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Mattes: Starke Innovationsoffensive der deutschen Hersteller und Zulieferer auf der CES

Las Vegas/Berlin, 07. Januar 2019

Elektromobilität, Digitalisierung, vernetztes und automati-siertes sowie autonomes Fahren stehen im Mittelpunkt der Messeauftritte in Las Vegas – Deutsche Automobilindustrie beschäftigt in über 300 US-Werken mehr als 118.000 Mitarbeiter – Hohe Exportquote - Für freien und fairen Handel

Statement von Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), anlässlich der VDA-Pressekonferenz am 07.01.2019, 16.00 Uhr (local time), auf der CES, Las Vegas NV, USA​

Der VDA hat über 600 Mitgliedsunternehmen, gut 500 davon sind Zulieferer. Wir sind also nicht nur ein „Herstellerverband“, sondern bilden die gesamte Wertschöpfungskette des Automobils – Pkw wie Nutzfahrzeuge – ab.

Weltweit produzieren die deutschen Hersteller 16,5 Mio. Pkw, davon 5,1 Mio. in Deutschland. Unser Anteil am Welt-Pkw-Markt beträgt rund 20 Prozent.

Die deutsche Automobilindustrie steht für einen Umsatz von 425 Mrd. Euro, sie beschäftigt allein in Deutschland 834.100 Mitarbeiter. An unseren internationalen Standorten sind noch einmal gut eine Mio. Mitarbeiter beschäftigt.

Wir stehen für freien Welthandel. Gerade für unser Engagement in den USA ist freier und fairer Handel entscheidend. Denn die Vereinigten Staaten sind für die deutschen Hersteller und Zulieferer beides: ein strategisch wichtiger Markt und ein bedeutender Produktionsstandort.

In über 300 US-Werken beschäftigen unsere Unternehmen mehr als 118.000 Mitarbeiter, davon 80.000 bei Zulieferern. 2017 fertigten die deutschen Hersteller in den USA mehr als 800.000 Light Vehicles. Mehr als jedes zweite Auto, das wir hier produzieren, wird nach Europa, Asien oder in den Rest der Welt exportiert. Der größte Automobilexporteur der USA ist ein deutscher Hersteller.

Diese Zahlen unterstreichen, welche Bedeutung die deutsche Automobilindustrie für die US-Wirtschaft hat.

Doch wir richten den Blick nach vorn. Wir sind vor allem deshalb zur CES gekommen, um Ihnen zu erläutern, wie diese Industrie den Weg in die Zukunft gestalten wird. Und dass das Automobil die besondere Fähigkeit besitzt, sämtliche Innovationen aufzunehmen und zu integrieren. Das macht dieses Produkt so einzigartig.

Wir haben es weltweit mit mehreren Megatrends zu tun, die den Bedarf nach individueller Mobilität treiben:

  • einer wachsenden Bevölkerung, die immer mehr in Großstädten lebt,
  • einer wachsenden, kaufkräftigen Mittelschicht mit hohem Mobili-tätsbedarf,
  • einem sich ändernden Käuferverhalten,
  • einer Digitalisierung und Vernetzung in allen relevanten Märkten und Kundensegmenten,
  • einem Quantensprung in China.

Diese Wachstumsdynamik muss kombiniert werden mit Umwelt- und Klimaschutz. Besonders ambitioniert sind die CO2-Ziele der Europäischen Union. Das heißt für die Automobilindustrie: Mehr Mobilität mit weniger Emissionen, mehr Wachstum mit weniger Ressourcenverbrauch – eine echte Herausforderung!

Als innovativste Automobilindustrie mit den weltweit höchsten Forschungsinvestitionen stehen wir auf der Pole-Position. Wir gestalten die Mobilität der Zukunft.

Elektromobilität mit starkem Wachstum…

Bei der Dekarbonisierung des Straßenverkehrs geht die deutsche Automobilindustrie massiv in Vorleistung:

  • Sie verdreifacht in den kommenden drei Jahren ihr Angebot an E-Modellen auf 100.
  • Sie investiert bis dahin 40 Mrd. Euro in alternative Antriebe.
  • Sie ist Spitzenreiter bei alternativen Antriebspatenten: Weltweit kommt jedes dritte Patent im Bereich Elektromobilität und Hybridantrieb aus Deutschland.

Wir haben bei der Elektromobilität eine starke Marktposition: In der EU beträgt unser Marktanteil bei Elektro-Pkw-Neuzulassungen (Jan-Okt. 2018) 49 Prozent, in Deutschland sind es 66 Prozent. In den USA haben wir einen Marktanteil bei Elektro-Light-Vehicles von 11 Prozent.

