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Maileen Zander VDA - Verband der Automobilindustrie

Erklärung von VDA-Präsident Wissmann nach der VDA-Vorstandssitzung und VDA-Mitgliederversammlung

Gemeinsam die Herausforderung annehmen!

Frankfurt am Main/Köln, 21. November 2008. Nach der Mitgliederversammlung des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) und der VDA-Vorstandssitzung in Köln erklärte VDA-Präsident Matthias Wissmann:

"Die deutsche Automobilindustrie steht vor großen Herausforderungen. Die Finanzmarktkrise und die weltweite Rezession haben erhebliche Auswirkungen auf diese technologisch führende Schlüsselindustrie, an der jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland hängt und die für die Exportstärke dieses Landes steht. Die dramatischen Nachfragerückgänge bei Pkw-Neufahrzeugen in Nordamerika und Westeuropa und die extreme Abkühlung der globalen Nutzfahrzeugkonjunktur sind nicht allein auf einen Konjunkturabschwung zurückzuführen, sondern auch Folge der Finanzmarktkrise, die auf die Realwirtschaft durchschlägt.

Die Unternehmen - Hersteller von Pkw, Lkw und Anhängern/Aufbauten sowie Zulieferer - der deutschen Automobilindustrie stellen sich dieser neuen Lage und passen innerhalb kürzester Zeit ihre Kapazitäten an. Dieser schmerzhafte Anpassungsprozess ist mit erheblichen Kosten verbunden, die die Investitions- und Ertragskraft der Unternehmen beeinträchtigen, und hat auch Auswirkungen auf die Beschäftigung in dieser Branche. Die deutsche Automobilindustrie setzt alles daran, die Wertschöpfungskette zu sichern. Die Automobilhersteller sehen insbesondere auch die schwierige Lage vieler Zulieferer mit Besorgnis und leisten ihren Beitrag, um die erfolgreiche Entwicklungspartnerschaft abzusichern.

Auch der Bankenbereich hat eine große Verantwortung. Der von der Bundesregierung aufgespannte "Rettungsschirm" für den Finanzsektor - der auch für Autobanken eingesetzt werden sollte - hat vor allem auch die Aufgabe, die Realwirtschaft mit den finanziellen Mitteln auszustatten, die zum einen für Investitionen in neue und CO2-freundliche Fahrzeugmodelle und deren Komponenten notwendig sind, zum anderen aber auch für die Auflösung der Kreditklemme im deutschen Güterkraftverkehrsgewerbe erforderlich sind. Damit verbunden ist auch die Sicherung vieler hoch qualifizierter Arbeitsplätze bei Herstellern und Zulieferern. Gesunde und innovationsstarke Unternehmen - insbesondere im Zulieferbereich - dürfen nicht durch eine zu restriktive Kreditpolitik der Banken in ihrer Existenz gefährdet werden. Überdies gilt es, die Möglichkeiten, die die Europäische Investitionsbank und die Kreditanstalt für Wiederaufbau in Form zinsgünstiger Kredite bieten, zu nutzen.

Die Politik ist ebenfalls gefordert. Sie muss für stabile Rahmenbedingungen sorgen, damit die verunsicherten Verbraucher eine verlässliche Planungsgrundlage beim Kauf eines Neuwagens haben. Die vorübergehende Aussetzung der Kfz-Steuer ist dabei ein erster wichtiger Schritt, der ergänzt werden muss durch eine rasche Umstellung der Kfz-Steuer auf CO2-Basis, auch um nachhaltige Anreize zum Erwerb umweltfreundlicher Pkw zu setzen. Ergänzend kann eine befristete Umweltprämie als Absatzförderung dazu beitragen, dieser nicht allein zyklischen Absatzkrise zu begegnen. Auf EU-Ebene ist eine CO2-Regulierung mit Augenmaß anzustreben, die Rücksicht auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Automobilindustrie nimmt, zu keinen Wettbewerbsverzerrungen führt und Neufahrzeuge nicht verteuert.

Die Einführung der degressiven Abschreibung für bewegliche Güter des Anlagevermögens ist ein weiterer wichtiger Schritt, um das Transportgewerbe nach der jüngst beschlossenen Mauterhöhung zu entlasten. Darüber hinaus gilt es nun sicherzustellen, dass die Harmonisierungsmaßnahmen für das deutsche Güterkraftverkehrsgewerbe mit einem Gesamtvolumen von 600 Mio. Euro tatsächlich in vollem Umfang bereits im kommenden Jahr zur Verfügung stehen. Keinesfalls sollten zum gegenwärtigen Zeitpunkt die Pläne der EU-Kommission zur Einbeziehung von Umwelt- und Staukosten in die Maut in vorliegender Form weiterverfolgt werden. Dies hätte weitere Drehungen an der Kostenschraube zur Folge und würde das Transportgewerbe in einer Weise belasten, die die Funktionsfähigkeit der Logistikprozesse gefährdet.

Der Verband der Automobilindustrie begrüßt die Initiativen, mit denen die Politik diese Schlüsselbranche in einer sehr schwierigen Phase begleitet. Durch ihre Modelloffensive und ihre Fortschritte bei CO2-freundlichen Neufahrzeugen ist die deutsche Automobilindustrie im internationalen Vergleich heute technologisch führend und wettbewerbsfähiger als vor drei Jahren. Hersteller und Zulieferer sind davon überzeugt, dass die aktuelle Krise nur durch gemeinsames und schnelles Handeln überwunden werden kann. Politik und Wirtschaft sollten gemeinsam darauf hinarbeiten, dass die Verbraucher wieder Vertrauen fassen und ihre Kaufzurückhaltung ablegen. Der Wunsch nach individueller Mobilität ist weiterhin ausgeprägt, das steigende Angebot an kraftstoffeffizienten Neufahrzeugen deutscher Marken kommt dem veränderten Kundenverhalten entgegen. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, wird die deutsche Automobilindustrie - Hersteller wie Zulieferer - stärker als zuvor und als ihre Wettbewerber nach dieser Krise auf den Weltmärkten präsent sein."