Pressemeldungen

Hüther auf dem Forum Automobillogistik in Frankfurt: „Am Ende des Tages werden die Bürger des Vereinigten Königreichs die Brexit-Rechnung bezahlen müssen.“

Frankfurt am Main/Berlin, 01. Februar 2018

Damasky: Zusammenhalt der 27 Mitgliedstaaten hat Priorität

Der Brexit wird vor allem die Wirtschaft in Großbritannien schwächen. Das erklärte Michael Hüther, Direktor vom Institut der Deutschen Wirtschaft (IW), heute auf dem Forum Automobillogistik in Frankfurt. Das Forum wird vom Verband der Automobilindustrie (VDA) und der Bundesvereinigung Logistik (BVL) ausgerichtet.

In seinem Vortrag „Der Kanal wird breiter – Bedeutung des Brexits für die deutsche Industrie“, sagte Hüther: „Nach und nach zeichnet sich ab: Die britische Regierung ist planlos und unvorbereitet in die Gespräche gestartet und kann keine der strittigen Fragen in ihrem Interesse entscheiden. Eine solche Verhandlungsführung ist verantwortungslos. Denn am Ende des Tages werden die Bürger des Vereinigten Königreichs die Brexit-Rechnung bezahlen müssen.“

Schon jetzt hat Großbritannien mit den Auswirkungen der durch die Brexit-Entscheidung entstandenen Unsicherheit zu kämpfen. So wächst die britische Wirtschaft deutlich langsamer als die im Euroraum, die zuvor lange hinter der britischen Wirtschaft hinterherhinkte. Das zeigt sich auch auf dem Automobilmarkt: In Europa wurden 2017 15,6 Mio. Einheiten verkauft, das sind rund 3 Prozent mehr als im Vorjahr. Großbritannien hingegen konnte sein hohes Niveau der vergangenen Jahre nicht halten und verbuchte einen Absatzrückgang von 6 Prozent.

„Großbritannien ist einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands, insbesondere auch der Automobilindustrie“, so Hüther. „Dennoch sollten die Europäer in Brüssel hart verhandeln, steht doch der zukünftige Zusammenhalt der Europäischen Union zur Disposition.“

Dr. Joachim Damasky, VDA-Geschäftsführer, wies im anschließenden Podiumsgespräch mit Prof. Hüther auf die eng verflochtenen Wertschöpfungsketten hin. Für die deutschen Automobilhersteller gehört Großbritannien zu den wichtigsten Exportmärkten. Zudem hat die deutsche Automobilindustrie in Großbritannien rund 100 Produktionsstandorte, die meisten davon sind Fertigungsstätten deutscher Zulieferunternehmen.

Dazu Damasky: „Natürlich sind die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zum Vereinigten Königreich eng. Das soll soweit möglich auch so bleiben. Allerdings gibt es für die EU und für Deutschland eine klare Priorität: Das ist der Zusammenhalt der verbleibenden 27 Mitgliedstaaten. Zollunion und Binnenmarkt sind Erfolgsmodelle.“

Für die Zeit nach der Übergangsphase müssten praxisnahe Lösungen gefunden werden, so der VDA-Geschäftsführer. Rechtssicherheit und Kontinuität in allen Regulierungsfragen seien wichtige Voraussetzungen für einen Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen. Damasky betonte: „Unabhängig davon, wie die Verständigung zwischen Großbritannien und dem Kontinent konkret aussehen wird – bereits heute ist klar: „Vom Brexit profitiert niemand.“

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
Nach oben springen