Dass die Elektromobilität rasch wächst, darüber gibt es keinen Zweifel. In den ersten zehn Monaten des Jahres 2018 ist der E-Markt (Light Vehicles) in den USA um 58 Prozent auf 246.500 Neuwagen gestiegen, in der Europäischen Union um 38 Prozent auf 238.200 Pkw, in China um 90 Prozent auf 746.600 Neufahrzeuge.

…und hohe Investitionen in Digitalisierung, vernetztes und automatisiertes sowie autonomes Fahren

Wir sind davon überzeugt: Die Zukunft des Autos ist elektrisch – und sie ist digital. Künstliche Intelligenz (KI) spielt eine entscheidende Rolle auf dem Weg zum automatisierten und fahrerlosen Fahren. Und sie bietet für die Automobilindustrie in der Produktion, den Produkten und dem Verkehr enorme Potenziale: weniger Unfälle, Verflüssigung des Verkehrs, lernende Verkehrssteuerung, Vernetzung mit allen Verkehrsträgern.

Schon heute verfügen neue Modelle unserer Hersteller über eine Vielzahl intelligenter Assistenzsysteme, wie etwa kamerabasierte Systeme zur Auffahr- und Personenwarnung, Geschwindigkeitsassistent mit Überhol-verbotsanzeige und Spurverlassenswarner, oder radarbasierte Querver-kehrswarnung. Diese Assistenten „gehorchen aufs Wort“, denn sie erhalten ihre Anweisungen vom Fahrer via Sprachsteuerung. Die Zeit des Knöpfchendrückens ist vorbei.

Die weltweiten Patentanmeldungen zum vernetzten und automatisierten Fahren machen deutlich: Die deutschen Hersteller und Zulieferer sind dabei sehr erfolgreich, rund die Hälfte der Patente kommt von ihnen. International ist das Platz 1.

Die deutsche Automobilindustrie investiert in die Digitalisierung, das vernetzte und automatisierte sowie autonome Fahren in den kommenden drei Jahren 18 Mrd. Euro.

Digitalisierung heißt: Hersteller und Zulieferer werden auch zu Dienstleistern, entwickeln neue Mobilitätslösungen: Carsharing, Ride-Pooling, Mobilitätsplattformen und Mobilitäts-Apps sind hierfür nur der Anfang. Wir treiben das vernetzte und automatisierte Fahren voran.

Sie sehen, die deutsche Automobilindustrie befindet sich in einer gewaltigen Transformation. Sie ist hellwach, mutig und zukunftsorientiert – und braucht keinen „Anschub“ von außen.

Elektromobilität und Digitalisierung immer stärker verknüpft

Welche hohe Kompetenz deutsche Hersteller und Zulieferer in diesen Zukunftsmärkten haben, wird hier auf der CES sichtbar.

Dabei ist ein Trend erkennbar: Elektromobilität und Digitalisierung wachsen zusammen, sie integrieren sich und verschmelzen zu neuen Mobilitätsformen.

Beleg dafür sind die Innovationen deutscher Pkw- und Nutzfahrzeug-hersteller sowie großer Zulieferer hier auf der CES:

Audi präsentiert seine Vorstellung, wie zukünftig eine Autofahrt zum digitalen Entertainment-Erlebnis wird. Die Modelle werden vielseitig vernetzt sein, sie bieten somit neue Erlebnisräume. Das Auto wird zum rollenden Autokino. Durch automatisiertes Fahren entsteht freie Zeit im Auto, die mit dem In-Car-Entertainment der nächsten Generation genutzt werden kann. Der Weg wird zum Ziel!

Zudem stellt das Unternehmen Innovationen rund um sein erstes rein elektrisches SUV „e-tron“ vor (bis zu 417 km elektrische WLTP-Reichweite).

BMW präsentiert den Vision iNEXT, der in Los Angeles vor kurzem seine Weltpremiere hatte. Im Mittelpunkt steht die Interaktion zwischen Mensch und Fahrzeug. Der Mensch mit seinen Emotionen, Bedürfnissen und Wünschen an Mobilität rückt ins Zentrum aller Überlegungen. Autonomes Fahren, Elektrifizierung und fortschreitende Vernetzung bieten völlig neue Möglichkeiten und Erlebnisse. Der Fahrer kann entscheiden, wie er die Zeit während der Fahrt nutzen möchte – selbst fahren oder gefahren werden und dabei arbeiten oder doch Entertainment genießen? Die neuen Technologien dominieren nicht den Menschen, sondern stehen unauffällig, aber stets aufmerksam jederzeit zur Verfügung.

