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Peter Oswald VDA - Verband der Automobilindustrie

Prognose: US-Markt wird 2010 wieder wachsen – Clean Diesel in der Offensive

Wissmann: Deutsche Marken steigern Marktanteile in den USA

Frankfurt am Main/Detroit, 11. Januar 2009. "Auch wenn die aktuelle Krise einschneidender und schmerzhafter ist als alles, was wir in den letzten Jahrzehnten erlebt haben, so gilt doch für die deutschen Hersteller gerade jetzt und hier in den USA: Yes, we can! Die deutschen Hersteller haben in den letzten vier Jahren ihren Marktanteil kontinuierlich gesteigert - und sie werden das mit ihrer innovativen Produktpalette auch im Jahr 2009 tun. Trotz der Krise bleiben die USA einer der wichtigsten Automobilmärkte weltweit, auf den rund ein Viertel der weltweiten Automobilnachfrage entfällt", betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf der VDA-Pressekonferenz in Detroit auf der North American International Auto Show (NAIAS).

Allerdings sei, so der VDA-Präsident, nach dem dramatischen Absatzeinbruch des Light Vehicles-Marktes im abgelaufenen Jahr (-18 Prozent auf 13,2 Mio. Einheiten) im laufenden Jahr "die Durststrecke noch nicht zu Ende". Die Auswirkungen der Immobilien- und Finanzkrise sowie eine deutliche Zurückhaltung der Banken bei der Vergabe von Konsumentenkrediten hätten die Verbraucher in Nordamerika stark verunsichert und zu einer deutlichen Zurückhaltung beim Neuwagenkauf geführt. Zumindest im ersten Halbjahr 2009 werde die Nachfrage weiter sinken. "Wir erwarten für das Gesamtjahr 2009 einen weiteren Rückgang auf 11 bis 12 Mio. Light Vehicles. Falls die Maßnahmen, die die US-Regierung angekündigt oder bereits beschlossen hat, greifen, könnten erste positive Tendenzen im 4. Quartal 2009 sichtbar werden", sagte Wissmann.

Der VDA-Präsident betonte: "Langfristig - daran gibt keinen Zweifel - wird der US-Markt wieder auf einen Wachstumspfad einschwenken." So rechnet z. B. das renommierte Global Insight-Institut für das Jahr 2010 bereits wieder mit einem Absatz von 14 Mio. Light Vehicles auf dem US-Markt, für 2012 wird ein Markt von über 16 Mio. Fahrzeugen prognostiziert. Trotz der aktuellen Schwierigkeiten, so der VDA-Präsident, bieten die grundsätzlichen Rahmenbedingungen in den USA - ein starkes Bevölkerungswachstum (+0,9 Prozent/Jahr) sowie ein deutlich jüngeres Durchschnittsalter der Bevölkerung (37 Jahre) im Vergleich zu Japan (44) oder Deutschland (43) - durchaus Potenzial für eine Erholung. "Hinzu kommt, dass in wenigen Tagen mit Barack Obama ein neuer US-Präsident antritt, der sich bereits jetzt aktiv um die Wirtschaftspolitik kümmert. Wir beobachten auch, dass dieses Land beim Gegensteuern der Finanzkrise alles andere als zögerlich handelt, sondern mutig und entschlossen die Probleme angeht. Gerade angesichts der großen Herausforderungen sind Zuversicht und Tatkraft notwendig", unterstrich Wissmann.


Der VDA-Präsident betonte: "Die deutschen Automobilhersteller haben 2008 in diesem extrem schwachen Marktumfeld mit 890.000 abgesetzten Fahrzeugen (-6 Prozent) noch vergleichsweise gut abgeschnitten und ihren Marktanteil um einen Prozentpunkt auf annähernd 7 Prozent erhöht." Damit setze sich ein Trend der letzten Jahre erfreulicherweise fort: "Die deutschen Hersteller punkten mit ihren kraftstoffeffizienten und mit höchstem Sicherheitsstandard ausgestatteten Modellen - im Aufschwung wie im Abschwung. Sie haben in den letzten vier Jahren ihren Light Vehicles-Marktanteil kontinuierlich ausgebaut - von 5,1 Prozent auf 6,7 Prozent. Mittelfristig ist durchaus auch die 10-Prozent-Marke denkbar." Das Marktanteilswachstum fand dabei sowohl im Car- wie auch im Light Truck-Bereich statt. In beiden Bereichen wurde 2008 ein bisheriger Höchststand beim Marktanteil erreicht; bei den Cars liegt er bei eindrucksvollen 10,7 Prozent.

