Pressemeldungen

Automobilindustrie in Deutschland – Rahmenbedingungen und Herausforderungen

München, 06. Juli 2015

Statement von Dr. Ulrich Eichhorn, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), anlässlich des 17. Jahreskongresses
Zulieferer Innovativ:
Universum Auto – Zukunft gestalten,
am Montag, 6. Juli 2015, München

  • Elektromobilität und Digitalisierung sind Innovationstreiber: Das Auto der Zukunft fährt elektrisch, vernetzt und automatisiert.
  • Deutsche Automobilindustrie ist Leitanbieter von E-Fahrzeugen.
  • Hersteller und Zulieferer investieren in den kommenden drei bis vier Jahren 16 bis 18 Mrd. Euro in F+E zum vernetzten und automatisierten Fahren.
  • Jedes fünfte weltweit verkaufte Auto zählt zu einer deutschen Konzernmarke. Erfolgsfaktoren Innovation und Internationalisierung.
  • Zwei-Säulen-Strategie: Ausbau der internationalen Fertigung in den Wachstumsmärkten und starker Export aus dem Produktionsstandort Deutschland.
  • Deutsche Zulieferer treiben Internationalisierung voran: rund 2.000 internationale Standorte.

Das Verkehrswesen und damit auch die Automobilindustrie stehen weltweit vor großen Herausforderungen. Immer mehr Menschen leben in immer größeren Städten und wollen mobil sein. Gleichzeitig führt die steigende Wirtschaftskraft großer Schwellenländer zu mehr Verkehr und zu einem hohen Rohstoffbedarf. Es gilt, Mobilität als Motor für wirtschaftliches Wachstum zu erhalten und gleichzeitig Ressourcen und Klima zu schützen.

Für eine solche integrierte Klima-, Mobilitäts- und Rohstoffstrategie ist die Elektromobilität eine Schlüsseltechnologie. Prognosen gehen davon aus, dass in zehn Jahren über 15 Prozent aller Neufahrzeuge weltweit elektrifiziert sein werden.

Deutschland ist bei der Elektromobilität gut aufgestellt. Im vergangenen Jahr gab es 17 Serienmodelle deutscher Hersteller in den Autohäusern, in diesem Jahr folgen zwölf weitere. Vom Kleinwagen bis zum Sportwagen – Elektromobilität gibt es in fast allen Segmenten. Wir sind also Leitanbieter, nicht nur weil wir hochinnovative Hersteller haben, sondern auch weil unsere starke Zuliefererindustrie uns einen erheblichen Wettbewerbsvorsprung verschafft.

Allerdings entwickeln sich die Märkte für E-Fahrzeuge in anderen Ländern derzeit dynamischer. Hier muss Deutschland aufholen. Vielfältige Anreize und optimierte Rahmenbedingungen sind notwendig. Dazu gehören neben verkehrsrechtlichen Vorteilen in den Innenstädten vor allem eine Beschaffungsinitiative von Unternehmen und der öffentlichen Hand sowie ein tragfähiges Konzept für eine Sonderabschreibung bei Firmenwagen mit E-Antrieb.

Der zweite Innovationstreiber ist die Vernetzung: Allein in den kommenden drei bis vier Jahren werden die deutschen Hersteller und Zulieferer 16 bis 18 Mrd. Euro in die Forschung zum Vernetzten und Automatisierten Fahren investieren.

Schon jetzt ist jedes vierte Neufahrzeug vernetzt, in zwei Jahren werden es vier von fünf sein. Das Auto erlebt eine digitale Evolution. IT spielt dabei die tragende Rolle. Die Zukunft der individuellen Mobilität liegt in der Vernetzung der Fahrzeuge untereinander, mit der Infrastruktur und dem Internet. Autofahrer kommunizieren über Mobilfunk oder W-LAN. Wir werden in Echtzeit vor Unfällen gewarnt, können so Staus umfahren, Reisezeiten verkürzen, damit eine Menge Stress vermeiden und Umweltressourcen sparen. Ein weiterer wichtiger Vorteil: Wir kommen damit der Vision des unfallfreien Fahrens immer näher.

Unsere Industrie hat einen Fahrplan für die nächsten zehn bis 15 Jahre. Die Einführung des automatisierten Fahrens wird Schritt für Schritt erfolgen: vom assistierten Fahren über teil- und hochautomatisiertes Fahren bis zum vollautomatisierten Fahren. Die technische Entwicklung geht hier mit großen Schritten voran. Doch auch die rechtlichen Vorgaben müssen stimmen. Hier ist die Politik gefordert, um parallel zum technischen Fortschritt den rechtlichen Rahmen auszubauen. Wir brauchen Vorgaben für die digitale Infrastruktur sowie für die Nutzung und den Austausch von Daten.

Das Auto der Zukunft fährt elektrisch, vernetzt und automatisiert. Auf all diesen Gebieten hat Deutschland eine starke Position. Jetzt kommt es darauf an, diese in dem immer intensiver werdenden Wettbewerb zwischen den Staaten zu behaupten und auszubauen. Ob das gelingt, hängt entscheidend von den politischen Rahmenbedingungen ab.

Trotz konjunktureller Turbulenzen in einigen Teilen der Welt hat die deutsche Automobilindustrie ihre Wettbewerbsposition in den vergangenen Jahren konsequent ausgebaut. Weltweit zählt jedes fünfte verkaufte Auto zu einer deutschen Konzernmarke. Im Premiumbereich haben die deutschen Hersteller sogar einen Anteil am Weltmarkt von knapp 80 Prozent. Davon profitiert natürlich auch die Zulieferindustrie.

Grundlage für diesen Erfolg sind ein starker Innovationsgeist und kluge Globalisierungsstrategien. So investiert die deutsche Automobilindustrie weltweit jährlich fast 30 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung, den größten Teil davon im Inland. Damit leisten unsere Unternehmen rund ein Drittel der gesamten industriellen Forschungsinvestitionen in Deutschland.

Hersteller und Zulieferer nutzen die Chancen der Internationalisierung: So findet mehr als 60 Prozent der deutschen Pkw-Produktion mittlerweile im Ausland statt, Tendenz steigend. Von dieser Entwicklung hat aber auch der Standort Deutschland profitiert. In den letzten zehn Jahren konnten wir als einziges großes Automobilland in Europa die Produktion am Heimatstandort steigern: Von 5,1 auf 5,6 Millionen Pkw. Es ist die „Zwei-Säulen-Strategie“, die uns weltweit so erfolgreich macht: Ausbau der internationalen Fertigung in den Wachstumsmärkten und starker Export aus dem Produktionsstandort Deutschland. Von vier in Deutschland produzierten Neuwagen gehen drei in den Export.

Nur wer weltweit unterwegs ist oder weltweit liefert, profitiert von den wachstumsstarken Märkten. Deswegen treiben inzwischen auch kleinere und mittelgroße Zulieferer ihre globale Präsenz voran. So betreiben deutsche Zulieferer insgesamt rund 2.000 internationale Standorte.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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