Analyse zur Luftqualität
Bessere Luft – ein lohnenswertes Ziel
Saubere Luft ist ein elementares Gut. Was "sauber" ist, wird durch Grenzwerte bestimmt.

Die Grenzwertempfehlungen für Stickstoffdioxid (NO2) orientieren sich in Deutschland an den Empfehlungen der WHO (World Health Organization) und an den Bewertungen der "Kommission Reinhaltung der Luft" (KRdL) des VDI und DIN. Doch beide Empfehlungen divergieren erheblich: Die WHO empfiehlt unter Berücksichtigung der aktuellen Literatur einen Jahresmittelwert von 40 µg/m³ und einen Kurzzeitwert von 200 µg/m³. Demgegenüber benennt die KRdL als Langzeitbelastungsgrenze 20 µg/m³ und als 24-Stunden-Wert 40 µg/m³.
Worin liegt die Ursache für eine derart unterschiedliche Bewertung der Belastungsgrenze für den menschlichen Organismus? Die Forschungsvereinigung Automobiltechnik (FAT) ging dieser Frage nach und beauftragte Forschungszentren damit, zur Erläuterung dieser Unterschiede einen evidenzbewerteten Vergleich der Empfehlungen anhand der jeweils benutzten Literatur durchzuführen. Die Analysen zeigen, dass die unterschiedlichen Empfehlungen nicht auf unterschiedlichen wissenschaftlichen Ergebnissen basieren. Vielmehr verfolgen WHO und KRdL unterschiedliche Auffassungen zum Schutzziel.
Die KRdL konzentriert sich auf den Standpunkt der gesundheitlichen Vorsorge und begründet damit ihre niedrigeren Empfehlungen im Vergleich zur WHO. Die WHO wiederum weist darauf hin, dass die beobachteten Effekte möglicherweise nicht nur auf NO2, sondern auch auf andere korrelierende Luftschadstoffe zurückzuführen sind - und hält fest an ihrer ursprünglichen Empfehlung von 40 µg/m³ im Jahresmittel.
Da sich die umweltmedizinischen Erkenntnisse ständig fortentwickeln, gab die FAT weitere Studien in Auftrag. Insgesamt wurden 214 internationale Originalarbeiten zu NO2 von 2003 bis 2006 identifiziert. Davon waren 111 Studien von hoher gesundheitlicher Relevanz und wurden mit einer überarbeiteten Kriterienliste der Strahlenschutzkommission bewertet.
Die Evidenz der neuesten wissenschaftlichen Kenntnisse zur gesundheitlichen Gefährdung durch NO2 bleibt sehr begrenzt. Auch unter Berücksichtigung von Ergebnissen bei besonders empfindlichen Bevölkerungsgruppen, wie Kindern, Älteren, Asthmatikern etc., konnten keine Zusammenhänge mit hoher Evidenz gefunden werden. Der Kausalzusammenhang zwischen NO2-Konzentrationen unterhalb 40 µg/m³ und Gesundheitseffekten ist weiterhin offen. Die neueste Fachliteratur kann auch nicht den Nachweis einer toxischen Wirkung von NO2-Konzentrationen unterhalb 200 µg/m³ auf die menschliche Lunge erbringen. Aus dieser deutlich erweiterten Analyse der verfügbaren Daten lassen sich niedrigere Luftqualitätswerte, als die WHO 2003 empfohlen hat, nicht wissenschaftlich begründen.
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