In der Oberklasse haben die deutschen Marken ihre dominierende Position auf nunmehr 43 Prozent Marktanteil weiter ausbauen können. Insbesondere in der immer wichtiger werdenden Kleinwagenklasse - zu der u. a. smart, BMW Mini und VW Jetta gezählt werden - haben die deutschen Marken zugelegt und ihren Absatz 2008 um 11 Prozent auf 258.000 Einheiten steigern können, während das Segment insgesamt nahezu stabil blieb (-1 Prozent). Damit ist fast jedes dritte deutsche Fahrzeug, das in den USA im vergangenen Jahr abgesetzt wurde, dem Kleinwagensegment zuzuordnen. Dieser Bereich ist in den letzten vier Jahren - bezogen auf den Car-Sektor - kontinuierlich von 14 Prozent auf knapp ein Fünftel gewachsen. Auch im CUV-Bereich (Cross Utility Vehicles), dessen Marktanteil in den letzten vier Jahren von 11 auf über 18 Prozent gestiegen ist, haben die deutschen Hersteller mit ihren Modellen - u. a. VW Tiguan oder BMW X 3 - kräftig zugelegt und ihren Absatz um über 50 Prozent erhöht. Wissmann: "Diese Beispiele unterstreichen, dass die deutschen Hersteller mit ihrer Modellpolitik die richtigen Akzente auf dem US-Markt setzen."

Diese positive Aussage gelte auch für die Standortpolitik der deutschen Hersteller: "Seit vielen Jahren bauen unsere Unternehmen ihre Produktion im Nafta-Raum kontinuierlich aus", sagte Wissmann. 2008 haben sie ihre dortige Fertigung um 5 Prozent auf 776.000 Fahrzeuge erhöht; das sind 15 Prozent der gesamten Auslandsproduktion deutscher Hersteller (2005: 10 Prozent). Dieser Anteil wird sich in den nächsten Jahren aufgrund des Produktionsstarts des VW-Werks in Chattanooga/Tennessee noch einmal deutlich erhöhen.

Mit 232.000 Light Vehicles kommt derzeit jedes vierte deutsche Fahrzeug, das in den USA neu zugelassen wird, aus nordamerikanischen Produktionsstätten (Nafta-Raum). 658.000 Fahrzeuge stammen aus Europa, davon 524.000 aus Deutschland. Allein in den letzten vier Jahren haben die deutschen Hersteller ihre Fertigung im Nafta-Raum um 75 Prozent auf 775.000 Einheiten erhöht, während das Exportvolumen in diese Region in diesem Zeitraum in etwa stabil blieb. "Damit macht sich die deutsche Automobilindustrie Schritt für Schritt unabhängiger von Währungsschwankungen, zugleich unterstreicht diese Entwicklung die große Bedeutung Nordamerikas im globalen Produktionsverbund und als Exportdrehscheibe", sagte Wissmann.

Der VDA-Präsident betonte: "Der Export der deutschen Hersteller in die USA entwickelte sich im vergangenen Jahr wesentlich günstiger als der US-Markt insgesamt." Auf die Vereinigten Staaten entfallen 13 Prozent des gesamten deutschen Pkw-Exports, wertmäßig entspricht das sogar einem Anteil von 16 Prozent. "Die Vereinigten Staaten sind damit - nach Großbritannien - vom Volumen her unser zweitgrößter Exportmarkt, wertmäßig sogar unser wichtigster", so Wissmann.

Trotz des zwischenzeitlich schwachen US-Dollarkurses habe die deutsche Automobilindustrie 2008 einen automobilen Handelsbilanzüberschuss mit den USA in Höhe von 15 Mrd. Euro erwirtschaftet. Allein die deutschen Zulieferunternehmen exportierten Waren im Wert von insgesamt knapp 3 Mrd. Euro in die USA. Der Premiumanspruch der deutschen Anbieter auf dem US-Markt werde auch durch die Premieren in Detroit - darunter Audi R8 V10, BMW Z4, Mercedes-Benz E-Klasse - unterstrichen.

Die deutschen Hersteller setzen vor allem mit umweltfreundlicher Technologie neue Maßstäbe, betonte Wissmann: "So gibt es ab diesem Jahr auf dem US-Markt erstmals mit Audi, BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen ein deutsches ‚Clean-Diesel-Quartett': Alle vier Marken bringen derzeit Modelle auf den Markt, die die anspruchsvollsten Abgasnormen (BIN 5) in allen 50 US-Bundesstaaten erfüllen. Das wird die Nachfrage sicherlich anregen."

J. D. Power rechnet mit einer Vervierfachung des aktuellen Marktanteils von Diesel-Light Vehicles bis zum Jahr 2015 auf 9 Prozent. Wissmann: "Wir sind davon überzeugt, dass die deutschen Marken bei diesem Wachstumsprozess die Führungsrolle innehaben werden. Dafür spricht auch, dass zum ‚Green Car of the Year 2009' mit dem VW Jetta TDI erstmals ein Clean Diesel gewählt wurde, der die schärfsten
US-Abgasnormen erfüllt. Auch bei der Hybridtechnologie werden unsere deutschen Hersteller ihre Kompetenz unter Beweis stellen. Da ist vieles in der Pipeline."

Zudem seien es deutsche Hersteller, wie etwa Mercedes-Benz mit dem Concept BlueZero, die in Detroit den Weg in die umweltverträgliche Elektromobilität zeigten - mit einer Reichweite von über 400 Kilometern durch elektrische Antriebe. "Diese technologische Vorreiterrolle der deutschen Hersteller bietet beste Chancen dafür, dass wir auch im laufenden Jahr unsere Marktanteile weiter steigern werden", sagte Wissmann.