VDA-Präsidentin Hildegard Müller: Deutschland startet bei Elektroautos durch

    Berlin, 26. Februar 2020

    Deutsche Hersteller bringen zahlreiche Premieren zum Genfer Autosalon – Mehr Klimaschutz durch technologische Innovation – Corona wirkt sich spürbar auf die Lieferketten aus

    Die Geneva International Motor Show beginnt in diesem Jahr in einem herausfordernden Umfeld. „Der Jahresstart 2020 auf den internationalen Pkw-Märkten war schwach. Im Januar gingen die Neuzulassungen in Europa um 7 Prozent zurück, in den USA wurde in etwa das Niveau des Vorjahresmonats erreicht“, sagte Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA).

    Der große chinesische Markt musste im Januar nach vorläufigen Zahlen sogar ein Minus von 20 Prozent hinnehmen. Dabei spielte die zeitliche Lage des chinesischen Neujahresfestes eine Rolle. „Zudem sehen wir erste negative Auswirkungen im Markt aufgrund des Corona-Virus‘. Das Virus kam erst nach dem Neujahresfest auf, dann aber massiv“, stellte Hildegard Müller fest.

    „Ohne den Einfluss von Corona hatten wir bereits einen Rückgang des chinesischen Markts um 2 Prozent erwartet. Wir rechnen aktuell aber auch ein Szenario durch, das einen Rückgang um 7 Prozent umfassen könnte“, sagte Hildegard Müller. Da auch von Europa (-3 Prozent auf 15,4 Mio. Pkw) und den USA (-3 Prozent auf 16,5 Mio. Light Vehicles) keine Impulse ausgehen, erwartet der VDA in diesem Jahr einen Welt-Pkw-Markt von 78,2 Mio. (-3 Prozent). 2019 war er bereits zum zweiten Mal in Folge geschrumpft.

    Klar sei inzwischen, dass sich das Corona-Virus zunehmend international und spürbar auf die Prozesse und die Wertschöpfung in zahlreichen Betrieben entlang der Lieferkette auswirke. „Wir rechnen derzeit nicht mit einem raschen Abklingen der Ausbreitung des Virus‘“, sagte Müller. Der VDA habe deshalb eine Task Force eingerichtet, die die verfügbaren Informationen zu Corona und dessen Auswirkungen auf die Automobilindustrie sammle und den Mitgliedsunternehmen zugänglich mache. Zudem stehe die Task Force als Ansprechpartner für Politik, Behörden und Öffentlichkeit zur Verfügung.

    „Der Weg, der vor uns liegt, wird also steinig und herausfordernd. Zudem gilt: Schwächere Märkte führen zu härterem Wettbewerb. Der Wind wird also rauer. Darauf richten wir uns ein“ kündigte Hildegard Müller an.

    Positive Signale kommen derweil aber vom deutschen Automobilmarkt. „Während wir von den großen Märkten keinen Rückenwind erwarten können, kommen wir bei alternativen Antrieben gut voran“, so Hildegard Müller. Allein im Januar 2020 erreichten die Neuzulassungen von Elektro-Pkw (BEV und PHEV) in Deutschland ein Wachstum von fast 140 Prozent. 16.143 Einheiten sind ein neuer Rekordwert, der Anteil am Gesamtmarkt stieg auf 6,6 Prozent. Die deutschen Konzernmarken haben ihren Marktanteil bei Elektro-Pkw auf 63 Prozent gesteigert (Januar 2019: 51 Prozent).

    Weltweit produzierten die deutschen Hersteller 2019 über 400.000 Pkw mit elektrischem Antrieb, davon knapp die Hälfte (194.000) im Inland. Deutschland ist damit der drittgrößte Produktionsstandort für E-Autos weltweit, nach China und den USA. Drei von vier E-Autos, die im Inland gefertigt werden, gehen in den Export.

    „Wir brauchen technologischen Fortschritt, Technologieoffenheit und Innovationen, um die Klimaschutzziele zu erreichen, langfristig den Verkehr CO2-neutral zu gestalten und gleichzeitig individuelle Mobilität zu sichern“, unterstrich die VDA-Präsidentin.

     

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