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Mattes: Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland stärken

Gravenbruch/Berlin, 17. Mai 2018

18. VDA-Mittelstandstag mit 200 Unternehmern – Elektromobilität und Digitalisierung als Chance – FAST2030-Studie sieht Weltautomobilmarkt weiter auf Wachstumskurs

„In einer Zeit, die geprägt ist von vielen neuen Umbruchsituationen – politisch, wirtschaftlich und technologisch –, ist die Politik mehr denn je gefordert, die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes Deutschlands zu stärken. Die deutsche Automobilindustrie wird in diesem Jahr mit 11,2 Mio. Pkw erstmals doppelt so viele Fahrzeuge im Ausland produzieren wie im Inland. Drei von vier Autos, die wir in Deutschland fertigen, gehen in den Export. Wachstum, Wohlstand und Beschäftigung sind also eng mit dem freien Zugang zu den Märkten verknüpft. Deshalb sehen wir mit Sorge die zunehmenden protektionistischen Tendenzen in wichtigen Regionen. Auch die Rahmenbedingungen am Standort Deutschland müssen verbessert werden. So brauchen wir Antworten auf steigende Energiekosten in Deutschland. Und wir benötigen Antworten auf die US-Steuerreform, da sie einen Standortnachteil für Deutschland und Europa darstellt. Gut ist, dass notwendige Investitionen in die Infrastruktur und in Schlüsseltechnologien, wie die Elektromobilität, die Digitalisierung und das automatisierte und vernetzte Fahren, laut Koalitionsvertrag in dieser Legislaturperiode oben auf der Agenda stehen. Jetzt geht es um eine rasche und nachhaltige Umsetzung“, sagte Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), zum Auftakt des 18. VDA-Mittelstandstags vor rund 200 Unternehmern in Gravenbruch bei Frankfurt am Main.

Die deutsche Automobilindustrie habe in den vergangenen Jahren ihren Absatz weltweit kontinuierlich gesteigert. Allerdings seien die Unternehmen weit davon entfernt, sich auf der aktuell guten wirtschaftlichen Lage auszuruhen: „Sie investieren massiv in neue Technologien, auf der Antriebsseite ebenso wie beim vernetzten und automatisierten Fahren. Insbesondere die deutsche Automobilzulieferindustrie befindet sich aufgrund ihrer konsequenten Internationalisierung in einer Position der Stärke. Damit sind die Voraussetzungen gegeben, um auch die neuen Herausforderungen in einem sich verschärfenden Wettbewerbsumfeld anzupacken“, sagte Mattes.

Er verwies auf die Ergebnisse der Studie „Future Automotive Industry Structure – FAST2030“, die die Strategieberatung Oliver Wyman gemeinsam mit dem VDA zum dritten Mal erstellt hat und die erstmals auf dem Mittelstandstag präsentiert wurde. Darin werden die wichtigsten Techniktrends und deren Auswirkungen auf die Wertschöpfungskette analysiert. Sie zeigt auf, wie sich Automobil-zulieferer auch in stürmischen Zeiten behaupten können.

„Die Automobilindustrie bleibt auf Wachstumskurs“, so Mattes. Laut der FAST2030-Studie werde die weltweite Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen, die 2017 rund 95 Mio. Einheiten umfasste, bis zum Jahr 2030 auf 123 Mio. steigen – ein Plus von rund 30 Prozent. Entsprechend werde sich auch die automobile Wertschöpfung inflationsbereinigt um 30 Prozent auf über 1,1 Billionen Euro erhöhen. Allerdings sei dieses Wachstum verknüpft mit erheblichen strukturellen Veränderungen – regional, technologisch und wirtschaftlich.

