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Wissmann: Moderner Diesel ist notwendig für Klimaschutzziele

Berlin, 05. April 2017

19. Technischer Kongress des VDA in Berlin – 700 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik – Europas wichtigstes Expertentreffen der Automobilindustrie – E-Mobilität und Digitalisierung im Mittelpunkt

Mit Nachdruck hat sich Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie, gegen Fahrverbote von Diesel-Pkw ausgesprochen. Auf dem 19. Technischen Kongress des VDA in Berlin betonte Wissmann: „Wer den Diesel verbieten will, stellt sich auch gegen den Klimaschutz. Der moderne Euro-6-Diesel ist, neben der Elektromobilität, der wichtigste Baustein, um die europäischen Klimaschutzziele zu erreichen. Seine CO2-Emissionen sind um bis zu 15 Prozent niedriger als die eines vergleichbaren Benziners. Es gibt intelligentere Lösungen als Fahrverbote: Wir verbessern die Luftqualität in Städten, indem der Verkehr flüssiger läuft und konsequent die Grüne Welle eingeführt wird. Das verhindert Staus, wirkt auf den gesamten Pkw-Bestand und bringt die Emissionen deutlich nach unten. Die Digitalisierung reduziert den Parksuchverkehr und entlastet Städte zusätzlich. Außerdem sollten Busse und Taxen möglichst rasch auf die neuesten Modelle umstellen.“

Ein Fahrverbot von jungen Diesel-Pkw wäre auch sozialpolitisch fragwürdig: „In Stuttgart sollen ab 2018 bei ‚Feinstaubalarm‘ bereits Euro-5-Diesel-Pkw nicht mehr fahren dürfen. Diese Autos wären dann gerade einmal zweieinhalb Jahre alt. Die Verbotsankündigung hat Bürger, viele Gewerbetreibende und Handwerker erheblich verunsichert. Die Politik sollte überlegen, ob  bei einem so massiven Eingriff in die Eigentums- und Vermögensverhältnisse vieler Menschen noch die Verhältnismäßigkeit gewahrt wird“, so Wissmann. Es gehe nicht um wenige „alte Stinker“, sondern um junge Gebrauchtwagen. Rund 40 Prozent des Diesel-Pkw-Bestands in Deutschland sind Autos mit Euro-5-Norm.

Der VDA-Präsident verwies darauf, dass die deutschen Hersteller und Zulieferer mit Hochdruck an der weiteren Verbesserung der Dieseltechnologie arbeiteten: „Bereits Ende 2019 werden 80 Prozent der Diesel-Pkw-Neuzulassungen mit SCR ausgestattet sein, der modernsten Abgastechnologie. Zu Beginn der nächsten Dekade wird es nahezu jeder neu zugelassene Diesel-Pkw sein. Damit ist die Stickoxidfrage bei Neufahrzeugen gelöst.“

„Wir werden den Verbrennungsmotor noch viele Jahre haben. Aber gleichzeitig investieren wir massiv in Elektromobilität und Digitalisierung“, betonte Wissmann. Beide Themen stünden im Mittelpunkt des Technischen Kongresses. So wird die deutsche Automobilindustrie bis zum Jahr 2020 rund 40 Mrd. Euro für die Weiterentwicklung der Elektromobilität aufwenden: „Bis 2020 werden die deutschen Automobilhersteller ihr Modellangebot an E-Autos mehr als verdreifachen – von derzeit 30 Modellen auf knapp 100. Dies ist eine große Kraftanstrengung. Denn die Milliardenaufwendungen müssen aus dem laufenden Geschäft erwirtschaftet werden, also aus dem Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotor. Wir können uns nicht – wie das mancher außerhalb der Branche meint – einfach aus einer Antriebsart ‚verabschieden‘. Diese Industrie ist kein Staatsbetrieb, der trotz ständiger Verluste immer wieder frisches Geld erhält. Sie trägt Verantwortung für viele hunderttausend Beschäftigte“, unterstrich der VDA-Präsident.

Ein weiterer Schwerpunkt des Technischen Kongresses liege beim vernetzten und automatisierten Fahren, betonte Wissmann und hob die Innovationsbereitschaft der Branche hervor: „Fortschritt ist unser zweiter Name. Wir sind Treiber der Digitalisierung. Das gilt erst recht für den großen Megatrend der Mobilität: Das vernetzte und automatisierte Fahren.“ Die deutsche Automobilindustrie habe einen Anteil von 58 Prozent an den weltweiten Patenten im vernetzten und automatisierten Fahren. Wissmann: „Damit ist Deutschland aktuell nicht nur amtierender Fußball- und Exportweltmeister, sondern auch Patentweltmeister im vernetzten und automatisierten Fahren. Wir wollen weiter führend bleiben. Darum investiert die deutsche Automobilindustrie in den nächsten drei bis vier Jahren weitere 16 bis 18 Milliarden Euro in Technologien der Digitalisierung.“

Auch in anderen wichtigen Automobilmärkten, wie zum Beispiel den USA, wird an Regeln zum automatisierten Fahren im öffentlichen Straßenverkehr gearbeitet. Darum muss Deutschland die laufende Legislaturperiode nutzen, um die rechtliche Grundlage zu schaffen.

