Pressemeldungen

Wissmann: Deutsche Automobilindustrie in China weiter auf Erfolgskurs

Shanghai, 20. April 2015

Auto Shanghai 2015 – Rund 30 Zulieferer auf dem Deutschen Gemeinschaftsstand

Statement von Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), anlässlich der VDA-Pressekonferenz auf der Auto Shanghai 2015, Montag, 20.04.2015

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie sehr herzlich zur Pressekonferenz hier auf dem Deutschen Gemeinschaftsstand auf der Auto Shanghai. Wieder ist es gelungen, mit rund 30 Ausstellern deutscher Zulieferer den Gemeinschaftsstand der Bundesrepublik so umfassend auszustatten wie vor zwei Jahren. Hinzu sind etliche große Zulieferunternehmen aus Deutschland mit einem eigenen Ausstellungsstand vertreten. Die große Kompetenz und die starke Innovationskraft der deutschen Automobilzulieferindustrie werden auf dieser Messe deutlich.

Der gemeinsame Auftritt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie unterstützt. Wir danken an dieser Stelle dem AUMA (Ausstellungs- und Messeausschuss der Deutschen Wirtschaft), der Messegesellschaft IMAG und Generalkonsul Rothen für die hervorragende Kooperation.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit Sitz in Berlin hat mehr als 600 Mitglieder. Eine der Besonderheiten des VDA im internationalen Vergleich ist, dass wir sowohl die Fahrzeughersteller als auch deren Zulieferer unter einem Dach vereinen. Mit mehr als 500 Firmen stellen die Zulieferer die größte Mitgliedergruppe im VDA.

Die deutschen Automobilhersteller haben im vergangenen Jahr über 14,9 Mio. Pkw weltweit produziert, davon gut 9,3 Mio. Einheiten an ausländischen Standorten. Unsere Fertigung entspricht damit rund einem Fünftel der Welt-Pkw-Produktion.

Deutsche Hersteller und Zulieferer sind weltweit in mehr als 70 Ländern mit eigenen Fertigungsstandorten vertreten. Insgesamt sind das über 2.000 Produktions- und Montagestätten im Ausland. Davon befinden sich rund 240 Standorte deutscher Zulieferer allein hier in China. Die zahlreichen Produktionsstätten unserer Hersteller kommen noch hinzu.

Pkw-Markt China nähert sich der 20-Millionen-Marke

Der Pkw-Markt China hat sich in den vergangenen Jahren sehr dynamisch entwickelt. Im Jahr 2013 überholte er den für uns weiter wichtigen US-Markt. Und in 2014 war ein Plus von 12,7 Prozent auf 18,4 Mio. Einheiten zu verzeichnen.

Auch der Start in das Jahr 2015 verlief lebhaft: Im ersten Quartal stieg der Pkw-Absatz, verglichen mit dem Vorjahreszeitraum, um mehr als 11 Prozent auf 5 Mio. Neuwagen. Allein im Monat März erhöhten sich die Verkäufe um 12 Prozent auf rund 1,75 Mio. Einheiten. Besonders gefragt sind SUV-Modelle. Für das Gesamtjahr 2015 erwarten wir – ausgehend von einem inzwischen deutlich höheren Ausgangsniveau – eine Wachstumsrate von mindestens 6 Prozent und ein Volumen von 19,5 Mio. Neuwagen. Damit vergrößert China seinen Abstand zum US-Markt (16,7 Mio. Light Vehicles) auf 2,8 Mio. Einheiten, gegenüber Westeuropa (12,3 Mio. Pkw) beträgt die Differenz 7,2 Mio. Neuwagen.

Die Zuwachsraten mögen sich künftig eher im einstelligen Bereich bewegen, gleichwohl bleibt der chinesische Markt doch ohne jeden Zweifel der weltweit bedeutendste. Für die weiter große Nachfrage nach individueller Mobilität sorgt auch die sich herausbildende Mittelschicht, die immer mehr zur Zielgruppe der Automobilhersteller wird. Die Nachfrage nach Autos ist in diesem riesigen Land strukturell noch längst nicht gedeckt, insbesondere in mittelgroßen Städten und im Westen des Landes. Der Motorisierungsgrad beträgt inzwischen 52 Pkw auf 1.000 Einwohner. Zum Vergleich: In Deutschland kommen gut 540 Pkw auf 1.000 Einwohner.

