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Statement von Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), anlässlich der Unterzeichnung der „Innovationscharta für das Digitale Testfeld Autobahn“

Berlin, 04. September 2015

Die intelligente Vernetzung und die Digitalisierung werden die Mobilität von morgen maßgeblich prägen. Die deutsche Automobilindustrie treibt die digitale Evolution im und um das Auto konsequent und mit großem Engagement voran. In einigen Jahren werden Autos in der Lage sein, durch hochautomatisierte Fahrfunktionen den Fahrer in Routinesituationen zu entlasten, in kritischen Situationen zu unterstützen oder diese sogar zu verhindern.

Ein Teil dieser Vision ist bereits Realität. Denn schon heute sind die Fahrzeuge mit viel künstlicher Intelligenz ausgestattet. Moderne Assistenzsysteme unterstützen den Fahrer beim Bremsen, Lenken und Einparken und entlasten ihn im Stau. Künftig werden sich vernetzte Autos vor Hindernissen oder Glatteis warnen, sie wissen über Ampelphasen und Baustellen Bescheid und können entsprechend reagieren. Damit werden Staus und Emissionen vermieden, das Unfallrisiko gesenkt. Der Fahrer fährt sicherer, komfortabler und flüssiger. So könnte vernetztes Fahren ein Fünftel der Staus in Deutschland vermeiden, sagen Experten. Allein die Funktion „Wetterwarnung“, die vor Starkregen, Glatteis und Seitenwinden warnt, würde zu 5 Prozent weniger Verletzten im Straßenverkehr führen.

Mit Fahrzeugen, die vollautomatisiert fahren, ist erst nach 2020 zu rechnen. Das vernetzte und automatisierte Fahren kommt Schritt für Schritt. Vom assistierten über das teil- und hochautomatisierte Fahren bis zum vollautomatisierten Fahren. Zunächst sind hochautomatisierte Fahrfunktionen für Autobahnfahrten oder Stausituationen zu erwarten – hier wünschen sich die meisten Autofahrer eine Entlastung.

Unser Anspruch ist klar: die deutsche Automobilindustrie will beim vernetzten und automatisierten Fahren an der Spitze sein. Momentan sind wir das, wie auch der Index zu automatisierten Fahrzeugen von Roland Berger und der RWTH Aachen zeigt. Um diese internationale Vorreiterrolle zu sichern, werden unsere Hersteller und Zulieferer allein in den kommenden drei bis vier Jahren 16 bis 18 Mrd. Euro in Forschung und Entwicklung investieren.

Dass die Politik diese enormen Anstrengungen der Industrie unterstützt ist richtig und wichtig. Denn nur so kann Deutschland bei der Digitalisierung der Mobilität zum internationalen Trendsetter werden. Wir haben die Chance, Leitmarkt für vernetztes und automatisiertes Fahren zu werden – wir sollten sie nutzen. Dass die Bundesregierung, allen voran Verkehrsminister Alexander Dobrindt, dieses Thema ganz oben auf die Mobilitätsagenda gesetzt hat, zeigt auch das Pilotprojekt auf der A9. Auf der Teststrecke kann der Austausch von Informationen zwischen Fahrzeugen untereinander, zwischen Fahrzeugen und der Infrastruktur oder anderen Quellen in der Realität getestet werden. Automatisierte Fahrfunktionen werden auf ihre Alltagstauglichkeit erprobt.

Wie wichtig Testfahrten im Realbetrieb sind hat bereits der Großversuch simTD (Sichere und Intelligente Mobilität Testfeld Deutschland) gezeigt. An dem weltweit größten Forschungsprojekt zum vernetzten Auto haben sich alle deutschen Automobilhersteller sowie das Verkehrsministerium und zwei weitere Bundesministerien beteiligt. Die gemeinsame Forschung, Entwicklung und Erprobung lieferten entscheidende Erkenntnisse für die Car-to-X-Kommunikation: Was ist nötig auf der Fahrzeugseite, wie muss die Infrastruktur ausgestattet sein. Zudem konnten markenübergreifende Standards definiert werden. Ähnliche Fortschritte erhoffen wir uns vom Digitalen Testfeld A9. Denn die Vernetzung des Verkehrs ist nicht allein Zukunftsaufgabe der Automobilindustrie, vielmehr ist auch eine digitale Infrastruktur nötig.

Wir bedanken uns beim Bund und beim Land Bayern für diese Initiative und freuen uns, dass wir gemeinsamen mit ihnen und der Bitkom heute den Startschuss geben können.

Die Entwicklungen im Bereich Vernetzung und Digitalisierung verlaufen rasant, das Zukunftsfeld ist international hart umkämpft. Deswegen sollten Politik und Industrie hier kraftvoll vorangehen und damit den Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Deutschland stärken. Das digitale Testfeld A9 ist dafür ein wichtiger Schritt.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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