Pressemeldungen

Wissmann: Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland stärken

Berlin, 27. Januar 2016

VDA-Neujahrsempfang – Diesel notwendig für CO2-Ziele – Europa zusammenhalten

„In Deutschland hat das Autojahr 2015 einen starken Schlussspurt hingelegt: Erstmals seit sechs Jahren wurde die Marke von 3,2 Mio. Pkw-Neuzulassungen überschritten. Westeuropas Pkw-Markt verzeichnete mit plus 9 Prozent das höchste Wachstum seit über 25 Jahren. Die ‚Positivliste‘ lässt sich auch für die allgemeine deutsche Wirtschaftslage fortschreiben: Die Beschäftigung liegt auf einem Rekordniveau, die Steuereinnahmen sprudeln, der Konsum brummt.

Darüber können wir uns für den Moment freuen. Aber diese Freude kann schnell trügerisch sein. Denn die jetzige Lage gründet wesentlich auf dem niedrigen Ölpreis und dem aktuellen Zinsniveau. Nachhaltig wachsende Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands sieht anders aus.

Darum gibt es keinen Grund, sich zurückzulehnen. Es wäre fatal zu sagen ‚es läuft doch‘. Wir müssen Deutschland heute fit für die Zukunft machen. Das heißt: sichere Energie zu wettbewerbsfähigen Preisen, Ausbau der Verkehrsinfrastruktur und der Digitalisierung, Flexibilität am Arbeitsmarkt erhalten und so den Unternehmen Luft zum Atmen lassen. Und das heißt: Sich einstellen auf einen neuen Standortwettbewerb um unsere Produktionskapazitäten und unsere künftige Beschäftigung hier im Land. Die großen Herausforderungen liegen nicht hinter uns, sondern vor uns“, betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf dem VDA-Neujahrsempfang in Berlin.

Vor über 500 hochrangigen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft – darunter Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (er sprach als Ehrengast ebenfalls zu den Gästen), zahlreiche Staatssekretäre und Bundestagsabgeordnete sowie die Botschafter aus Argentinien, Brasilien, Kuwait, den Niederlanden, Polen, Slowenien, der Slowakei und Ungarn – unterstrich Wissmann: „Das vergangene Jahr war für die deutsche Automobilindustrie wie das Wetter im April: Von Sonnenschein bis zu Sturmwolken und sogar Hagel war alles vertreten. Zur Sonnenseite gehört die erneut gewachsene Zahl der Stammbelegschaften. Wir haben heute allein in Deutschland  fast 15.000 mehr Stammbeschäftigte als vor einem Jahr, insgesamt liegt die Anzahl der Mitarbeiter bei 800.100.“

Das „Sturmthema“ hingegen, das den VDA in den vergangenen Monaten am meisten beschäftigt habe, seien die Konsequenzen aus der Manipulation von Software. Wissmann betonte: „Lassen Sie mich klarstellen: Defeat devices zur Manipulation von Tests sind illegal und sie widersprechen unserem Selbstverständnis. Jetzt geht es um Aufklärung, guten Kundenservice und neue Strukturen. Bei dieser schwierigen Aufgabe wünschen wir der neuen Führung von VW alles erdenklich Gute.“

An Bundesverkehrsminister Dobrindt gewandt, sagte Wissmann: „Wir werden Sie und die EU-Kommission bei Ihrem Weg, ein besseres Prüfregime zu schaffen und die Integrität der Prozesse zu sichern, konstruktiv begleiten. Wir haben selbst ein großes Interesse daran.“

Er fügte allerdings hinzu: „Meine Bitte: Aus diesen Vorgängen kein Pauschalurteil über die Automobilindustrie und ihre über 800.000 Beschäftigten allein in Deutschland abzuleiten! Dazu gehört auch, dass wir gemeinsam einer Diskreditierung der Dieseltechnologie die Stirn bieten. Die Softwaremanipulation hat mit der Dieseltechnologie nichts zu tun. Wir müssen deshalb die Vorteile des Diesels für die CO2-Senkung stärker bewusst machen.“