Deutsche Hersteller haben Pkw-Absatz in China deutlich gesteigert

Die deutschen Konzernmarken sind das hohe Tempo mitgegangen und haben im Jahr 2014 3,9 Mio. Neuwagen abgesetzt (+16,3 Prozent), die alle in China gefertigt wurden. Sie sind damit schneller gewachsen als der Markt. In der mittelfristigen Betrachtung wird der Hochlauf besonders deutlich: Gegenüber dem Jahr 2010 (2,0 Mio.) haben die deutschen Konzernmarken ihren Absatz hier fast verdoppelt, gegenüber dem Jahr 2008 (1,0 Mio.) sogar nahezu vervierfacht.

Unser Marktanteil beträgt 23 Prozent (Jan. – Feb. 2015), im Gesamtjahr 2014 umfasste er 21,2 Prozent. Gut jedes fünfte Auto, das in China neu verkauft wird, trägt also ein deutsches Konzernmarkenzeichen. Aber natürlich profitieren von der dynamischen Entwicklung dieses Marktes auch viele andere Hersteller.

Besonders präsent im Produktionsportfolio der deutschen Hersteller in China sind die Segmente bis zur Mittelklasse sowie Geländewagen. Wichtigstes Segment im Gesamtjahr 2014 war mit einem Anteil von 52 Prozent die Kompaktklasse. Zählt man Kleinwagen (5 Prozent) und Mittelklasse (19 Prozent) hinzu, dann entfallen drei Viertel aller in China produzierten Autos deutscher Konzernmarken auf diese Segmente.

Da die Gesamtzahl der weltweit nach China exportierten Pkw bislang nicht erfasst wird, weisen wir unsere Pkw-Exporte aus Deutschland nach China gesondert aus: Sie stiegen 2014 um 13 Prozent auf gut 274.000 Einheiten. Tendenziell ist jedoch von einem langsamen Rückgang der Exportziffern auszugehen, da die Fertigung vor Ort zunimmt. Hinzu kommt: CKD-Fahrzeuge, deren Wertschöpfungsanteil in Deutschland unter die 60-Prozent-Marke fällt, werden der Auslandsproduktion zugerechnet und erscheinen somit nicht mehr in der Exportstatistik. In den ersten beiden Monaten des laufenden Jahres exportierten die deutschen Pkw-Hersteller 39.800 Fahrzeuge aus inländischer Fertigung nach China (-6,7 Prozent).

Exportwert um ein Fünftel gestiegen

2014 machte der Anteil Chinas an den gesamten Exporten der deutschen Hersteller 6 Prozent aus (in die Nafta-Region gingen 17 Prozent, nach Westeuropa 51 Prozent). Dabei handelt es sich vor allem um Modelle der Oberklasse, der Oberen Mittelklasse sowie um Sport- und Geländewagen. Sieben von zehn exportierten Autos kommen aus diesen Bereichen; allein ein Drittel der Exporte (32 Prozent) sind Oberklasse-Fahrzeuge. Der Pkw-Exportwert nach China ist 2014 um ein Fünftel auf 12,4 Mrd. Euro gestiegen. Dieses Land ist damit – nach den USA und Großbritannien – der wertmäßig drittgrößte Abnehmer von Pkw aus Deutschland.

Auch deutsche Zulieferer in China erfolgreich

Auch die deutschen Zulieferer konnten ihren Exportwert nach China 2014 deutlich steigern: um 18 Prozent auf 10,2 Mrd. Euro. Der Importwert legte mit 1,0 Mio. Euro ebenfalls zu (+11 Prozent).

Deutsche Zulieferer haben den Hochlauf der deutschen Pkw-Hersteller von Anfang an unterstützt und ermöglicht. Sie waren frühzeitig vor Ort. Alle großen deutschen Zulieferer sind in China aktiv. In den letzten Jahren haben sich in zunehmendem Maße auch mittelständische Unternehmen engagiert. Zu ihren Kunden zählen, neben den deutschen Marken, auch internationale und chinesische Automobilhersteller. Die Zahl der Fertigungsstätten deutscher Zulieferer in China ist in den vergangenen zwei Jahren um ein Fünftel gestiegen. Deutsche Zulieferer haben hier weiter neue Arbeitsplätze geschaffen: Ihre Beschäftigtenzahl hat sich seit 2013 um gut 15 Prozent auf über 80.000 Mitarbeiter erhöht.

