Pressemeldungen

Bräunig: Deutsche Automobilindustrie verstärkt Präsenz in China

Shanghai/Berlin, 19. April 2017

Statement von VDA-Geschäftsführer Klaus Bräunig anlässlich der VDA-Pressekonferenz auf der Auto Shanghai 2017 am Mittwoch, 19.04.2017, um 14.30 Uhr (Ortszeit):

Herr Generalkonsul Rothen, Herr Abgeordneter Schulze aus dem Europäischen Parlament, meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie sehr herzlich zur VDA-Pressekonferenz hier auf dem Deutschen Gemeinschaftsstand auf der Auto Shanghai 2017. Der Gemeinschaftsstand umfasst mehr als 20 deutsche mittelständische Zulieferer.  Hinzu kommen zahlreiche große Zulieferunternehmen aus Deutschland mit einem eigenen Ausstellungsstand hier in Shanghai. Deutschland bietet damit eine spannende Gesamtschau der automobilen Wertschöpfungskette. Die große Kompetenz und die starke Innovationskraft der deutschen Automobilzulieferindustrie prägen diese Messe.

Dieser gemeinsame Auftritt wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) unterstützt. Wir danken dem AUMA (Ausstellungs- und Messeausschuss der Deutschen Wirtschaft), der Messegesellschaft IMAG und Ihnen, Herr Generalkonsul Rothen, für die hervorragende Kooperation.

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) mit Sitz in Berlin sowie Büros in Brüssel und Peking hat mehr als 600 Mitgliedsunternehmen. Eine der Besonderheiten des VDA im internationalen Vergleich ist, dass wir sowohl Fahrzeughersteller als auch Zulieferer unter einem Dach vereinen. Mit mehr als 500 Firmen stellen die Zulieferer die größte Mitgliedergruppe im VDA. Von Zulieferunternehmen kommt auch ein Großteil der Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen unserer Branche, die fast 35 Prozent aller FuE-Aktivitäten der gesamten deutschen Industrie unternimmt.

Die deutsche Automobilindustrie hat im vergangenen Jahr 15,8 Mio. Pkw weltweit produziert, davon 10,1 Mio. an ausländischen Standorten, also fast doppelt so viel wie im Inland. Das heißt: Etwa jedes fünfte Auto, das 2016 weltweit gebaut wurde, trägt ein deutsches Konzernmarkenzeichen.

 

Deutsche Automobilindustrie erhöht Produktion und Absatz in China kräftig

Deutsche Hersteller und Zulieferer sind weltweit in über 70 Ländern mit eigenen Fertigungsstandorten vertreten. Die VDA-Mitgliedsunternehmen haben nach unserer jüngsten Mitgliederumfrage inzwischen über 2.440 Produktions- und Fertigungsstätten im Ausland, das entspricht einem Ausbau ihrer Standorte um plus 40 Prozent gegenüber dem Jahr 2010.

Die deutschen Hersteller haben die Zahl ihrer Fertigungsstätten hier in China seit Beginn des Jahrzehnts sogar mehr als verdreifacht - von 8 auf 29 Fabriken.

China hat im Jahr 2013 mit seinem Pkw-Markt den US-amerikanischen Light-Vehicle-Markt überholt und ist seither der weltweit größte. Allein seit Beginn des Jahrzehnts hat sich der Markt mehr als verdoppelt – von 11,3 Mio. Pkw im Jahr 2010 auf rund 23,7 Mio. Pkw in 2016 (+18 Prozent gegenüber 2015).

Die deutschen Hersteller konnten das Tempo dieses stürmischen Wachstums mitgehen: Lag im Jahr 2010 ihr Pkw-Absatz in China noch knapp unterhalb der 2-Millionen-Marke (1,97 Mio.), so wurden im vergangenen Jahr gut 4,5 Mio. Pkw deutscher Konzernmarken in China neu zugelassen (+13 Prozent gegenüber 2015). Der Marktanteil liegt bei gut 19 Prozent.

Im ersten Quartal des laufenden Jahres ist der chinesische Pkw-Markt um beachtliche 6 Prozent auf  5,8 Mio. Neuwagen gestiegen. Für das Gesamtjahr rechnen wir mit einem Plus von 5 Prozent auf 24,9 Mio. Einheiten. China geht damit auf Schlagdistanz zur 25-Millionen-Marke.

Das heißt: Dieser Markt ist um fast 80 Prozent größer als der westeuropäische Pkw-Markt (14 Mio.).

Anders ausgedrückt: Man muss schon die Pkw-Märkte von Westeuropa, Japan, Indien, Brasilien und Russland zusammenzählen, um auf das Volumen des chinesischen Pkw-Markts zu kommen.