Daimler zeigt, neben der Weltpremiere des Mercedes-Benz CLA mit seinem weiterentwickelten, intelligenten Infotainment-System MBUX, die US-Premiere des batterieelektrischen Mercedes-Benz EQC und des Vision URBANETIC. Der Vision URBANETIC ist ein völlig neues Mobilitätskonzept für bedarfsgerechte, effiziente und nachhaltige Mobilität. Es basiert auf einem autonom fahrenden, elektrisch betriebenen Chassis, das Aufbauten für die Personenbeförderung oder den Gütertransport tragen kann. Das Konzept reduziert Verkehrsströme, entlastet innerstädtische Infrastrukturen und trägt zu einer neuen urbanen Lebensqualität bei.

Besonders freuen wir uns, dass mit Daimler Trucks auch ein großer Nutzfahrzeug-Player mit einer breiten Präsenz auf der CES vertreten ist. Daimler Trucks präsentiert hier seine jüngsten Unternehmens- und Technologieentwicklungen und gibt wesentliche nächste Schritte beim automatisierten Fahren bekannt.

Wir wissen, wie stark die Nutzfahrzeughersteller und ihre Zulieferer in der Digitalisierung sind.

Vollständige Integration der strategischen Innovationsfelder

Die vier Eckpfeiler der Mobilität der Zukunft nennt Daimler „CASE“ (Connected, Autonomous, Shared, Electric), bei BMW heißen sie „ACES“ (Automated, Connected, Electrified, Services).

Hier auf der CES wird deutlich, dass der nächste Schritt die vollständige Integration dieser strategischen Innovationsfelder im Fahrzeug ist. Auf dieses Ziel fokussieren unsere Unternehmen ihre Anstrengungen – aus Automobilherstellern werden Automobilhersteller und Mobilitätsdienstleister.

Die deutschen Zulieferer sind ebenfalls mit großem Engagement unterwegs, wie etwa Bosch oder Schaeffler hier demonstrieren. Im Mittelpunkt stehen dabei fahrerlose E-Shuttle-Fahrzeuge, die vollständig vernetzt unterwegs sind und je nach Einsatzzweck für den Personentransport oder für Cargo verwendet werden können. Für die Shuttle-Fahrzeuge liefert Bosch Komponenten und Systeme für die Automatisierung, Vernetzung und Elektrifizierung. Möglich wird die Shuttle-Mobilität jedoch erst mit Mobilitätsdiensten, die Bosch ebenfalls künftig anbieten und in einem intelligenten und nahtlos vernetzten Ecosystem bündeln wird. Dazu gehören sowohl Buchungs-, Sharing- und Vernetzungsplattformen, Parkplatz- und Ladeservices sowie Softwarelösungen für das Verwalten und Warten der Fahrzeuge sowie das Infotainment während der Fahrt.

Die Unternehmen stellen zudem intelligente ganzheitliche innovative Micromobilitäts-Lösungen für die urbane Mobilität der Zukunft vor, wie etwa den Biohybrid von Schaeffler.

Laut einer Roland-Berger-Studie („A new breed of cars. Purpose-built electric vehicles for mobility on demand“) könnten allein in Europa, in den USA und in China im Jahr 2020 schon rund ein Million Spezialfahrzeuge für Mitfahrdienste verkauft werden, meist mit Elektroantrieb und zunächst noch mit Fahrer. Im Jahr 2025 soll die Nachfrage bereits bei 2,5 Mio. Einheiten liegen. Danach beginnt das Zeitalter des autonomen Fahrens. Die Zahl der E-Shuttles - viele davon dann „Robocabs“ – könnte sich bis 2030 auf 5 Mio. Fahrzeuge verdoppeln. Damit werden zwei Megatrends der Mobilität verknüpft: die verstärkte Nutzung von Mitfahrdiensten und die Elektromobilität.

Autonom fahren oder selbst das Steuer in die Hand nehmen? Nach meiner Überzeugung sind das keine Gegensätze, sondern künftig zwei Seiten einer Medaille. Für den Kunden ergeben sich dadurch neue Wahlmöglichkeiten.

Ein weiteres pfiffiges Beispiel für Ideen von Zulieferern: Continental optimiert mit seinen Lösungen für intelligente Fahrzeugtüren das Zusammenspiel von Sicherheit und Komfort: State-of-the-Art-Technologien wie das intelligente Türbremssystem und die smarte autonome Tür unterstützen komfortable Öffnungs- und Schließvorgänge, während sie zugleich ein schnelles und damit unkontrolliertes Zuschlagen von Fahrzeugtüren verhindern. Darüber hinaus sorgen sie mit ihren Funktionen zur Hinderniserkennung für mehr Sicherheit im Straßenverkehr und verhindern Beulen und Kratzer im Lack.

Außerdem ist das autonome Türsystem eine notwendige Funktion für das autonome Fahren. Fahrerlose Fahrzeuge müssen die Türen auch ohne Bediener und Türgriff öffnen und schließen können, um verschiedene Einsatzsituation zu meistern und Passagieren ein komfortables Ein- und Aussteigen zu ermöglichen.