Sehr geehrte Damen und Herren,

folgende Firmen zeigen ihre Produkte und Innovationen auf dem Deutschen Gemeinschaftsstand: Anvis Group; Berger Holding GmbH; Boge Rubber & Plastics Group; Bühler Motor GmbH; Carcoustics International GmbH; Dörken MKS-Systeme GmbH & Co. KG; Dr. Schneider Kunststoffwerke GmbH; Formel D GmbH; Fraenkische Pipe-Systems Co. Ltd.; Gentherm Automotive Systems (China) Ltd.; Hirschvogel Holding GmbH; iwis motorsysteme GmbH & Co. KG; Jaeger Poway Automotive systems (shenzhen) Ltd.; Kapolnek GmbH; Kiekert AG; Kirchhoff Automotive GmbH; KSPG AG; Mapco Autotechnik GmbH; Mercedes-Benz Powertrain; MS Motorservice Deutschland GmbH;  Mubea Automotive Components Co. Ltd.; Nidec GPM GmbH; peiker acustic GmbH & Co. KG; Pierburg GmbH; PWO High-Tech Metal Components Co. Ltd.; Scherdel GmbH; Seeger-Orbis GmbH; Sonderhoff (Suzhou) Sealing Systems Co. Ltd.

Wir sehen in diesem starken deutschen Auftritt den klaren Wunsch unserer Unternehmen im VDA, ihr Engagement hier auf diesem weltweit größten Pkw-Markt weiter auszubauen. Die Voraussetzungen hierfür sind gut: China bleibt auf Wachstumskurs – und deutsche Qualität kommt offensichtlich bei den chinesischen Autokäufern sehr gut an.

Elektromobilität in China mit deutschem Know-how

Meine Damen und Herren, ich freue mich, dass die Elektromobilität in China vorankommt. Natürlich sind die absoluten Absatzzahlen noch vergleichsweise gering. Doch die Wachstumsraten sind umso eindrucksvoller. Ende 2014 waren in diesem Land über 100.000 Elektrofahrzeuge unterwegs (Plug-in-Hybrid und rein-batterie-elektrische Fahrzeuge).

Einen wichtigen Beitrag dazu leistet das „Sino-German Electric Vehicle Charging Project”. Dieses Pilotprojekt wurde im Juli 2014 prominent von Bundeskanzlerin Merkel und Miao Wei, dem chinesischen Minister für Industrie und Informationstechnologie, in Peking vorgestellt und unterstützt. Es geht dabei insbesondere um die wissenschaftliche Aufbereitung verschiedener Formen von Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge, die von Nutzern im privaten, halb-öffentlichen und öffentlichen Umfeld in der Realität erprobt werden. Ziel ist es, grundsätzlich aufzuzeigen, vor welchen Herausforderungen die Elektromobilität in der täglichen Praxis steht und wie vor allem die Ladeinfrastruktur verbessert werden kann.

Getragen wird das Projekt  von den deutschen Herstellern Audi, BMW, Daimler und Volkswagen, vom VDA, von chinesischen Herstellern sowie vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und der staatlichen Kommission für Entwicklung und Reform der Volksrepublik China (NDRC). Erste Ergebnisse zeigen, dass ein rascher Aufbau der Ladeinfrastruktur entscheidend für den Hochlauf der Elektromobilität ist – das wird in Deutschland übrigens genauso gesehen.

Ausblick auf 66. IAA Pkw in Frankfurt am Main

Meine Damen und Herren, die Auto Shanghai zählt zu den spannendsten Automobilmessen im asiatischen Raum. Und ich freue mich, Sie auf der 66. Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) Pkw wiederzusehen. Der VDA veranstaltet die IAA Pkw, die im September in Frankfurt am Main in Deutschland ihre Tore öffnet. Neben den weiteren Fortschritten bei der Effizienzsteigerung der Fahrzeuge – Stichwort Elektromobilität, CO2-Reduzierung und Leichtbau – wird insbesondere das „vernetzte und automatisierte Fahren“ im Vordergrund stehen. Wir erwarten für die IAA zahlreiche Weltpremieren.

Auch die internationale Presse ist auf der IAA herzlich willkommen. Bitte merken Sie sich den Termin für die 66. IAA Pkw in Frankfurt vor: Sie findet vom 17. bis 27. September 2015 statt, die Pressetage sind am 15. und 16. September. Sie steht unter dem Motto: „Mobilität verbindet“. Alle weiteren Informationen finden Sie unter www.iaa.de.

Damit zurück zur Auto Shanghai: Ich wünsche uns allen eine erfolgreiche Messe!

Vielen Dank.

Unter dem nachfolgenden Link stehen Firmenportraits der ausstellenden Unternehmen des deutschen Gemeinschaftsstandes zur Verfügung:

zu den Firmenportraits

 

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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