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Wissmann: Klimaschutz braucht Innovationen, keine Verbotspolitik

München/Berlin, 09. November 2016

Verbrennungsmotor wird mit „e-fuels“ klimaneutral – Elektromobilität wird deutlich zunehmen

„Die Elektromobilität wird in den nächsten Jahren einen deutlichen Hochlauf erleben. Wir sehen die Möglichkeit, dass im Jahr 2025 bereits zwischen 15 und 25 Prozent der Neuzulassungen in Westeuropa Pkw mit Elektroantrieb sein werden, als Plug-in-Hybrid oder als rein batterieelektrischer Antrieb. Allerdings sollten Politiker der Versuchung widerstehen, den Innovationsprozess technologisch vorschreiben zu wollen. Die Forderung mancher Grünen, heute das Ende des Verbrennungsmotors für das Jahr 2030 ausrufen zu wollen, ist technologisch, wirtschaftspolitisch und vor allem auch klimapolitisch nicht zu Ende gedacht. Politik sollte kluge und durchaus anspruchsvolle Rahmenbedingungen setzen, aber keine Technikvorschriften oder gar Technikverbote erteilen“, betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf dem Handelsblatt Auto-Gipfel 2016 „Mobilität neu denken“ in München. Der VDA-Präsident führte eine Podiumsdiskussion mit Baden-Württembergs Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann, die von Sven Afhüppe, Chefredakteur des Handelsblattes, moderiert wurde.

„Weder die Bundesregierung noch die EU-Kommission fordern ein Verbot des Verbrennungsmotors ab 2030“, erläuterte Wissmann. Vielmehr setze der Klimaschutzplan der Bundesregierung darauf, dass der Anteil von Elektrofahrzeugen bis 2030 kontinuierlich steige. Die EU-Kommission wolle mit ihrer kürzlich vorgestellten Strategie für emissionsarme Mobilität CO2-Emissionen des Verkehrs bis Mitte des Jahrhunderts ebenfalls signifikant reduzieren. „Aber unbestritten ist dabei, dass der Verbrennungsmotor auch im Jahr 2030 noch einen ganz wesentlichen Anteil am Antriebsmix auf der Straße haben wird“, unterstrich Wissmann.

Klimaschutz sei eine globale Aufgabe, an der sich auch die deutsche Automobilindustrie beteilige. Bis zum Jahr 2020 würden sich die CO2-Emissionen von neu zugelassenen Pkw in der EU gegenüber dem Jahr 1990 (186 Gramm) auf 95 Gramm pro Kilometer nahezu halbieren. Derzeit böten die deutschen Automobilunternehmen bereits 255 Modelle an, die im Normzyklus NEFZ weniger als 4 Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer verbrauchten.

Der VDA-Präsident wies auf die Potenziale synthetischer Kraftstoffe, sogenannter „e-fuels“ hin: „Damit werden die Karten neu gemischt. Diese erdölunabhängigen ‚e-fuels‘ könnten eine CO2-neutrale Mobilität sicherstellen, weil sie bei ihrer Produktion genau so viel CO2 binden, wie sie bei ihrer Verbrennung wieder abgeben.“ Noch sei die Technologie zum großen Teil in der Entwicklung, auch die Kosten seien noch nicht mit denen für herkömmliches Benzin oder Diesel vergleichbar. „Doch wenn dieser Ansatz die Produktionsreife für die Großserie erreicht, dann könnte der Verbrennungsmotor einen ‚zweiten Frühling‘ erleben“, sagte Wissmann. Es sei eine faszinierende Vorstellung, aus regenerativem Strom e-fuels zu erzeugen. Damit könnte auch die Frage der „Lagerfähigkeit“ von Strom beantwortet werden. Allein dieses Beispiel zeige, wie sehr der Innovationsprozess nach vorne offen sei. Wissmann: „Wir sind gut beraten, alle Optionen auf der Antriebsseite und bei den Kraftstoffen im Blick zu halten.“

 

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

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