VDA-Jahresauftaktpressekonferenz

    Starker Standort und Wettbewerbsfähigkeit als große Ziele für 2023

    Bei der Pressekonferenz zum Jahresauftakt forderte Verbandspräsidentin Hildegard Müller ein ambitioniertes Programm für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit und einen starken Industriestandort. Dabei stellte sie konkrete Handlungsfelder vor, die für die Sicherung der globalen Relevanz Deutschlands entscheidend sind.

    Bei der Pressekonferenz zum Jahresauftakt forderte Verbandspräsidentin Hildegard Müller ein ambitioniertes Programm für eine bessere Wettbewerbsfähigkeit und einen starken Industriestandort. Dabei stellte sie konkrete Handlungsfelder vor, die für die Sicherung der globalen Relevanz Deutschlands entscheidend sind.

    Bei der großen digitalen Pressekonferenz zum Jahresauftakt gab Hildegard Müller einen Ausblick auf die wichtigsten Themen des Jahres 2023 für die deutsche (Automobil-)Industrie. Dabei betonte die VDA-Präsidentin vor allem, dass Deutschland und Europa als führende Industriestandorte gestärkt werden müssten, um das erfolgreiche Gelingen der Transformation sicherzustellen. Weiterhin wurden die Marktprognosen der deutschen Automobilindustrie für das Jahr 2023 vorgestellt.

    „Wirtschafts- und Geopolitik stärker zusammendenken“

    Die Jahresziele 2023 für den Industriestandort Deutschland lassen sich nicht ohne einen Blick auf das vergangene Jahr festlegen: Die Pandemie, der Ukraine-Krieg, angespannte Lieferketten, die Energiekrise und weitere globale Konflikte haben uns das vergangene Jahr über begleitet – und die Menschen, Wirtschaft und Industrie vor große Herausforderungen gestellt.

    Erfahrungen, die gleichermaßen das Bewusstsein dafür schaffen, dass unser bisheriges Wirtschaftsmodell kein automatischer Wohlstandsgarant mehr ist. Die geopolitischen Entwicklungen haben auch die Schwächen des Standortes Deutschland schonungslos offengelegt: „Während international ein intensiver Standortwettbewerb begonnen hat, ist Deutschland nun - neben dem andauerndem Krisenmanagement - damit konfrontiert, dass Wirtschafts- und Geopolitik fortan noch stärker strategisch zusammengedacht und entwickelt werden müssen“, so das Resümee von Hildegard Müller.

    Rund um die Jahresauftaktpressekonferenz stand Hildegard Müller für Fragen von TV-Teams zur Verfügung.

    Internationale Relevanz sichern

    Welcher Auftrag leitet sich daraus für den Industriestandort Deutschland ab? Die politischen und wirtschaftlichen Akteurinnen und Akteure müssen die Transformation zur Klimaneutralität mit noch mehr Nachdruck voranbringen. Weiterhin betonte Hildegard Müller, dass Deutschland global mehr Verantwortung, seine Werte und Klimaschutz-Überzeugungen nur als eine weltweit führende Wirtschaftsnation international langfristig verankern kann.

    Einen Schlüssel sieht sie in einem klaren Bekenntnis von Politik und Gesellschaft zur Industrie: „Ohne ein ambitioniertes Programm für Wettbewerbsfähigkeit und Standort drohen wir, global dauerhaft den Anschluss zu verlieren - mit negativen Folgen für Wohlstand, Beschäftigung und Klimaschutz.“

    Klar ist: Standort und Wettbewerbsfähigkeit müssen die politischen Prioritäten im Jahr 2023 sein, um die globale Relevanz des Industriestandortes Deutschlands zu stärken und zu sichern. Hildegard Müller stellte in ihrem Vortrag folgende Handlungsfelder vor, die für dieses Programm entscheidend sind:

    1. Energiepolitik

    Industrie braucht Energie – und zwar gleichzeitig CO₂-freie und bezahlbare. Deshalb ist es wichtig, dass sich die Politik nicht nur vor allem mit den akuten Auswirkungen der Energiekrise beschäftigt, sondern eine strategische langfristige Versorgung sicherstellt.

    Energie sollte bezahlbar und kein „Luxusgut“ für die Menschen und Industrie sein – das zu erreichen, wird jedoch angesichts der Stromkostenentwicklung in diesem Jahr noch herausfordernder. Entscheidend wird sein, dass der Bedarf mit allen vorhandenen Optionen abgesichert wird und kurzfristige steuerliche Entlastungen unbürokratisch und schnell zu Entspannungen führen.

    In dem Zusammenhang betonte Hildegard Müller: „Je mehr sich Energiebeschaffung und -erzeugung verteuern, umso mehr muss der Staat dafür sorgen, dass andere Kosten- und Steuerbelastungen gesenkt werden.“

    Weiterer Punkt: Der Zugang zu Energie ist längst eine Schlüsselfrage im internationalen Wettbewerb. Deshalb sollten sich Berlin und Brüssel zukünftig gemeinsam konsequenter für internationale Energiepartnerschaften einsetzen und diese abschließen.

    2. Digitale und analoge Infrastruktur

    79 Prozent der Unternehmen in Deutschland sehen sich derzeit durch eine mangelhafte Infrastruktur in ihrem Geschäft beeinträchtigt. Das ergab eine Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). So erschweren gesperrte Autobahnen, Ausfälle im Schienenverkehr oder Staus in den Seehäfen die Aktivitäten der Firmen. Deshalb: Der Infrastruktur in Deutschland muss wieder eine zentrale Bedeutung zukommen, damit dieser einstige Standortvorteil seinen Teil zur leistungsfähigen Wirtschaft und zum Gelingen der Transformation beitragen kann.