Das werde nicht von heute auf morgen gelingen, das brauche Zeit. Wissmann: „Aber es ist wichtig. Der Klimagipfel in Paris hat sich zum Ziel bekannt, den CO2-Ausstoß zu verringern, um so einen wesentlichen Beitrag zum globalen Klimaschutz zu leisten. Klar ist: Wer Ja sagt zum Klimaschutz, muss auch Ja sagen zum Diesel. Darum brauchen wir den Diesel. Würden in Deutschland nur noch Dieselfahrzeuge zugelassen werden, würde nur durch die Neufahrzeuge pro Jahr so viel CO2 eingespart werden, wie eine Kleinstadt mit 60.000 Einwohnern jedes Jahr emittiert.“

Deshalb halte die deutsche und europäische Automobilindustrie am Diesel fest. „Wir sind davon überzeugt, dass der Diesel nicht nur beim Verbrauch und damit bei den CO2-Emissionen seine Vorteile ausspielen kann. Mit modernster Abgastechnologie, konkret Euro VI, kann er auch die anspruchsvollsten Schadstoffgrenzwerte einhalten. Und zwar legal und ohne Tricks“, unterstrich der VDA-Präsident.

„Klar ist auch: Der Diesel ist nicht das Ende des automobilen Alphabets. Um die Klimaschutzziele zu erreichen, investieren unsere Unternehmen Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung für alternative Antriebe“, sagte Wissmann.

Allein im vergangenen Jahr haben die deutschen Automobilhersteller zehn neue E-Modelle auf den Markt gebracht. Insgesamt habe die deutsche Automobilindustrie  29 Serienmodelle mit Elektroantrieb vorgestellt. Laut Electric Vehicle Index von McKinsey zähle Deutschland damit gemeinsam mit China und Japan zu den wichtigsten Herstellerländern von Elektrofahrzeugen. Wissmann: „Besonders erfreulich ist der Markterfolg, den die deutschen Hersteller mit ihren Elektroautos in den USA haben. Innerhalb eines Jahres haben sie ihren Marktanteil mehr als verdoppelt und von 9 auf gut 20 Prozent gesteigert.“

Um die notwendige Marktdurchdringung auch in Deutschland zu erreichen, müsse die Politik kluge Anreize setzen, die stimulieren und fördern. „Ich freue mich, dass in den vergangenen Tagen und Wochen die Debatte wieder aufgenommen wurde“, betonte Wissmann.

Auch beim zweiten großen Innovationstrend, dem vernetzten und automatisierten Fahren, seien die deutschen Unternehmen führend. Wissmann: „Bis wir alle Vorteile der neuen Mobilität nutzen können, gilt es, einige Hürden zu nehmen. Dabei sind wir auf die Unterstützung der Politik angewiesen.“

Wissmann ging zudem auf die Flüchtlingskrise ein: „In allen Gesprächen, die ich in den vergangenen Monaten mit unseren Mitgliedsunternehmen geführt habe, kam das Gespräch über kurz oder lang auf das Thema Flüchtlinge. Egal ob großer Konzern oder kleiner Mittelständler – die Unternehmen haben eigene Flüchtlings-Initiativen gestartet, etwa über Praktika oder Sprachkurse und weitere Maßnahmen. Es gibt viele positive Beispiele und unsere Unternehmen setzen ihre Anstrengungen fort.“

Erkennbar seien allerdings – neben der Sprachbarriere – auch kulturelle Hindernisse:  „Zur Integrität des Staates gehört es, Rechtsgüter von Verfassungsrang zu schützen. Man kann ganz nüchtern feststellen, dass das in den vergangenen Monaten nicht immer gelungen ist. Die Stabilität der Gesellschaft und das Vertrauen der Bevölkerung in den Staat sind Voraussetzungen für Integration“, so Wissmann. Die Flüchtlingskrise sei keine deutsche, sondern eine europäische Herausforderung.

Doch hätten viele Bürger den Eindruck, auf europäischer Ebene gehe es nicht recht voran: „Das ganze Projekt Europa ist im Moment in schwerem Fahrwasser. Darum ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Politik, den europäischen Zusammenhalt zu bewahren. In diesem Jahr müssen wir alles dafür tun, dass sich die Briten dafür entscheiden, im europäischen Haus zu bleiben. Und wir müssen unsere Nachbarn im Osten, die neue Regierung in Polen, davon überzeugen, nicht länger am europäischen Wertefundament zu bohren. Europa muss aus mehr bestehen als aus Konferenzen und schönen Worten. Europa braucht Staaten, die Hand in Hand arbeiten. Lassen Sie uns in Deutschland mit der Politik Hand in Hand arbeiten für diese wichtigen gemeinsamen Ziele in 2016“, betonte Wissmann abschließend.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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