Die gute Position der deutschen Automobilindustrie in China hängt zentral damit zusammen, dass unsere Autos zum größten Teil hier in China für China gebaut werden: Die Pkw-Fertigung unserer Unternehmen in China umfasste im Jahr 2010 1,8 Mio. Einheiten, 2016 waren es knapp 4,6 Mio. Autos (plus 15 Prozent gegenüber 2015) – das ist das Zweieinhalbfache.

Dem entspricht die vergleichsweise geringe Rolle der Pkw-Exporte nach China für die deutschen Hersteller: 2016 waren es gut 232.600 Einheiten. Das heißt: Auf jedes Auto, das wir nach China exportieren, kommen 20 Autos, die unsere Hersteller hier in China produzieren.

 

Handelspolitische Kooperation in Zeiten von Unsicherheit und Protektionismus umso‎ wichtiger

Dieser geringe Anteil der Exporte am gesamten Pkw-Absatz deutscher Hersteller in China ist sowohl auf das eindrucksvolle Wachstum des Automobilmarktes mit den deutschen Direktinvestitionen als auch auf handelspolitische Rahmenbedingungen zurückzuführen. China erhebt einen Zoll in Höhe von 25 Prozent auf die Einfuhr von Pkw und 20 bis 25 Prozent auf Nutzfahrzeuge. Hinzu kommen noch Anreize der chinesischen Regierung, lokal vor Ort zu produzieren. In der „Made in China 2025“-Strategie spielt der Automobilsektor eine wichtige Rolle. Deutsche Unternehmen sind dabei wichtige Partner der chinesischen Automobilindustrie.

Die Mitglieder des VDA setzen künftig noch stärker auf kooperative Zusammenarbeit mit China. Dabei sind die Grundsätze der WTO wie Marktzugang ohne Diskriminierungen und Rechtssicherheit von hoher Bedeutung. Direktinvestitionen vor Ort und offene Märkte für freien Handel bleiben weltweit zwei Seiten einer Medaille der Zusammenarbeit.  Wir setzen auf enge Zusammenarbeit in der WTO und auf erfolgreiche Verhandlungen mit der Europäischen Union für ein bilaterales Investitionsabkommen.

Wir messen China zunehmendes Gewicht und wachsende Bedeutung zu für die Gestaltung von Handel und Globalisierung in der Zukunft. In Zeiten weltweiter Unsicherheit und zunehmendem Protektionismus hat unsere Partnerschaft mit China jetzt eine große Chance, sie für Deutschland und die EU auszubauen. Das jüngste Bekenntnis Chinas auf dem World Economic Forum in Davos für freien Welthandel zählen wir ebenso dazu wie die enge Kooperation auch in den Bereichen der „New Mobility“ und „New Energy Vehicles“. Hier setzen wir auf nachhaltige und wettbewerbsneutrale Rahmenbedingungen, die es erlauben, unsere Ziele gemeinsam zu erreichen.

 

Deutsche Zulieferer mit hoher Präsenz in China

Die deutschen Zulieferer haben den Hochlauf der deutschen Pkw-Hersteller von Anfang an unterstützt und ermöglicht. Sie waren frühzeitig vor Ort, alle großen deutschen Zulieferer sind in China aktiv. Gegenwärtig befinden sich 315 Standorte deutscher Zulieferer allein hier in China, gegenüber dem Jahr 2010 (180 Standorte) ein Ausbau ihrer Präsenz von 75 Prozent. In den letzten Jahren engagieren sich zunehmend auch mittelständische Unternehmen. Zu ihren Kunden zählen, neben den deutschen Marken, auch internationale und chinesische Automobilhersteller. Deutsche Zulieferer haben hier weiter neue Arbeitsplätze geschaffen: Die Zahl ihrer Beschäftigten ist in den vergangenen Jahren deutlich zweistellig gestiegen und hat die 100.000-Marke überschritten.

Folgende Firmen zeigen ihre Produkte und Innovationen auf dem Deutschen Gemeinschaftsstand: Berger Holding GmbH & Co. KG, Boge Rubber & Plastics Group, Bühler Motor GmbH, Carcoustics International GmbH, Dörken MKS-Systeme GmbH & Co. KG, Dr. Schneider Kunststoffwerke GmbH, Fraenkische Pipe-Systems (Shanghai) Co., Ltd., Hirschvogel Holding GmbH, IFA Group., iwis motorsysteme GmbH & Co. KG, Jaeger Poway Automotive Systems (Shenzhen) Ltd., Kirchhoff Automotive GmbH, MAPCO Autotechnik GmbH, Norma China Co. Ltd., Rheinmetall Automotive AG, Scherdel GmbH, Sonderhoff (Suzhou) Sealing Systems Co. Ltd., thyssenkrupp Presta Ilsenburg GmbH, Veritas AG, Weber GmbH & Co. KG, Witzenmann GmbH.

