Forum Automobillogistik

    Heiter bis wolkig: Clouds & Co.

    Halbleitermangel, gestresste Lieferketten, Neuordnung der globalen Kräfteverhältnisse und der Wandel hin zur Klimaneutralität: Es gibt viel zu tun für die Automobillogistik. Auf dem FAL22 mit dem Titel: "Heiter bis wolkig: Clouds & Co." waren all diese Herausforderungen Thema. Dabei haben sich drei Trends herauskristallisiert

    Halbleitermangel, gestresste Lieferketten, Neuordnung der globalen Kräfteverhältnisse und der Wandel hin zur Klimaneutralität: Es gibt viel zu tun für die Automobillogistik. Auf dem FAL22 mit dem Titel: "Heiter bis wolkig: Clouds & Co." waren all diese Herausforderungen Thema. Dabei haben sich drei Trends herauskristallisiert

    Drei Trends, die die Logistik in der Automobilindustrie prägen werden

    Als wäre eine Transformation hin zu Klimaneutralität und Digitalisierung nicht genug. Die Automobilindustrie sieht sich in ohnehin bewegten Zeiten zusätzlich mit vielen Themen wie mit Halbleitermangel und Corona-Krise sowie vor allem mit den Auswirkungen eines Krieges mitten in Europa und einer Neuordnung der globalen Kräfteverhältnisse konfrontiert. 

    Auf dem Forum Automobillogistik standen genau diese Themen im Fokus. Und dabei wurde aus Keynotes und Gesprächen schnell klar: Lamentiert wird nicht. Unsere Branche geht Herausforderungen mit großer Kraft und vielen Ideen an. 

    Für die Logistiker haben sich als Konsequenz aus der aktuellen Lage drei große Trends herauskristallisiert. 

    1. Mehr Flexibilität: das betrifft Lieferketten, Produktionsprozesse, Einsatz der Mitarbeiter
    2. Mehr Resilienz durch Transparenz: dazu müssen cloudbasierte und digitale Lösungen mit Tempo integriert werden.
    3. Mehr Güter auf die Schiene: dazu muss die Zusammenarbeit mit der Bahn erweitert und verbessert werden.

    Mehr Flexibilität

    Kundenwünsche werden individueller. Das gilt neben vielen anderen Branchen auch für die Automobilindustrie. OEMs müssen sich darauf einstellen und Serienfertigung neu denken. Das Risiko, dass wichtige Fertigungsteile und Rohstoffe nicht geliefert werden können, erhöht den Anspruch an die Flexibilität in den Werken weiter. Hinzukommt, dass einige Hersteller seit kurzem mehrere Antriebsstränge in ihren Produktionsstätten vereinen müssen.  

    Bedeutet: Die Produktion wird modular. Ähnlich eines Baukastenprinzips sind die Werke für den jeweiligen Bedarf anpassbar, wenn beispielsweise kurzfristig von der Produktion von Autos mit Verbrennungs- auf Elektromotor gewechselt werden soll. 

    Vor diesem Hintergrund müssen auch Mitarbeiter flexibler agieren können. Nicht nur, weil die Antriebsstränge neu sind und der Wechsel zwischen ihnen ein Umdenken erfordert. Eine der größten Herausforderungen ist zudem die Umstellung auf digitale Produktionsprozesse und der Wandel von reinen Hardware- hin zu Softwarefirmen. 

    Unternehmen sind gefordert, Fort- und Weiterbildungen etwa in Informationstechnik oder Datenmanagement anzubieten. Sie stehen zunehmend im Wettbewerb mit den großen Tech-Unternehmen und müssen um die besten Talente konkurrieren. Flexible Arbeitszeitmodelle, New Work und eine faire und offene Unternehmenskultur sollten daher in der Unternehmensführung dringend mitgedacht werden. 

    Mehr Resilienz durch Transparenz

    Ob zum Anlagezustand oder zur Fertigung: Während eines Produktionsprozesses entsteht eine Fülle wertvoller Daten. Zielgenaue Nutzung und Datenauswertung in Echtzeit ermöglichen es, Entscheidungen schneller zu treffen und flexibler auf Schwankungen oder etwaige Ausfälle zu reagieren. Mittels Digitaler Zwillinge können Verfahren modelliert und exakt geplant werden. Solche intelligenten Lösungen zur Vernetzung der Produktion steigern die Produktion und senken die Wartungskosten um bis zu 25 Prozent – schon jetzt. 
     
    Möglich ist es aber auch, Lieferketten besser zu monitoren und auf diese Weise nicht nur ökonomisch relevante Informationen über die Wertschöpfungskette oder etwaige Versorgungsengpässe zu erhalten, sondern z.B. auch die Einhaltung von Umwelt- und Menschenrechtsschutzstandards besser kontrollieren zu können. Die Bedingung: Alle beteiligten Unternehmen müssen nahtlos miteinander kommunizieren können. Mit Catena-X hat die Automobilindustrie eine solche Kommunikationsschnittstelle geschaffen – zunächst für den europäischen Raum. Perspektivisch sollten Kommunikationsstandards auch weltweit gelten.  

    Catena-X ist eine Cloud-Initiative der Automobilindustrie, die im Jahr 2020 als Teil des europäischen Projekts Gaia-X gestartet ist. Ziel ist es, mittels einer gemeinsamen Datenschnittstelle Hersteller und Zulieferer miteinander zu vernetzen und auf diese Weise mehr Transparenz zu schaffen. 

    Zwar verfügen Unternehmen bereits über eigene Clouds, nur sind diese untereinander nicht kompatibel. Catena-X soll das ändern – und es auf diese Weise OEMs und Zulieferern ermöglichen, schneller auf Unregelmäßigkeiten in der Wertschöpfungskette zu reagieren. Zu den Mitgliedern zählen unter anderem die Volkswagen AG, BMW AG, ZF Friedrichshafen, Schaeffler, Siemens und der VDA. 

    Diese Standards können schon jetzt definiert werden. In dem Zuge sind alle rechtlichen Aspekte für den Umgang mit den sensiblen Daten zu klären: Sei es in Haftungsfragen, im Schutz geistigen Eigentums oder in Auskunftspflichten. Hier liegt es nun an der Politik einen rechtssicheren Rahmen zu schaffen.  

    Mehr Güter auf die Schiene

    Die OEMs machen es und die Zulieferer machen es auch: die Automobilindustrie verlagert den Gütertransport zunehmend auf die Schiene. Davon profitieren Klima, Profitabilität des Schienennetzes, damit auch der Personenverkehr und nicht zuletzt die Automobilindustrie – einfach, weil sich mehr transportieren lässt.

    Während für Transporte mit geringem Volumen Lkw besser geeignet sind, nutzt die deutsche Automobilindustrie für mehr als 50 Prozent ihrer neu produzierten Fahrzeuge die Schiene. Nur ein einziger Güterzug kann die Kapazität von 52 Lkw-Ladungen befördern und 80 bis 100 Prozent des CO2s einsparen, den reiner Straßentransport verursacht hätte. Schon jetzt gehört die Automobilindustrie mit einem 25-prozentigen Geschäftsanteil zu den wichtigsten Kunden der Bahn. Dies gilt es nun, weiter auszubauen: etwa in der In-Gänze-Abwicklung oder in der Zusammenarbeit in der Lieferkette.

    Robert Cameron
    Ansprechpartner

    Robert Cameron

    Leiter der Abteilung Produktion, Logistik, Aftermarket