    Deutlich wird das beispielsweise beim Hochlauf der E-Mobilität: Eine zuverlässige Infrastruktur von Lademöglichkeiten bildet die Grundlage für das Vertrauen der Menschen in die Verkehrswende. Das Laden muss zu fairen Preisen und mit klimaneutraler Energie möglich sein – derzeit klaffen hier jedoch Ziele und Realität weit auseinander.

    Fokus Digitalisierung: Ebenfalls werden die Unternehmen durch ein mangelhaftes Kommunikationsnetz deutlich beeinträchtigt. So gaben mehr als zwei Drittel der befragten Firmen an, dass ein Teil ihrer Probleme in der Kommunikationsinfrastruktur liegt. Fazit: Um die herausfordernden wirtschaftlichen Ziele meistern zu können, braucht es nicht nur eine ausgezeichnete analoge, sondern auch eine ausgezeichnete digitale Infrastruktur – und hier muss die staatliche Leistungsfähigkeit dringend aufholen.

    3. Mehr Geschwindigkeit bei bürokratischen Prozessen

    Langsame und bürokratische Genehmigungsverfahren haben sich zu einer immer größeren Herausforderung für die Industrie entwickelt – es herrscht dringender Reformbedarf.

    Besonders die komplexen Genehmigungsverfahren und Berichtspflichten belasten kleine und mittelständische Unternehmen das gilt auch für die Automobilindustrie. Für unsere Branche heißt das: Die langatmigen komplexen Abläufe haben sich zu einem massiven Investitionshemmnis entwickelt. Und: Zwischen der betrieblichen Realität und dem Anspruch der Bundesregierung, Planungs- und Genehmigungsverfahren zu beschleunigen, klafft ein himmelweiter Unterschied.

    Unsere Forderung: Damit sich die Industrie und die mittelständischen Unternehmen besser entfalten können, müssen sich dringend das deutsche Steuersystem und die Genehmigungsverfahren digitaler, einfacher und schneller gestalten.

    4. Rohstoffe

    Rohstoffe sind heute entscheidend für die globale Wettbewerbsfähigkeit eines Industriestandortes – und spezifische Rohstoffe machen die Transformation erst möglich. Die Automobilindustrie verfolgt längst einen konsequenten Weg hin zu alternativen Antrieben - im Pkw-Sektor an erster Stelle die Elektromobilität.

    Für ihren erfolgreichen Hochlauf ist die Rohstoffverfügbarkeit entscheidend: Batterien brauchen vor allem Lithium, Nickel, Graphit und Kobalt, für die Produktion von E-Motoren werden Seltene Erden benötigt. Laut allen Prognosen wird diese Nachfrage enorm steigen: bei den genannten Batterierohstoffen um mindestens das Vierfache, teilweise das Siebenfache. Es braucht also eine neue Rohstoffbasis, um den industriellen Wandel in Richtung Klimaschutz zu vollziehen.

    Hildegard Müllers Appell an Berlin und Brüssel: „Rohstoffengpässe zu verhindern, ist nicht nur eine geologische Herausforderung – es ist vor allem eine wirtschaftspolitische. Diese zentrale Erkenntnis muss für mehr politisches Tempo sorgen: Europa braucht jetzt eine Agentur für strategische Rohstoffe.“ Fazit: Die Industrie steht in den Startlöchern für entsprechende unternehmerische Initiativen und Projekte, der Ball liegt nun bei der Politik!

    5. Internationale Handelsabkommen

    Um dem Industriestandort Deutschland neue Optionen auf den globalen Rohstoffmarkt zu verschaffen, braucht es – wie in den oberen Punkten schon erwähnt – einen Paradigmenwechsel.

    Hildegard Müller forderte von Berlin und Brüssel, dass sie beim Thema Energie- und Rohstoffversorgung gemeinsam agieren, mit Partnerschaften die Versorgung absichern und international wettbewerbsfähige Preise garantieren: „Die europäische Antwort auf die vielen De-Globalisierungsszenarien muss eine klare Re-Globalisierungs-Agenda sein. Diese Agenda basiert auf einer viel breiteren Basis – mit Rohstoff- und Handelsabkommen sowie mit Energiepartnerschaften.“

    Weitere Vorteile dieser Kooperationen: Sie bilden die tragenden Säulen für eine krisensichere, robuste und erfolgreiche Transformation der Wirtschaft. Zusätzlich helfen sie Deutschland dabei, Abhängigkeiten abzubauen und sich resilienter aufzustellen. Ziel ist es also, möglichst viele internationale Handelsabkommen in möglichst vielen Weltregionen abzuschließen. Dabei sollten auch afrikanische Länder genauso wie die Golfstaaten, Brasilien und Indien berücksichtigt werden.

     

    Am Ende zahlen all diese Punkte darauf ein, dass Deutschland und Europa international relevant bleiben – und somit Vorbild für Klimaschutz und Werte sein können. Zukunftsweisende und klimafreundliche Technologien weltweit zu exportieren, ist der größtmögliche Beitrag, den Deutschland zum globalen Klimaschutz leisten kann. Wir wollen, dass die deutsche Industrie das Herzstück dieser Mission ist.

    Simon Schütz
    Pressestelle

    Simon Schütz

    Leiter der Pressestelle, Sprecher, Schwerpunkt Politik und Gesellschaft