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Wissmann: Elektromobilität als strategische Weichenstellung für den Technologie- und Industriestandort Deutschland

Berlin, 09. Mai 2017

7. eMobility Summit in Berlin: Modelloffensive der deutschen Hersteller bis 2020

„Die deutsche Automobilindustrie ist sowohl bei klassischen als auch bei alternativen Antrieben technologischer Spitzenreiter. Das zeigt eine aktuelle Studie des ifo Instituts zu Antriebspatenten. Demnach stammt weltweit jedes dritte Patent im Bereich Elektromobilität (34%) und Hybridantrieb (32%) aus Deutschland. Bei Patenten zu Benzin und Dieselfahrzeugen haben die deutschen Unternehmen sogar einen Anteil von 40 Prozent“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), zum Auftakt des 7. eMobility Summit, der am 9. und 10. Mai 2017 in Berlin vom „Tagesspiegel“ veranstaltet wird.

Grund dafür seien die enormen Aufwendungen der Branche für Forschung und Entwicklung. „Allein in die Weiterentwicklung der Elektromobilität werden unsere Unternehmen bis zum Jahr 2020 insgesamt 40 Milliarden Euro investieren. Im gleichen Zeitraum werden die deutschen Automobilhersteller ihr Modellangebot an E-Autos mehr als verdreifachen – von derzeit 30 Modellen auf knapp 100“, so der VDA-Präsident. Laut des jüngsten Electric Vehicle Index von McKinsey ist Deutschland bereits jetzt der zweitgrößte Produzent von Elektrofahrzeugen hinter China und vor den USA. McKinsey prognostiziert, dass Deutschland in fünf Jahren der größte Produzent sein wird – mit 1,3 Millionen E-Autos deutlich vor den USA und China mit jeweils rund 850.000 Fahrzeugen.

Heute sind über 55.000 Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs. Dazu Wissmann: „Wir rechnen damit, dass die Verkäufe von E-Modellen durch den Umweltbonus und die Steuerbefreiungen für Elektrofahrzeuge noch steigen werden. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die fehlende Ladeinfrastruktur bisher ein Hemmschuh für den Erfolg der Elektromobilität ist.“ Derzeit gibt es in Deutschland 7.407 öffentliche Normalladepunkte und 292 Schnellladepunkte. Durch die Förderung der Bundesregierung in Höhe von 300 Millionen Euro können etwa 15.000 öffentliche Ladepunkte und einige Tausend  Schnellladestationen aufgestellt werden.

Zudem müsse die Politik an weiteren Stellschrauben drehen, um den Aufbau von Ladesäulen pragmatisch zu regeln: „Aus unserer Sicht kann es nicht sein, dass Kunden mit einem privaten Stellplatz keinen Anspruch auf einen Ladepunkt haben, auch wenn sie für die Installation finanziell aufkommen. Die Bundesregierung sollte hier nachjustieren und rasch Voraussetzungen schaffen, die den Aufbau von privat und öffentlich zugänglicher Ladeinfrastruktur reibungslos ermöglichen“, so der VDA-Präsident.

Wissmann betonte, dass die Automobilindustrie die Investitionen der Bundesregierung in eine öffentliche Ladeinfrastruktur mit eigenen Maßnahmen an europäischen Verkehrsachsen erweitert. Zusammen mit dem amerikanischen Ford-Konzern werden Daimler, BMW und Volkswagen mit seinen Töchtern Audi und Porsche in Europa ein Schnellladenetz an Autobahnen installieren. Diese Initiative zeige, wie ernst es die deutschen Hersteller mit der Elektromobilität meinen und dass sie gewillt sind, dieses gemeinsame Projekt herstellerübergreifend anzupacken, ähnlich wie beim Kauf von Nokia Here.

Der Erfolg der Elektromobilität sei nicht nur für die Automobilindustrie wichtig, so Wissmann: „Der Umstieg auf die Elektromobilität ist in vollem Gange. Dabei geht es in erster Linie nicht nur um die Zukunft der Automobilindustrie – sondern auch um eine strategische Weichenstellung für den Technologie- und Industriestandort Deutschland.“

Die Elektromobilität sei Teil einer umfassenden Fächerstrategie, die zu den alternativen Antrieben auch die weitere Verbesserung der klassischen Antriebe vorsieht, so der VDA-Präsident: „Neben der massiven Förderung alternativer Antriebe setzt die deutsche Automobilindustrie auch auf die Einsparung von fossilen Kraftstoffen durch die Optimierung von Benziner und Diesel.“ Wissmann weiter: „Wir rechnen damit, dass wir die Effizienz von Benziner und Diesel in den kommenden Jahren noch um mindestens 10 bis 15 Prozent steigern können.“ Erdölunabhängige e-fuels könnten in der Zukunft eine Möglichkeit sein, eine CO2-neutrale Mobilität auch beim Verbrenner sicherzustellen.

Am Beispiel Berlins zeigte Wissmann künftige Problembereiche der urbanen Mobilität auf und wies die Politik auf ihre Verantwortung hin: „Der innerstädtische Verkehr nimmt zu; und damit auch die Herausforderungen. Die Lösung der wachsenden Verkehrsaufgaben kann jedoch nicht eine regulatorische Verbotspolitik sein, mit der Tempolimits ausgeweitet und die bestehende Infrastruktur gezielt eingeschränkt werden.“ Die notwendige Balance zwischen Ökologie und Ökonomie sei nur möglich durch die intelligente Verknüpfung verschiedener Verkehrsträger.

Mit einem Anteil von 58 Prozent an den weltweiten Patenten im vernetzten und automatisierten Fahren zeige die deutsche Automobilindustrie zudem ihr technologisches Know-how, so Wissmann. Auch hier sei politische Flankierung nötig: „Die Entwicklung auf diesem Gebiet ist rasant. Darum müssen rechtliche Regelungen auch den technologischen Fortschritt berücksichtigen. Es ist kein leichtes Unterfangen, Regeln aufzustellen für eine Technik, die es so zum Teil noch gar nicht gibt.“

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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