitern und auch Kurzarbeit zu überstehen. Doch auch die deutschen Hersteller sind zunehmend gezwungen, ihre Produktion angesichts des dramatischen Nachfragerückgangs im In- und Ausland ausnahmslos "auf Sicht" zu fahren. Erwartet werden muss, dass die deutschen Anhänger- und Aufbautenhersteller im laufenden Jahr den stärksten Einbruch seit Jahrzehnten verzeichnen müssen.

In den kommenden Monaten wird es entscheidend darauf ankommen, ob und wie die Konjunkturprogramme in Deutschland und Europa ihre Wirkung entfalten. Aber auch unter der Voraussetzung, dass diese Instrumente greifen, sind mindestens im ersten Halbjahr 2009 weiterhin stark rückläufige Märkte zu erwarten. Mit ersten Anzeichen für eine Besserung kann frühestens im zweiten Halbjahr gerechnet werden. Allerdings bleiben Zweifel, ob das wegen der Mauterhöhung zu Jahresbeginn in äußerste Not geratene Transportgewerbe überhaupt in der Lage sein wird, in neue Anhänger und Aufbauten zu investieren. Selbst wenn wieder genügend liquide Mittel vorhanden sein sollten, dürften diese vom Gewerbe in erster Linie zur Anschaffung von EURO 5-Lkw eingesetzt werden. Die deutsche Anhänger- und Aufbautenindustrie muss sich daher nicht nur auf eine längere, sondern auch auf eine schärfere Rezession einstellen, die mit kräftigen Kapazitätsanpassungen verbunden sein könnte.

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Erstveröffentlichung: 06.05.2008 Letzte Aktualisierung: 11.09.2009