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Wissmann: Neue Ideen sind der Antrieb dieser Industrie

Hannover/Berlin, 22. September 2016

66. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover – Weltweit größte Mobilitätsmesse eröffnet

„Wir leben in Zeiten des Umbruchs – und es sind die Unternehmen, die ihn gestalten: mit mehr als 330 Weltpremieren, mit über 100 Europa-Premieren auf der IAA Nutzfahrzeuge. Neue Ideen sind der Antrieb dieser Industrie. Hier auf der IAA sind die Früchte tagtäglicher Innovation zu bestaunen. Mit mehr als 2.000 Ausstellern aus über 50 Ländern ist die weltweit wichtigste Leitmesse für Transport, Logistik und Mobilität internationaler denn je“, betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf der Eröffnungsfeier der 66. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover vor rund 700 hochrangigen Gästen aus Politik und Wirtschaft. Wissmann eröffnete gemeinsam mit Stephan Weil, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, und Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, die 66. IAA Nutzfahrzeuge. Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und Digitale Infrastruktur, wird direkt nach der Bundestagsdebatte zum Bundesverkehrswegeplan die Messe besuchen.

Wissmann betonte: „Die IAA ist ein einmaliger Querschnitt durch die gesamte Wertschöpfungskette der Industrie, von den Fahrzeugen bis hin zu Transport und Logistik; von den Herstellern von Trucks und von Transportern, von Bussen und Trailern bis hin zu den vielen mittelständischen Zulieferern. Die IAA öffnet sich auch neuen Gruppen, etwa jungen Startup-Unternehmen.“

Mit rund 180.000 Beschäftigten sei jeder vierte Mitarbeiter in der deutschen Automobilindustrie im Nutzfahrzeugbereich beschäftigt. Wissmann wies darauf hin, dass der VDA gemeinsam mit anderen Verbänden und der IG Metall eng im Bündnis „Zukunft der Industrie“ zusammenarbeite mit dem Ziel, die industrielle Wettbewerbsfähigkeit in Deutschland zu stärken. So sei diese IAA ein wichtiger Bestandteil der „Woche der Industrie“, die das Bündnis bundesweit bis zum 25. September durchführe.

Wissmann unterstrich die zentrale wirtschaftliche Bedeutung des Nutzfahrzeugs, das erst die vielen Annehmlichkeiten des täglichen Lebens ermögliche: „Pro Jahr und Kopf bringen Nutzfahrzeuge 99 Liter Bier in die Getränkeregale. Ob Schuhe, Bücher oder Kleidung – der E-Commerce-Umsatz ist seit dem Jahr 2000 um das 17-fache gestiegen. Ohne den Transporter wäre das undenkbar.“ Schon die junge Generation profitiere von den treuen Diensten der Nutzfahrzeuge: Pro Tag bringt der Bus 2,7 Millionen Schüler zur Schule und wieder zurück. Und wenn der Schulabschluss geschafft ist, dann helfen die Nutzfahrzeuge selbstverständlich mit, die erste eigene Wohnung zu beziehen. Etwa 2 Millionen Umzüge begleitet das Nutzfahrzeug pro Jahr.“

Aber auch in Gefahren und Notfallsituationen sei das Nutzfahrzeug oftmals erster Helfer: So leistet es pro Jahr über 11,7 Mio. Rettungs- und Krankentransportfahrten, Feuerwehrwagen löschen jährlich über 200.000 Brände.

Wissmann betonte: „Ein Leben ohne Nutzfahrzeuge würde uns quasi ins Mittelalter zurückwerfen – keine Müllabfuhr, keine Straßenreinigung, kein Räumdienst im Winter. Klar ist: Das Leben ohne Nutzfahrzeug wäre weder komfortabler noch sicherer.“

Er wies auf die hohe Sicherheitsausstattung moderner Nutzfahrzeuge hin. So verfügten sie serienmäßig über ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm), Spurverlassenswarner und Notbremsassistent. Das sei allerdings nur ein Zwischenstand: „Wir wollen noch deutlich mehr. Das Fernziel ist klar: Unfallfreies Fahren durch Automatisierung. Multifunktionskameras, Radar- und Ultraschallsensoren werden dabei helfen. Viele dieser Innovationen lassen sich in diesen Messetagen begutachten. Das automatisierte Fahren ist ein erster, eminent wichtiger Schwerpunkt dieser IAA“, so Wissmann.

Ein weiterer wichtiger Komplex sei die Vernetzung: „Die Fahrzeuge werden künftig mit der gesamten Verkehrswelt vernetzt. In Echtzeit werden sie sich gegenseitig unterrichten, wenn ein Stau oder ein Unwetter droht. Über 400 Sensoren erfassen bereits in einem modernen Sattelzug Daten. Sie erzeugen 100 Millionen Zeilen Software – das ist mehr als in einem Jet“, erläuterte der VDA-Präsident.

