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Wissmann: Forschung und Entwicklung stärken

Spitzentreffen zur Elektromobilität in Berlin

Spitzentreffen zur Elektromobilität in Berlin

Wissmann: Forschung und Entwicklung stärken

Industrie treibt Elektromobilität mit Milliardeninvestitionen voran – Schaufenster und Forschungsprojekte rasch umsetzen

Berlin, 1.Oktober 2012.               "Die Elektromobilität wird kommen, die Frage ist nur, wo und wann sie den Durchbruch schafft. Denn für eine nachhaltige Mobilität der Zukunft ist sie eine Schlüsseltechnologie", sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) und Koordinator der deutschen Wirtschaft für Elektromobilität, anlässlich des heutigen Spitzengesprächs im Kanzleramt.

Nachdem die Nationale Plattform Elektromobilität (NPE) im Juni ihren Fortschrittsbericht an die Bundesregierung übergeben hat, trafen sich heute Bundeskanzlerin Angela Merkel und die beteiligten Bundesminister Peter Altmaier, Peter Ramsauer, Philipp Rösler und Annette Schavan mit führenden Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft, um über die aktuelle Situation bei der Elektromobilität in Deutschland und weitere Schritte zu beraten.

Wissmann betonte, die Elektromobilität sei für Deutschland eine Chance, seine Spitzenposition als Industrie- und Innovationsstandort auszubauen. Der branchenübergreifende Zusammenschluss in der Nationalen Plattform Elektromobilität sei der richtige Weg, um diese Herkulesaufgabe zu stemmen  "Doch der internationale Wettbewerb wird intensiver. Frankreich, China, Japan und die USA etwa treiben die Elektromobilität ebenso massiv voran. Das weltweite Rennen um diese Zukunftstechnologie ist ein Langstreckenlauf, in dem wir ein hohes Tempo und einen langen Atem haben müssen", so der VDA-Präsident. Die Industrie trage ihren Teil dazu bei. Allein die Automobilindustrie nehme in den kommenden zwei Jahren bis zu 12 Milliarden für alternative Antriebe in die Hand. Mit intensiven Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen seien schon erhebliche Fortschritte erzielt worden. Das zeige auch der aktuelle Elektromobilitätsindex EVI, nach dem Deutschland auf einem der vorderen Plätze liegt und  inzwischen auch China überholt hat.  Der  Index misst den Fortschritt bei der Entwicklung alternativer Antriebe und die Reife von Elektromobilitätsmärkten. Bei den Prototypen von Elektroautos sei Deutschland sogar Spitzenreiter und baue seine Führung kontinuierlich aus. Wissmann: "Die ersten Elektroautos sehen Sie bereits auf unseren Straßen. Bis 2014 werden die deutschen Hersteller 15 neue elektrifizierte Fahrzeugmodelle auf den Markt bringen. Jeder einzelne dieser Serienanläufe steht für hunderte Millionen Euro Entwicklungskosten."

Wissmann unterstrich: "Ob Deutschland Leitmarkt und Leitanbieter für Elektromobilität wird, hängt nicht nur von unseren technologischen Fortschritten, sondern auch von den politischen Rahmenbedingungen ab. Sie entscheiden darüber, wo Investitionen lohnenswert sind und wo die Märkte für Elektromobilität entstehen werden. Deswegen kommt es jetzt darauf an, die von der Bundesregierung vorgeschlagenen Maßnahmen und Projekte konsequent umzusetzen. Die Verlängerung der Kfz-Steuerbefreiung für Elektroautos von fünf auf zehn Jahre, der Nachteilsausgleich bei der Firmenwagensteuer und die Beschaffung von E-Fahrzeugen durch die öffentliche Hand sind erste richtige Schritte."

Zudem gelte es, die Autofahrer für den neuen Antrieb zu begeistern, so Wissmann. "Dazu leisten die geplanten Schaufensterregionen einen wichtigen Beitrag, indem sie Elektromobilität sichtbar und für den Nutzer erfahrbar machen." Zur Erprobung des elektrischen Fahrens hat die Bundesregierung die Einrichtung von vier "Schaufenstern" beschlossen. Diese Testfelder in Baden-Württemberg, Berlin/Brandenburg, Niedersachsen, und Bayern/Sachsen werden drei Jahre lang mit insgesamt 180 Millionen Euro gefördert. Sie sollen Erkenntnisse über das Nutzerverhalten und das Zusammenspiel der verschiedenen Technologien im Alltag liefern sowie neue Geschäftsmodelle testen. Zu den Forschungsvorhaben zählen die intelligente Elektrifizierung von gewerblichen Flotten, die Vernetzung von Mobilitätsangeboten durch IT-Angebote sowie die Bereitstellung von Ladeinfrastruktur für das Schnell- und Normalladen im öffentlich zugänglichen Bereich.

"Die Schaufenster sollten jetzt schnell gestartet werden", betonte Wissmann. Ebenso wichtig sei es, die von der NPE in den sechs sogenannten Leuchttürmen definierten Forschungsvorgaben (Batterie, Antriebstechnologie, Fahrzeugintegration, Leichtbau, Recycling, IKT und Infrastruktur) rasch umzusetzen. "Dabei geht es vor allem um Forschungsförderung im vorwettbewerblichen Bereich, nicht nur im Bereich der Automobilindustrie, sondern in allen beteiligten Branchen", so Wissmann. Es gebe vier Schlüsselaufgaben, die für den Erfolg der Elektromobilität zu lösen seien: Der größte Entwicklungsbedarf bestehe bei der Batterie- und Zellfertigung. Für Kosten, Reichweite, Speicherkapazität, Zyklenfestigkeit und Ladefähigkeit müssten noch Lösungen gefunden werden, die technisch und wirtschaftlich überzeugten. Zudem sei für den Markterfolg der Elektromobilität der Aufbau einer standardisierten und anbieterunabhängigen Infrastruktur, internationale Normung und Standardisierung erforderlich. Innerhalb Europas aber auch mit den USA und China gebe es konkrete Bemühungen, zu einheitlichen Standards zu kommen. Hier könne die Politik helfen, indem sie das Gespräch mit den jeweiligen Staaten suche. "Darüber hinaus müssen die geeigneten Rahmenbedingungen definiert werden. Elektrofahrzeuge werden noch über einige Jahre teurer sein als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren. Das liegt vor allem an den hohen Batteriepreisen. Durch Fortschritte in Forschung und Entwicklung sowie innovativen Produktionstechnologien in der Serienfertigung werden die Preise zwar weiter sinken. Aber klar ist: Zu Beginn braucht der Markthochlauf aktive Begleitung" so Wissmann. "Außerdem  brauchen wir branchenübergreifend genügend Fachkräfte. Die Nationale Plattform Elektromobilität ist sich mit der Bundesregierung einig: Eine fundierte Ausbildung sowie eine systematische berufliche Qualifizierung sind ein wesentlicher Schlüssel zum Erfolg der Elektromobilität."

Erstveröffentlichung: 01.10.2012