Pressemeldungen

Wissmann: Zulieferer sind ein entscheidender Kern der Innovationskraft der deutschen Automobilindustrie

Berlin/Leipzig, 18. Juni 2015

IG Metall-Zuliefererkonferenz „Wertschöpfung im Wandel“ in Leipzig

„Die weltweit wachsenden Automobilmärkte lassen sich nicht mehr allein aus heimischer Produktion bedienen. Unsere Mitgliedsunternehmen – Hersteller wie Zulieferer – sind bereits seit Jahren international aufgestellt und verfolgen diesen strategischen Kurs konsequent. Dabei sichert die Internationalisierung gerade bei Automobilzulieferern auch Arbeitsplätze in Deutschland. Allerdings führt das verstärkte Engagement unserer Unternehmen im Ausland zu einem neuen Standort-Wettbewerb um Innovationen und Investitionen. Das ist eine neue Herausforderung  für Deutschland, die wir gemeinsam als Unternehmen, Gewerkschaften und Politik bewältigen müssen“, betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), vor dem Plenum der IG Metall-Zuliefererkonferenz „Wertschöpfung im Wandel“ in Leipzig. Die von Detlef Wetzel, 1. Vorsitzender der IG Metall, und Michael Guggemos, Sprecher der Geschäftsführung der Hans-Böckler-Stiftung, eröffnete zweitägige Veranstaltung bietet ein umfassendes Forum für den intensiven Informations- und Meinungsaustausch zwischen Betriebsräten von Automobilherstellern und Zulieferern.

„Zulieferer können in Ihrer Bedeutung für unsere Automobilindustrie gar nicht genug geschätzt werden. Von mehr als 600 Mitgliedern bilden deutlich über 500 die auch zahlenmäßig größte Herstellergruppe im VDA. Wir begrüßen es sehr, dass die IG Metall und die Hans-Böckler-Stiftung den diesjährigen Kongress der Zuliefererindustrie widmen“, unterstrich Wissmann. „An diesen Familienunternehmen wird sich zuerst zeigen, ob wir die deutschen Standorte und ihre hohe Beschäftigung auch in der kommenden Dekade werden sichern können. Diese Herausforderung hat die IG Metall dankenswerterweise klar erkannt“. Gemeinsam hätten sich Automobilindustrie und IG Metall in den Krisenjahren 2008, 2009 und 2010 für die Kurzarbeiterregelung stark gemacht, die sich für die Stammbelegschaften als eine unverzichtbare Brücke erwiesen habe. „In den einzelnen Betrieben wurden innovative und vielfältige Flexibilitätsoptionen geschaffen, um die Beschäftigung zu stabilisieren. Der deutsche Arbeitsmarkterfolg ist eng mit der Tarifpartnerschaft verbunden“, sagte der VDA-Präsident. Der aktuelle Tarifabschluss zeige, ein Ruhekissen warte auf die Partner in den kommenden Jahren nicht. Wissmann informierte, dass IG Metall und VDA auf der diesjährigen Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt am Main im September zum wiederholten Mal gemeinsam ein Symposium veranstalten, das die großen Herausforderungen für den Automobilstandort Deutschland zum Thema hat.

Ein wichtiger Gegenstand der Zuliefererkonferenz ist das Verhältnis von Herstellern und Zulieferern untereinander. „Die Hersteller stehen mit dem Endprodukt Auto beim Verbraucher im Fokus – aber die Zulieferer sind ein entscheidender Kern der Innovationskraft der deutschen Automobilindustrie. Der VDA ist Mittler zwischen den Partnern und bietet eine Plattform für den Austausch und das offene Wort, das manchmal nötig ist. Die Gemeinschaft macht die deutsche Automobilindustrie stark. Diese Zusammenarbeit – unterstützt durch das gemeinsame Dach VDA – wird auch international als überaus erfolgreich angesehen. Auf diese Innovationspartnerschaft kommt es in Zukunft noch mehr an: Mehr als 75 Prozent der Wertschöpfung werden von Zulieferern erbracht“, betonte Wissmann.

„Für die Großen der Zulieferindustrie und zunehmend auch für die mittelständischen Tier2- und Tier3-Lieferanten ist Internationalisierung unverzichtbar. Bei manchem Zulieferer heißt es: ,wenn ich den Kunden-Auftrag in China oder Mexiko nicht erhalte, bekomme ich ihn bald in Deutschland auch nicht mehr.' Auf dem Weg in die Internationalisierung unterstützt der VDA seine Zulieferer nach Kräften. Die IG Metall ist diesen Weg der Internationalisierung konstruktiv mitgegangen. Die Präsenz der Unternehmen in den Wachstumsregionen stärkt ihre Wettbewerbsfähigkeit und sichert wichtige Marktanteile. Wenn sich deutsche Automobilhersteller im Ausland zu viele neue Partner suchen müssen, weil heimische Zulieferer nicht mitgehen, würden sie mehr als heute mit diesen neuen Partnern auch in Deutschland zusammenarbeiten. Wir müssen alles daran setzen, dass davon auch künftig der Industriestandort Deutschland profitiert“, sagte Wissmann. Die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Standorte sei weder statischer Dauerzustand noch künftiger Selbstläufer. Sie müsse vielmehr jeden Tag neu erarbeitet werden. Daher müsse die Politik die Rahmenbedingungen wieder daran ausrichten, die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland zu verbessern. Er wünsche sich hierzu künftig noch mehr gemeinsame Appelle von Automobilindustrie und IG Metall.

Wissmann wies auf die großen Chancen hin, die das geplante Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU (TTIP) insbesondere für mittelständische Firmen biete: „Ich weiß, dass die IG Metall dem Investitionsschutz in TTIP skeptisch gegenübersteht. Doch gerade für kleine und mittelgroße Zulieferunternehmen ist es von existenzieller Bedeutung, dass ihre Investitionen planbar und vor Diskriminierung und Willkür geschützt sind. Lasst dem industriellen Mittelstand die Schiedsgerichte“, appellierte Wissmann. „Investitionsschutz ist ein fundamentaler Baustein für die Erfolgsstrategie unserer Industrie, einer Kombination aus Export aus Deutschland mit Vor-Ort-Produktion.“ Der VDA setze sich wie die EU-Kommission für eine deutliche Verbesserung des Systems der Schiedsgerichtsbarkeit ein. Allerdings bleibe nicht mehr viel Zeit, um mit TTIP wichtige weltweite Maßstäbe zu setzen.

VDA-Geschäftsführer Dr. Ulrich Eichhorn wies auf der Zuliefererkonferenz in seinem Statement im Gesprächspanel „Zukunft gestalten – Neue Produkte für neue Geschäftsmodelle“ auf neue Megatrends hin, die sich auf die Zukunft der Mobilität auswirken werden: „Es geht um die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Herausforderung, den Verkehr der Zukunft sicher und effizient zu gestalten. Die deutsche Automobil- und Zulieferindustrie entwickelt Lösungen für unterschiedlichste Fahrerassistenzsysteme – viele sind bereits im Einsatz. Die Systeme helfen dabei, die Fahraufgaben zu bewältigen und der Fahrer wird entlastet. Ziel dabei ist es, in allen Fahrzeugsegmenten nachhaltige Technologie-Neuheiten für moderne, effiziente Mobilitätslösungen zu schaffen. Die Zulieferer – Großkonzerne, aber auch Mittelständler – sollten die Chancen der neuen Technologien für sich nutzen und prüfen, wie sie ihr Geschäftsmodell weiterentwickeln können.“

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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