Premierenfeuerwerk in Genf – Modelloffensive bei Elektro-Autos
Wissmann: Deutsche Automobilindustrie führt CO2-Reduzierung an
Pkw-Export kräftig gestiegen – Normalisierung auf dem Inlandsmarkt
Genf/Berlin, 2. März 2010. "Dieser Genfer Salon zeigt: Die deutsche Automobilindustrie arbeitet mit Hochdruck an der Entwicklung von Elektrofahrzeugen – vom Mild Hybrid über den Plug-in-Hybrid bis hin zum reinen Elektro-Auto. Die hohe Innovationsgeschwindigkeit unserer Hersteller bei der Entwicklung alternativer Antriebe ist eindrucksvoll. Der Elektroantrieb in all seinen Varianten wird zum zweiten strategischen Standbein dieser Schlüsselbranche", betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf der VDA-Pressekonferenz auf dem Genfer Automobilsalon. Gleichzeitig gehe der Verbrauch bei den klassischen Antrieben – Clean Diesel und Benziner – immer weiter zurück: "Heute bieten unsere deutschen Hersteller mehr als 140 Modelle mit einem Verbrauch von unter 5 Liter pro 100 km an. Dies entspricht einer CO2-Emission von etwa 130 g/km. Die Zahl dieser Modelle hat sich gegenüber dem Vorjahr nahezu verdoppelt", so Wissmann.
Er verwies darauf, dass die deutschen Hersteller mit der CO2-Reduzierung ihrer neuen Modelle Jahr für Jahr schneller vorankommen. Nachdem 2008 der durchschnittliche CO2-Wert aller neuzugelassenen Pkw in Deutschland bereits um 3,0 Prozent zurückging, sanken die durchschnittlichen CO2-Werte 2009 insgesamt sogar um 6,5 Prozent auf unter 154 g/km. Auch im laufenden Jahr habe sich der CO2-Reduktionstrend weiter fortgesetzt: Im Januar 2010 unterschritt der durchschnittliche CO2-Wert aller neu zugelassenen Pkw in Deutschland das Vorjahresergebnis um 3,8 Prozent. Dabei kamen die deutschen Konzernmarken mit minus 4,3 Prozent fast doppelt so schnell voran wie die Importeure.
Die deutschen Hersteller sind bei der Kraftstoffeffizienz ihrer Modelle im internationalen Vergleich führend. Nach den offiziellen Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) haben die neu zugelassenen Fahrzeuge deutscher Hersteller auch im Januar 2010 in neun von zehn Segmenten – vom Kleinwagen bis zum Familien-Van – durchschnittlich niedrigere CO2-Werte als die Importmarken. Wissmann betonte: "In sechs von zehn Segmenten stellen wir den CO2-Champion, also das Auto mit den niedrigsten CO2-Emissionen." Unter den Top 4 der Modelle, die 2009 die größten prozentualen CO2-Reduktionen aufweisen konnten, finden sich ausschließlich deutsche Marken – mit zweistelligen Minderungsraten innerhalb nur eines Jahres; unter den Top 20 sind 14 deutsche Modelle.
"Der Trend ist deutlich erkennbar: Die CO2-Champions aus deutscher Fertigung sind nicht mehr nur bei Kleinwagen anzutreffen, sondern erobern mehr und mehr die Kompaktklasse, die Mittelklasse und die Oberklasse", betonte Wissmann. Dies sei auch das Ergebnis der hohen Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen, die selbst im Krisenjahr um 4,4 Prozent auf 20,9 Mrd. Euro gesteigert wurden. Mehr als die Hälfte dieser Mittel fließt in Umwelttechnologien. Die Innovationskraft der deutschen Hersteller sei auch daran erkennbar, dass 85 Prozent aller neu zugelassenen Pkw, die bereits heute die ab Januar 2011 obligatorische anspruchsvolle Abgasnorm Euro 5 erfüllten, Fahrzeuge deutscher Konzernmarken seien.
Wissmann betonte, dass das Rennen um die beste Zukunftstechnologie noch nicht entschieden sei. Daher setze die Industrie nicht "alles auf eine Karte", sondern verfolge eine "Fächerstrategie", die die Optimierung und Hybridisierung der klassischen Verbrennungsmotoren ebenso umfasse wie die Entwicklung von Elektroautos mit leistungsfähigen Batterien, den Wasserstoffantrieb und die Brennstoffzelle als langfristige Alternative. "Nur wenn die Nachfrage nach Autos mit klassischen Antrieben weiterhin hoch bleibt, können die erheblichen Investitionsmittel für die Elektromobilität und weitere alternative Antriebe auch erwirtschaftet werden", so Wissmann.