Wir sehen in diesem starken deutschen Auftritt insgesamt in und um den Deutschen  Gemeinschaftsstand den klaren Wunsch unserer Unternehmen im VDA, ihr Engagement hier auf diesem weltweit größten Pkw-Markt weiter auszubauen. Das ist angesichts weltweit neuer politischer Unsicherheiten in vielen Regionen der Welt ein kraftvolles Signal in China aus Anlass der Auto Shanghai. Die Voraussetzungen hierfür sind gut: China bleibt auf Wachstumskurs und die Qualität deutscher Ingenieurskunst bleibt offensichtlich bei den chinesischen Autokäufern sehr begehrt.

 

China - größter Markt für Elektroautos

Auch auf dem Feld der Elektromobilität setzt China Zeichen: In keinem anderen Land werden mehr E-Autos neu zugelassen. 2016 waren es rund 338.400 Fahrzeuge (Plug-in-Hybrid/PHEV, rein batterie-elektrisch/BEV), ein Plus von 64 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der westeuropäische E-Auto-Markt hat im Vergleich dazu ein Volumen von drei Fünftel (207.300). Der E-Anteil am Pkw-Gesamtmarkt beträgt in China 1,4 Prozent.

Hier liegt Zukunftspotenzial auch für uns deutsche Automobilindustrie: Während die deutschen Konzernmarken auf dem westeuropäischen Markt für Elektroautos einen Marktanteil von 50 Prozent haben, ist unser Marktanteil in China noch ausbaufähig (2016: 2 Prozent). Der chinesische E-Markt wird bisher von einheimischen Marken geprägt. Doch in den kommenden Jahren bringen die deutschen Hersteller weitere Elektromodelle auf den Markt, in zahlreichen Segmenten und mit jeweils deutlich größerer Reichweite. Wir sind zuversichtlich, dass wir unseren Marktanteil steigern können.

 

Ausblick auf die 67. IAA Pkw in Frankfurt am Main

Die Auto Shanghai zählt zu den spannendsten Automobilmessen im asiatischen Raum. Und ich freue mich, Sie auf der 67. Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) Pkw wiederzusehen. Der VDA veranstaltet die IAA, die im September in Frankfurt am Main ihre Tore öffnet. Neben weiteren Fortschritten bei der Effizienzsteigerung – vor allem Elektromobilität und CO2-Reduktion – wird insbesondere die Digitalisierung, also das vernetzte und automatisierte Fahren, im Vordergrund stehen.

Die IAA ist „der“ kompetitive Marktplatz für Marken und Neuheiten, sie zeigt als einzige große A-Messe weltweit die gesamte Wertschöpfungskette, seit 2015 zusätzlich mit der New Mobility World die neuen Mobilitätsthemen. Insgesamt haben sich bisher über 50 Pkw-Marken angemeldet, darunter die größten Automobilhersteller aus Europa, den USA und Asien. Viele hunderte von Zulieferern kommen hinzu.

Mit der „New Mobility World“ stellen wir die Megatrends Elektromobilität und Digitalisierung in den Mittelpunkt der IAA. Wir öffnen die Messe damit auch für Aussteller, die sich neu in diesen Markt begeben. Die New Mobility World ist 2017 der Ort für das neue Ökosystem der Mobilität, mit großen Tech- und IT-Unternehmen, Start-ups und etablierten Playern. Dazu gehören Siemens, IBM und T-Systems, Qualcomm, Sony, NXP, TomTom, um nur einige zu nennen. Die Innovationen im Bereich der Digitalisierung, dem automatisierten Fahren und der Elektromobilität werden nicht nur in Halle 3.1, sondern auch auf dem Freigelände (Agora) „in action“ zu erleben sein.

Natürlich ist auf der IAA die internationale Presse herzlich willkommen. Bitte merken Sie sich den Termin für die 67. IAA Pkw in Frankfurt vor: Sie findet vom 14. bis 24. September 2017 statt, die Pressetage sind am 12. und 13. September. Sie steht unter dem Motto „Zukunft erleben“ („Future now“). Alle weiteren Informationen finden Sie unter www.iaa.de.

Damit zurück zur Auto Shanghai: Ich wünsche allen Ausstellern eine erfolgreiche Messe!

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Head of Department Press

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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