Pressemeldungen

Diesel-Bann in Paris nur für ältere Autos ohne Partikelfilter sinnvoll

Berlin, 18. Dezember 2014

Null-Emission durch Euro-6-Norm – CCFA schlägt Differenzierung vor

Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo hat vor wenigen Tagen angekündigt, aus Gründen der Luftreinhaltung bis zum Jahr 2020 Dieselfahrzeuge ganz aus der Seine-Metropole zu verbannen. Der französische Automobilverband CCFA (Le Comité des Constructeurs Français d’Automobiles) weist nun in einer aktuellen Pressemitteilung zu Recht darauf hin, dass der Diesel nicht pauschal bewertet werden sollte: Während der moderne Clean Diesel (Euro 6) ein Saubermann ist und eine Partikelemission von nahe Null aufweist, sind die Partikelemissionen bei deutlich älteren Diesel-Pkw in der Tat noch hoch. Aus diesem Grund zählen in Deutschland alte Diesel-Pkw seit langem zur Schadstoffgruppe 2. Sie müssen eine rote Umweltplakette tragen und dürfen in vielen Städten die Umweltzonen nicht befahren. Der CCFA schlägt vor, dass sich die Luftreinhaltemaßnahmen in Paris ebenfalls auf die älteren Dieselfahrzeuge (ohne Partikelfilter) konzentrieren sollten. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) begrüßt diesen Vorschlag.

„Die Daten für Deutschland sprechen eine deutliche Sprache: Die Feinstaubbelastung in Deutschland ging seit 1995 um 40 Prozent zurück. Das ist vor allem auf die Minderungserfolge des Straßenverkehrs zurückzuführen“, betonte VDA-Geschäftsführer Dr. Ulrich Eichhorn.

In den nächsten Jahren werden die motorischen Partikelemissionen des deutschen Straßenverkehrs noch weiter reduziert. Dabei wird sowohl die Partikelmasse als auch die Anzahl der Partikel verringert. Diesel-Fahrzeuge mit der neuen Euro-6-Abgasnorm erreichen im realen Betrieb faktisch eine Null-Emission. Die Partikelemissionen des Ottomotors sind schon auf diesem Niveau.

„Andere Emittenten treten daher in den Vordergrund. So stellt z. B. eine Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes (UBA) fest, dass im Jahre 2020 die gesamten deutschen Motoremissionen des Straßenverkehrs nicht einmal mehr die Emissionsmenge des Zigarettenrauchs in Deutschland erreichen werden. Die Emissionen des sommerlichen Grillens sind dann deutlich höher als alle Pkw-Motoremissionen zusammen. Wer die Feinstaubemissionen insgesamt reduzieren will, muss also vor allem die anderen Emittenten im Blick behalten“, unterstrich Eichhorn.

Der von der EU vorgegebene Luftqualitätsgrenzwert für Feinstaub sei „sehr ambitioniert“. Während der Jahresmittelwert von maximal 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft meist eingehalten wird, werden die Tagesmittelwerte von 50 Mikrogramm je Kubikmeter Luft öfter als erlaubt überschritten. „Auch das erste Halbjahr 2014 zeigte, dass die Grenzwertüberschreitung meist auf meteorologischen Parametern beruht. Im Winter finden großräumig Überschreitungen des Grenzwertes statt, im Sommer so gut wie nie. Der Straßenverkehr kann somit nicht der Verursacher der winterlichen Überschreitungen sein“, sagte der VDA-Geschäftsführer. Der in Städten gemessene Feinstaub kommt ganz überwiegend aus dem Umland, teilweise aus dem Ausland. Er wird als „großräumiger Hintergrund“ bezeichnet.

Weitere 20 Prozent Feinstaub steuert die urbane Belastung bei, unter anderem die Hausheizung. Nach UBA-Berechnungen steigen allein durch die beliebte Holzfeuerung die mittleren PM10-Werte um 4 bis 5 Mikrogramm pro Kubikmeter an. Sie gehen damit über den Beitrag des Straßenverkehrs hinaus.

Etwa ein Viertel des Feinstaubaufkommens wird an „Hotspots“ erzeugt, meist sind dies hauptstraßennahe Messstationen. Obwohl der Straßenverkehr an diesen Stellen gebündelt wird, ist selbst hier der Anteil der motorischen Verkehrsemissionen gering: An einem Hotspot in Stuttgart sind diese zum Beispiel nur für 4 Prozent des Gesamtaufkommens verantwortlich; in der Frankfurter Allee in Berlin sind es 7,2 Prozent. Da immer mehr Autos mit Euro-5- und Euro-6-Norm auf der Straße fahren, wird der Anteil weiter sinken.

Eichhorn: „Mit dem Rußfilter und Euro 6 ist Pkw-Abgas keine relevante Feinstaubquelle mehr. Da die anspruchsvolle Euro-6-Norm natürlich EU-weit gilt, ist auch für Frankreich von einem weiteren Rückgang der Partikelemissionen im Straßenverkehr auszugehen, je mehr moderne Diesel-Pkw solche älterer Bauart ersetzen.“

Hinzu kommt: Frankreich ist Diesel-Land. Der Anteil von Diesel-Pkw an den Neuzulassungen liegt derzeit (Januar – Oktober 2014) bei 64,3 Prozent und damit deutlich höher als in Deutschland (47,6 Prozent). 2010 hatten 70,8 Prozent der Pkw-Neuzulassungen in Frankreich einen Dieselantrieb. Der Marktanteil der französischen Automobilhersteller an den gesamten Pkw-Neuzulassungen in Frankreich liegt bei gut 55 Prozent. Und: Zwei von drei Autos, die in Frankreich neu zugelassen werden und ein französisches Markenzeichen tragen, sind mit einem Dieselmotor ausgestattet.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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