Er begrüßte den Entwicklungsplan der Bundesregierung zur Elektromobilität. Dieser Ansatz sei richtig und müsse nun konkret ausgestaltet werden. Im Jahr 2020 sollen nach den Vorgaben der Bundesregierung rund eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs sein. Allerdings werde auch im kommenden Jahrzehnt der optimierte Verbrennungsmotor noch den größten Anteil an den Neuzulassungen haben.
"Wir brauchen für die Elektromobilität ein vergleichbares Wettbewerbsumfeld bei den Rahmenbedingungen, den Forschungsgeldern und den Markteinführungsimpulsen in Europa. Einen Subventionswettlauf in Europa wollen wir nicht", betonte Wissmann. Notwendig seien internationale Standardisierung, Normung und geeignete steuerliche Rahmenbedingungen. Die Forschungsförderung insbesondere für die Batterieentwicklung sei dabei die "Schlüsselfrage". Automobilindustrie, Energiewirtschaft, Elektroindustrie und andere Industrien hätten bei der Elektromobilität bereits erhebliche Vorarbeiten geleistet. Bis zum Spitzengespräch mit der Bundeskanzlerin am 3. Mai 2010 werden Bundesregierung und Wirtschaft eine Struktur für ein gemeinsames Arbeitsprogramm entwickeln.
Der internationale Wettbewerb um die Elektromobilität sei längst im Gange. In wichtigen Ländern außerhalb Deutschlands sei die Elektromobilität ein "strategisches Ziel": "Es kommt nun entscheidend darauf an, dass der Industrie- und Forschungsstandort Deutschland sich hier einen Wettbewerbsvorsprung erarbeitet", betonte Wissmann.
Der VDA-Präsident stellte in Genf auch die aktuellen Marktzahlen vor. So wurden im Februar 2010 in Deutschland 194.800 Pkw neu zugelassen. Gegenüber dem sehr starken Vorjahresmonat, der aufgrund des damaligen Anlaufens der Umweltprämie ein Zehn-Jahres-Hoch erreichte, ist dies ein Rückgang um 30 Prozent. Beide Monate zusammen liegen im Mittel immer noch um 5 Prozent über dem langjährigen Durchschnitt. Einen positiven "Nettoeffekt" erwartet der VDA-Präsident auch für die Jahre 2009 und 2010. Nachdem 2009 der Inlandsmarkt auf über 3,8 Mio. Einheiten gestiegen war, sei 2010 mit einer Normalisierung und einem Volumen zwischen 2,75 Mio. und 3,0 Mio. Pkw-Neuzulassungen zu rechnen. Wissmann: "Im Mittel sind das gut 3,3 Mio. Neuwagen – damit liegen diese beiden Jahre im Schnitt klar über dem mittelfristigen Marktvolumen von 3,0 bis 3,1 Mio. Einheiten."
Bei den gewerblichen Zulassungen ist eine deutliche Aufwärtstendenz erkennbar. Seit Mai 2009 ist ihr Anteil am gesamten Pkw-Markt von 31 auf 57 Prozent gestiegen und hat damit das Niveau von 2008 wieder erreicht. Wissmann: "Wir gehen davon aus, dass die gewerblichen Zulassungen das jetzt erreichte Niveau halten werden."
Zudem steige der Dieselanteil bei den Pkw-Neuzulassungen: Nachdem dieser im vergangenen Jahr um 14 Prozentpunkte auf 31 Prozent gefallen war, hat er nahezu wieder die 40-Prozent-Marke erreicht: "Das ist nicht nur eine Nachwirkung der Umweltprämie, sondern auch eine Folge der wieder gestiegenen Preisdifferenz zwischen Otto- und Dieselkraftstoff an der Zapfsäule", betonte Wissmann. Diesel sei verhältnismäßig günstiger geworden.
Auch in den Segmentstrukturen sei eine "Rückkehr zur Normalität" deutlich zu sehen: Der Anteil von Klein- und Kompaktwagen ist rückläufig, während das Mittelklassesegment im laufenden Jahr wieder zulegen wird. Der Premiummarkt werde sich im laufenden Jahr besser entwickeln als der Gesamtmarkt: "Dafür sprechen die Entwicklungen bei den gewerblichen Zulassungen, den Firmenwagen und nicht zuletzt die Erholung beim Clean Diesel", so Wissmann.