ZF stellt das neueste Modell seiner Automotive-Steuerbox vor: Der Zentralrechner ZF ProAI RoboThink bietet nach Angaben des Unter-nehmens die branchenweit stärkste Rechenleistung. Fahrzeughersteller profitieren zudem von der Modularität und Skalierbarkeit des Systems: Die vier Modelle der ZF ProAI Produktfamilie lassen sich für jeden Einsatzzweck optimal konfigurieren – von ADAS-Basisfunktionen bis hin zu autonom fahrenden Fahrzeugen und Industrieanwendungen. Die Softwarearchitektur können Kunden dabei ebenfalls frei wählen.

Zudem bietet ZF Anbietern von autonomem Ride-Hailing, das auf der geteilten Nutzung von Fahrten in Robo-Taxis oder Robo-Shuttles basiert (sogenannte „Mobility-as-a-Service“), seine umfangreiche Systemkompe-tenz: Umfeldsensoren wie Kamera-, Radar- und LiDAR-Systeme, Zentralrechner inklusive Software und Algorithmen sowie mechatronische Aktuatoren und Sicherheitssysteme.

Gute Zukunftschancen: Automobil nimmt sämtliche Innovationen auf – vernetzte Mobilitätsangebote wachsen stetig

Immer wieder ist von Kritikern zu hören, dass der Automobilindustrie ein ähnliches Schicksal drohen könnte, wie der Rollfilm-, Tonträger- oder Handybranche (nach Erfindung des Smartphones). In all diesen Segmenten wanderte die Innovation ins Netz, wurde Hardware durch Software abgelöst.

Aus meiner Sicht gibt es aber einen gravierenden Unterschied: Das Automobil ist bislang das einzige Produkt, das in der Lage war, sämtliche Innovationen aufzunehmen, ins Fahrzeug zu integrieren, damit den Nutzwert des Autos zu steigern. Das gilt für das Navigationsgerät, die Sprachsteuerung, das Musik-Streaming oder für die zahlreichen Assistenzsysteme, die künftig immer stärker online-basiert agieren werden.

Die Digitalisierung sehen wir daher ebenso als Chance für unsere Unternehmen wie den emissionsfreien elektrischen Antrieb. Für den Kunden ist das eine gute Nachricht: Er bekommt „more value for money“. Er wird zwar weiter die Privatheit und Sicherheit eines Autos zu schätzen wissen – aber gleichzeitig aus einer immer größeren Palette vernetzter Mobilitätsangebote wählen können.

Ein zweiter Punkt kommt hinzu. Dem „Downsizing“ des Automobils steht eine zentrale Kundenforderung entgegen: Auch künftig wird ein neues Modell – wenn es nicht gerade eine Nische bedienen will – nur dann größere Stückzahlen generieren, wenn es Platz für mindestens vier Personen und einen entsprechend großen Kofferraum bietet. Das heißt: Die grundlegenden Mobilitäts- und Transportanforderungen an ein Automobil sind, weltweit betrachtet, nicht substituierbar. Ich bin deshalb zuversichtlich: Die Automobilindustrie bleibt Wachstumsbranche - in einer immer stärker vernetzten Mobilitätswelt.

Notwendige Rahmenbedingungen schaffen

Damit die Mobilität der Zukunft Fahrt aufnehmen kann, müssen die entsprechenden Rahmenbedingungen geschaffen werden. Bei der Elektromobilität geht es dabei um den Auf- und Ausbau einer leistungsfähigen Ladeinfrastruktur. Für das vernetzte und automatisierte sowie autonome Fahren brauchen wir eine leistungsfähige digitale Infrastruktur – nicht nur in Städten, sondern auch entlang der Landes- und Bundesstraßen, der Autobahnen sowie in Industrieregionen. Das gilt für Deutschland und für Europa ebenso wie für China und die Vereinigten Staaten.

Derjenige Wirtschaftsraum, der hier am schnellsten vorankommt, wird Vorteile bei der internationalen Wettbewerbsfähigkeit ausspielen können.

Hier auf der CES richten wir den Blick weit nach vorn. Technologien ändern sich, Kundenwünsche und Märkte ändern sich – und Automobil-Ausstellungen ändern sich ebenfalls.

Die großen Fortschritte bei Elektromobilität, Digitalisierung, vernetztem und automatisiertem Fahren sowie dem autonomen Fahren werden wir auch auf der IAA 2019 in Frankfurt erleben. Wir freuen uns auf viele neue Formate und Player, von Startups und Tech-Unternehmen. Die IAA transformiert sich wie die gesamte Branche. Die Kernbotschaften, die wir hier auf der CES hören, werden im September in Frankfurt auf der IAA noch akzentuierter formuliert. Wir freuen uns darauf.

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