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Umweltschutz in der Fahrzeugproduktion

Vorbildlicher Umweltschutz bei Automobilbau & Co.

Die neue EU-Industrieemissionen-Richtlinie darf nicht zu einer nationalen Verschärfung führen

Im Dezember 2010 wurde die neue Industrieemissionen-Richtlinie 2010/75/EG (IED) der EU veröffentlicht. Dieses "Grundgesetz der Anlagengenehmigung" ist aus der Überarbeitung der bisher geltenden EU-Richtlinie über die integrierte Vermeidung und Verminderung der Umweltverschmutzung (IVU) hervorgegangen und fasst sechs sektorale Tochterrichtlinien zusammen. Wesentliche Änderungen betreffen unter anderem den Bodenschutz, Großfeuerungsanlagen und die Durchführung von Inspektionen in den Unternehmen. Die Richtlinie muss nun binnen zwei Jahren in nationales Recht umgesetzt werden. Aus Sicht der deutschen Automobilindustrie ist wichtig, dass dabei keine Verschärfung stattfindet. Zudem muss das geltende deutsche Recht maßgeblich berücksichtigt werden.

Die Richtlinie verlangt unter anderem die Beschreibung des aktuellen Standes der besonders umweltrelevanten Produktionsverfahren. Diese werden als Maßstab für alle Anlagen in der EU herangezogen. Damit wird der jeweils aktuelle Stand der Technik europaweit in den sogenannten BVT-Blättern ("beste verfügbare Techniken") festgelegt. Dies wird von der deutschen Automobilindustrie begrüßt, denn die bisherige EU-Gesetzgebung führte zu teilweise erheblich voneinander abweichenden Umweltstandards in den Mitgliedsstaaten. Die neue Richtlinie soll nun zu einer stärkeren Harmonisierung führen, auch um "Öko-Dumping" zu verhindern. Inwieweit diese Nivellierung gelingt, bleibt abzuwarten, denn bei der Umsetzung in das jeweilige nationale Recht bleiben Interpretationsspielräume offen.

Die Emissionshandelsrichtlinie betrifft auch die Automobilindustrie

Die revidierte Richtlinie zum EU-weiten Emissionshandel 2009/29/EG (EU-ETS-Richtlinie) wird aktuell durch die Novellierung des Treibhausemissionshandelsgesetzes (TEHG) in deutsches Recht umgesetzt. Mit Inkrafttreten der Richtlinie wurde klar, dass mit der dritten Handelsperiode ab 2013 einige wesentliche Neuerungen kommen: während bisher Handelszertifikate teilweise kostenlos zugeteilt wurden, werden sie künftig grundsätzlich versteigert. Die Menge der Zertifikate wird EU-weit begrenzt. Neben den großen Verbrennungsanlagen fallen dann auch weitere Industriesektoren unter den Emissionshandel. Darüber hinaus werden zusätzlich kleinere Anlagen in den Handel einbezogen. Damit unterfallen auch viele Anlagen der Automobilindustrie dem Emissionshandel.

Für die deutsche Automobilindustrie ist wichtig, dass der Gesetzgeber bei der Umsetzung in deutsches Recht mit Augenmaß handelt: Durch die Definition eines geeigneten Anlagenbegriffs kann ein unverhältnismäßiger Verwaltungsaufwand für vernachlässigbare Emissionsmengen vermieden werden. Aber selbst dann wird die dritte Handelsperiode der europäischen Industrie und damit auch den Verbrauchern erhebliche Kosten verursachen. Erste Studien befürchten Kostensteigerungen durch den Emissionshandel durch direkte und indirekte Effekte von bis zu 200 Euro je Fahrzeug.

Produktionsbezogener Umweltschutz schreitet weiter voran – Beispiele Wasserersparnis und hohe Recyclingrate.

Die deutsche Automobilindustrie ist seit Jahren Spitzenreiter beim produktionsbezogenen Umweltschutz. Moderne Techniken führten bereits seit Anfang der 90er Jahre zu einer Reduktion des Trinkwasserbezuges um mehr als die Hälfte. Auch beim Brauchwasser konnten erhebliche Einsparungen erzielt werden. Dazu korrespondieren die gleichfalls zurückgehenden Abwassermengen. Der nächste Entwicklungsstand ist bereits erreicht: Einem VDA-Mitgliedsunternehmen gelang es, an einem Standort sogar das Ideal der "abwasserfreien Fabrik" zu erreichen.

 

 

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Erstveröffentlichung: 06.05.2008 Letzte Aktualisierung: 17.05.2011