VDA: KBA-Bericht schafft Klarheit

Berlin, 22. April 2016

RDE wird reale Emissionen senken – Moderner Euro-6-Diesel und Elektromobilität verbessern Luftqualität

„Der Prüfbericht des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) zum Schadstoffausstoß von Diesel-Pkw schafft Klarheit und Transparenz“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), anlässlich der Veröffentlichung des KBA-Prüfberichts. Demnach gibt es die illegale Manipulation von Software zur Verfälschung von Labortests nur im bekannten Fall. Die Ergebnisse zeigen, dass alle anderen deutschen Hersteller die für die Typgenehmigung vorgegebenen Grenzwerte auf dem Prüfstand einhalten. Zu den gleichen Erkenntnissen sind auch die britischen Behörden bei ihren Tests gekommen.

Diese unabhängigen Untersuchungen entkräften laut VDA den wiederholt vorgetragenen Generalverdacht gegenüber der gesamten Automobilindustrie. Das KBA hat mehr als 50 unterschiedliche Fahrzeuge in- und ausländischer Hersteller mit verschiedenen Diesel-Aggregaten untersucht. Dabei wurde der Schadstoffausstoß sowohl auf dem Rollenprüfstand als auch durch Portable Emissionsmesssysteme (PEMS) auf der Straße gemessen.

Dabei ist erneut deutlich geworden, dass die Emissionswerte auf der Straße andere sind als im Labor. Diese Unterschiede ergeben sich vor allem durch die individuelle Nutzung, die Wetter- und Verkehrsbedingungen sowie die Topographie und zeigen, dass der aktuelle Testzyklus heutiges Fahren nicht mehr repräsentativ abbildet. Ein weiterer Grund sind die sogenannten Thermofenster, die nur in einem bestimmten Umfang für den Motorschutz nötig und zulässig sind. Nach bisheriger Gesetzeslage gibt es keine festgeschriebenen Verfahren oder Grenzwerte für die Messung von Emissionen auf der Straße. Die Automobilhersteller sind verpflichtet, die Vorgaben auf dem Prüfstand einzuhalten und diese Messergebnisse nach EU-Norm zu veröffentlichen. Dies ist erfolgt.

Trotzdem ist es verständlich, dass hohe Diskrepanzen zwischen offiziellen Werten und Ergebnissen in der Praxis für Verärgerung und Irritationen sorgen und Kunden und der Gesetzgeber verlässlichere Angaben erwarten. „Die betroffenen Unternehmen werden alles tun, um die Hausaufgaben, die ihnen vom Kraftfahrt-Bundesamt aufgegeben werden, zu erledigen“, betonte der VDA-Präsident.

Laut VDA begrüßt die deutsche Automobilindustrie es sehr, dass im Zuge des ab 2017 in der EU gültigen Straßentests RDE mehr rechtliche Klarheit für Verbraucher und Industrie geschaffen wird. Es sei gut, dass die deutsche und europäische Politik den gesetzlichen Rahmen präzisieren und die Leitplanken künftig klarer setzen will. RDE stellt für die Unternehmen eine große Herausforderung dar. Die neuen Vorgaben werden die realen Emissionen reduzieren, Fortschritte für die Luftqualität werden damit schneller wirksam.

Wissmann betonte: „Es gibt keinen Grund, sich vom modernsten Diesel abzuwenden. Denn ein aktueller Euro-6-Diesel erfüllt die anspruchsvollsten Stickoxidwerte, sowohl im Labor als auch auf der Straße. Daher muss es jetzt darum gehen, so rasch wie möglich moderne Euro-6-Diesel-Pkw in den Markt zu bringen. Mittel- und langfristig bietet die Elektromobilität großes Potenzial zur Emissionssenkung. Deswegen sollte noch stärker daran gearbeitet werden, dass Deutschland auch Leitmarkt für Elektromobilität wird. Das Ziel ‚Leitanbieter‘ haben unsere Hersteller mit rund 30 Serienmodellen bereits erreicht.“

Wissmann zeigte sich auch offen für künftige Neuerungen bei der Typgenehmigung und anderer Kontrollsysteme. „Wir befürworten Maßnahmen, die die Integrität und Transparenz des Systems insgesamt sichern. So kann verloren gegangenes Vertrauen wieder gestärkt werden. Alle Kosten, die im Rahmen der Typgenehmigung anfallen, trägt schon heute die Automobilindustrie. Die deutschen Hersteller bieten zudem an, künftig ihre Softwarekonzepte für die Abgasnachbehandlung den Genehmigungsbehörden zugänglich zu machen. Voraussetzung dafür ist, dass eine streng vertrauliche Behandlung dieser wettbewerbs-relevanten Daten sichergestellt ist“, so der VDA-Präsident.

Die Stickoxidemissionen des Straßenverkehrs sind nach Angaben des Umweltbundesamtes im Zeitraum 1990 bis 2013 um knapp 70 Prozent gesenkt worden, trotz einer von 1990 bis heute um etwa die Hälfte gesteigerten Verkehrsleistung.

Wissmann betonte: „Um die Luftqualität rasch weiter zu erhöhen, sind zusätzlich zur Bestandserneuerung mit Euro-6-Diesel Maßnahmen zur Verbesserung des Verkehrsflusses und der Stauvermeidung nötig: Grüne Welle und ein gleichmäßiger Verkehrsfluss bringen eine Stickoxidreduktion um fast ein Drittel. Zudem sollten Busse und Taxis im städtischen Verkehr durch modernste Fahrzeuge ersetzt werden. Neben dem Hochlauf der Elektromobilität können wir mit dem vernetzten Fahren laut einer Prognos-Studie 30 Prozent des Parksuchverkehrs in Städten vermeiden – auch das senkt die CO2- und Stickoxidemissionen.“

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

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