Der inländische Auftragseingang sei im Februar erwartungsgemäß stark rückläufig gewesen – auch hier wirke sich der hohe Vorjahreswert aus. Der Auftragsbestand liegt mit 357.000 Einheiten nur leicht unter dem Schnitt der vergangenen Jahre. Wissmann betonte: "Klar ist, dass die prämienbedingten ,Auftragshalden’ abgebaut sind." Die aktuelle Lage unterscheide sich, so Wissmann, deutlich vom Vorjahresmonat: "Damals galt ‚Fahren auf Sicht’, heute ist eine verlässliche Planung durchaus wieder möglich."
Die Produktion, die im vierten Quartal 2009 um 15 Prozent gestiegen war und mit mehr als 1,3 Mio. wieder leicht über dem Niveau der letzten Jahre lag, hat auch im Februar erneut zugelegt: Mit 443.200 Pkw wurden fast 50 Prozent mehr Einheiten als im Vorjahr gebaut, seit Jahresbeginn stieg die Fertigung um mehr als ein Drittel. Damit liegt die Produktion nach zwei Monaten nur noch knapp 5 Prozent unter dem Mittelwert der vergangenen sechs Jahre. Wie hoch die Pkw-Produktion im Gesamtjahr 2010 sein werde, hänge vor allem von der Entwicklung der Exportmärkte ab.
Der weltweite Pkw-Markt werde im laufenden Jahr von 55,3 Mio. Einheiten (2009) auf rund 57 Mio. Einheiten zulegen. Allerdings werde das Wachstum außerhalb Europas stattfinden. Im Januar sei der chinesische Markt um 121 Prozent gewachsen und mit 1,06 Mio. Pkw erstmals größer gewesen als ganz Westeuropa (1,03 Mio. Pkw). "Wir gehen aber nicht davon aus, dass China dieses hohe Tempo im Gesamtjahr beibehalten kann, sondern rechnen für 2010 mit einem Plus von mindestens zehn Prozent auf über 9,2 Mio. Pkw in diesem Markt", sagte Wissmann. Für Indien wird ein Wachstum von 12 Prozent erwartet.
"Damit ist klar erkennbar, dass sich die automobilen Gewichte auf den Weltmärkten verschieben: Die Bedeutung der asiatischen Märkte wird immer größer. Wer, wie die deutschen Hersteller und Zulieferer, vor Ort präsent ist, wird zu den Gewinnern gehören", betonte Wissmann.
Der US-Markt, auf dem die deutschen Hersteller seit mehr als fünf Jahren kontinuierlich ihren Marktanteil steigern, wird 2010 um etwa 11 Prozent auf 11,5 Mio. Light Vehicles zulegen. Westeuropa hingegen werde das Auslaufen der Prämien in mehreren Ländern spüren. Auch für die neuen EU-Länder gibt es noch keine Signale, dass dort die Ampel auf "grün" schaltet.
Im Februar 2010 haben die deutschen Hersteller 337.600 Pkw exportiert, das ist ein Zuwachs um 57 Prozent. Damit stiegen die Exporte im fünften Monat in Folge. Allerdings war der Export im Februar 2009 um 47 Prozent eingebrochen. Der Auftragseingang aus dem Ausland konnte im Februar 2010 um ein Drittel gesteigert werden und setzte damit die seit August 2009 zu beobachtende Aufwärtsbewegung fort.
Wissmann: "Vor diesem Hintergrund erweist sich einmal mehr die Doppelstrategie der deutschen Hersteller – Steigerung des Exports bei gleichzeitigem Aufbau der Auslandsfertigung – als weitsichtig und richtig: Um die Stabilität dieser Branche zu beurteilen, darf man daher nicht nur auf den Export schauen, sondern muss auch unsere Präsenz auf den Wachstumsmärkten vor Ort berücksichtigen. In den vergangenen 15 Jahren haben die deutschen Hersteller ihre Auslandsproduktion verdreifacht, ihren Export verdoppelt und ihre Inlandsfertigung immerhin um 50 Prozent gesteigert."
Im Jahr 2010 werden, so der VDA-Präsident, erstmals mehr Autos deutscher Konzernmarken an internationalen Standorten gefertigt als im Inland. "Bislang hat das auch der inländischen Beschäftigung genutzt. Es galt die Faustregel: zwei bis drei neue Arbeitsplätze im Ausland sichern oder schaffen einen Arbeitsplatz im Inland. Wir werden alles daran setzen, dass diese Relation auch künftig gilt." Dabei werde es entscheidend darauf ankommen, dass die Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen in Deutschland weiterhin auf hohem Level gehalten werden.