Der 19. Technische Kongress findet am 5. und 6. April 2017 in Berlin statt. Er ist in Europa das wichtigste Branchentreffen der Automobilindustrie und wird zudem von 17 Ausstellern begleitet. Mit über 700 Teilnehmern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wird ein neuer Höchststand erreicht. Der Technische Kongress wird immer internationaler: Botschafter und Botschaftsdelegierte aus zehn Ländern – den USA, der Volksrepublik China, der Russischen Föderation sowie Aserbeidschan, Estland, Jemen, Kasachstan, der Republik Kosovo, der Republik Mauritius und der Demokratischen Bundesrepublik Nepal – haben sich angemeldet. Gut 50 hochrangige Vertreter der Automobilindustrie referieren auf dem Technischen Kongress, darunter Ola Källenius, Mitglied des Vorstands der Daimler AG, verantwortlich für Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung, Dr. Stefan Sommer, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG, und Dr. Rolf Bulander, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions. Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung, spricht über die „Forschung für das Auto von morgen“.

Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung: „Ein wichtiger Innovationstreiber ist die Automobilindustrie: Eine Vielzahl technischer Neuerungen kam von deutschen Herstellern, zum Beispiel im Leichtbau oder in der Elektronik. Rund 32 Milliarden Euro hat die Automobilindustrie im Jahr 2016 in Forschung und Entwicklung investiert – zehn Prozent mehr als im Vorjahr und ein Spitzenwert im internationalen Vergleich. Diesen Innovationsgeist brauchen und fördern wir, wenn es um die Forschung für das Auto von morgen geht. Denn die zukünftige Mobilität stellt uns vor neue Herausforderungen, die Antworten verlangen: Wir müssen dem Klimawandel begegnen, die Lebensqualität in den Metropolen stärken und die Chancen der Digitalisierung auch für die Vermeidung der Verkehrslasten nutzen.

Mobilität ist auch künftig vielfach individuell zu denken und das Auto wird deshalb auch in der Mobilität der Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Wenn das Auto von morgen kein CO2 mehr ausstoßen soll, liegen noch große Innovationsschritte vor uns. Welcher Antrieb sich durchsetzen wird, steht noch nicht fest. Neue Kraftstoffe oder Antriebsmodelle sind ebenso denkbar wie Elektromobilität. Entscheidend ist, dass wir unsere führende Rolle als Innovationsnation auch in Zukunft halten und ausbauen. Dafür müssen wir in alle Richtungen denken und auf Technologieoffenheit setzen.“

Ola Källenius, Mitglied des Vorstands der Daimler AG, verantwortlich für Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung: „Die individuelle Mobilität der Zukunft wird von vier großen Trends geprägt: Vernetzung, autonomes Fahren, Sharing und elektrische Antriebe. Es wird entscheidend sein, diese vier Trends intelligent miteinander zu verknüpfen. Genau dieses Ziel verfolgen wir mit unserer CASE-Strategie. Das Ziel dieser Fokussierung ist es, mehr Durchschlagskraft und Tempo bei der Umsetzung zu erreichen. Der Kunde steht dabei stets im Mittelpunkt unserer Entwicklungen.“

Dr. Stefan Sommer, Vorstandsvorsitzender der ZF Friedrichshafen AG: „Den tiefgreifenden Wandel in der Automobilindustrie nutzt ZF für einen Transformationsprozess zu einem Technologiekonzern, der in den Zukunftsfeldern E-Mobilität und autonomes Fahren eine führende Rolle einnimmt. Der ZF-Ansatz dabei ist die Kombination aus Mechanik und Elektronik. Auch das Auto der Zukunft fährt nicht ohne Mechanik, denn das viel zitierte ‚iPhone auf Rädern‘ braucht weiter eine Bremse und eine Lenkung, Achsen und weitere mechanische Komponenten. Hier, in der Kombination aus Hardware und Software, liegt unsere Stärke – wir produzieren intelligente mechanische Systeme.“

Dr. Rolf Bulander, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH und Vorsitzender des Unternehmensbereichs Mobility Solutions: „Ob bei Dieselantrieben, Benzinern oder in der Elektromobilität, Bosch ist für Fahrzeughersteller Entwicklungs- und Technologiepartner Nummer eins. Bosch bringt in Zukunft immer mehr neue Energie in den Antrieb. Wir präsentieren Lösungen, die Elektromobilität für die breite Masse erschwinglich machen. Ein Beispiel hierfür ist das elektrische Achsantriebssystem (eAxle) von Bosch, welches Elektromotor, Leistungselektronik und Getriebe kompakt kombiniert. Der elektrische Achsantrieb hat das Potenzial, dem Markt für Elektrofahrzeuge einen weiteren Schub zu geben.“

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