Die Vernetzung werde den Transport noch sicherer und noch effizienter machen, sagte er und nannte dazu Beispiele: „Mit dem so genannten Platooning, dem elektronisch gekoppelten Kolonnenfahren auf der Autobahn, lassen sich bis zu 10 Prozent Kraftstoff und CO2-Emissionen einsparen.“ Digitale Frachtbörsen könnten dabei helfen, Leerfahrten weiter zu minimieren. Mit der genauen Kalkulation voraussichtlicher Fahrtzeiten seien die Slots an Rampen und Ladetoren effizienter zu nutzen. Nicht zuletzt profitiere der Fahrer von der Digitalisierung: „Die oft mühselige Suche nach freien Parkplätzen entlang der Autobahn hätte ein Ende, der voll vernetzte Lkw bucht seinen Parkplatz online vorab“, so Wissmann.

Damit Automatisierung und Vernetzung ihre Vorteile voll zur Geltung bringen könnten, müsse auch der rechtliche Rahmen Schritt halten. Insbesondere beim Ausbau der digitalen Infrastruktur und bei Fragen der Datensicherheit seien „ganzheitliche, europäische Lösungen“ gefragt. Wissmann dankte Günther Oettinger, EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft, für dessen Unterstützung: „Nur wenn wir in Europa grenzübergreifend zusammenarbeiten, haben wir die Chance, den digitalen Wandel nach unseren Vorstellungen mitzugestalten“, betonte Wissmann.

Auch bei der weiteren Reduktion der CO2-Emissionen im Güterverkehr seien gemeinsame Anstrengungen erforderlich, sagte Wissmann: „Die europäischen Nutzfahrzeughersteller haben dazu konkrete Vorschläge auf den Tisch gelegt. Mit einem umfassenden, integrierten Ansatz können die CO2-Emissionen neuer Lkw bis 2020 gegenüber 2005 um weitere 20 Prozent sinken. Dafür müssen alle in Transport und Logistik an einem Strang ziehen. Klar ist auch: Wir setzen auf die bewährten Kräfte des Marktes, statt auf eine endlos bürokratische Regulierung.“

„Auf der Antriebsseite werden wir künftig einen breiten Mix erleben. Im Fernverkehr behält der Diesel vorerst seine tragende Rolle. Mit modernster Abgasnachbehandlung ist er nicht nur effizient und sparsam, sondern auch sauber. Moderne Lkw und Busse mit Euro VI glänzen auf der Straße mit extrem geringen Schadstoffwerten“, sagte Wissmann.

Gleichzeitig gewinnen alternative Antriebe immer mehr an Bedeutung. Erdgas zum Beispiel sei bei Bussen schon im Einsatz und biete auch für Trucks das Potenzial, CO2 zu verringern. Für den breiten Einsatz sei eine gute Tank- und Versorgungsinfrastruktur unverzichtbar.

„Auch Hybrid- und Elektroantriebe werden immer wichtiger, vor allem bei den leichten Nutzfahrzeugen im Liefer- und Verteilerverkehr. Denn die großen Städte wachsen weiter, ebenso der Online-Handel. Hand in Hand werden Vernetzung und Elektromobilität dafür sorgen, dass die urbane Logistik künftig noch schneller und emissionsfrei erfolgen kann“, betonte Wissmann.

„Wer es mit dem Klimaschutz ernst meint, der muss auch den Lang-Lkw ernst nehmen“, so der VDA-Präsident. Denn der aktuelle Feldversuch in Deutschland zeige durchweg positive Ergebnisse. Bis zu 25 Prozent CO2 pro transportierter Tonne ließen sich einsparen. Hinzu komme, dass eine Verlagerung von der Schiene auf die Straße ausgeblieben sei. Wissmann: „Dies sind wichtige Erkenntnisse, die überzeugen. Wir brauchen den Regelbetrieb in Deutschland – auf dem Positivnetz, das sich im Feldversuch bereits bewährt hat und erweitert werden kann.“

Nach einem Grußwort des Hannoveraner Oberbürgermeisters Stefan Schostok fand eine Talkrunde zum Thema „Nutzfahrzeug 4.0: Netzwerker zwischen Märkten und Menschen“ statt mit folgenden Teilnehmern: Günther Oettinger (EU-Kommissar für Digitale Wirtschaft und Gesellschaft), Stephan Weil (Ministerpräsident Niedersachsen), Dr. Frank Appel (Vorstandsvorsitzender DPDHL Group), Dr. Wolfgang Bernhard (Vorstandsmitglied Daimler AG, Leiter Daimler Trucks & Buses) und Andreas Renschler (Vorstandsmitglied Volkswagen AG, Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge). Direkt im Anschluss an die Eröffnungsfeier folgte der offizielle Messerundgang.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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