„Elektromobilität, Digitalisierung, vernetztes und automatisiertes Fahren sowie neue Formen der urbanen Mobilität sind – neben immer strengeren CO2-Vorgaben – die Treiber der Entwicklung. Darauf richten sich Hersteller und Zulieferer bereits ein“, betonte Mattes. Die vernetzte Fertigung in Zeiten von Industrie 4.0 biete neue Chancen und Effizienzgewinne gerade auch in der Produktion. Die Elektromobilität sowie das automatisierte und vernetzte Fahren forderten allerdings von manchen Zulieferern einen Umbau und eine Erweiterung der bisherigen Produktpalette – künftig würden immer mehr softwaregetriebene, dynamische Fahrzeug- und Powerkontrollsysteme gebraucht, erläuterte der VDA-Präsident. Mit ihrer hohen Innovations-geschwindigkeit seien die deutschen Hersteller und Zulieferer auf die neuen Herausforderungen vorbereitet.

Laut FAST2030-Studie werden die Automobilhersteller künftig Entwicklung, Produktion und damit auch die Lieferantenbasis noch stärker in den wachsenden Absatzmärkten, etwa in Asien, positionieren. Von Zulieferern werde erwartet, dass sie diesen Weg mitgingen. Dies setze vor allem kleine und mittelständische Zulieferer bis 50 Mio. Euro Jahresumsatz unter Zugzwang, die eigene Internationalisierung voranzutreiben.

Laut der Studie werden im Jahr 2030 Elektroautos (BEV) rund ein Viertel des Pkw-Weltmarktes ausmachen, während der Anteil der Hybrid-Fahrzeuge auf 37 Prozent steigt. Nicht nur der technische Wandel sorgt für Druck: Lokale Beschaffungsquoten bis zu 80 oder 90 Prozent je nach Hersteller sowie globale Plattformen erfordern von den Automobilzulieferern ein noch stärkeres Engagement im Ausland, damit sie auch weiterhin im Geschäft sind.

Der Studie zufolge wird Europa im Jahr 2030 mit immer noch 50 Prozent der gesamten Wertschöpfung (2017: 56 Prozent) zwar weiter das Premiumsegment dominieren, der Anteil Chinas am Premiumsegment werde allerdings von 13 Prozent auf 20 Prozent steigen. Entsprechend müssten sich Zulieferer noch stärker international ausrichten. Mattes betonte: „Erfolge von heute sind keine Garantie für morgen. Ob groß oder klein: Jedes einzelne Unternehmen ist gefordert, technologische Antworten zu geben auf die Herausforderungen, die vor uns liegen.“

Auf die Globalisierung habe die deutsche Automobilindustrie konsequent reagiert und sich weltweit aufgestellt. Die Automobilhersteller hätten jeweils ihren weltweiten Fertigungsverbund entwickelt: „Und die Zulieferer haben ihre Kunden auf diesem Weg eng begleitet – in Europa, nach Nord- und Südamerika, nach China.“ Die damit verbundenen Fragen, wie etwa Chancen und Risiken eines globalen Footprints, Finanzierung von Auslandsinvestitionen, Kooperationen in neuen Märkten, seien bereits in früheren Jahren auf dem VDA-Mittelstandstag diskutiert worden und heute aktueller denn je. „Die Herausforderung der Internationalisierung wird noch einmal verstärkt durch Elektromobilität und das vernetzte und automatisierte Fahren“, so Mattes.

„Die Elektromobilität ist ein ‚game changer‘. Vor wenigen Jahren noch wurden batterieelektrische Antriebe als Nischenprodukt angesehen. Mittlerweile rechnen wir damit, dass im Jahr 2025 ein Anteil von 15 bis 25 Prozent der globalen Pkw-Flotte elektrifiziert sein wird. Für große und kleine Zulieferer ist das rasanter Wandel“, sagte er.

Entsprechend ihrer Fächerstrategie setze die deutsche Automobilindustrie jedoch nicht alles auf eine Karte. „Neben den alternativen Antrieben optimieren wir den Verbrennungsmotor weiter, wir forschen an erdölunabhängigen E-Fuels, die eine spannende Option für eine klimaneutrale Mobilität sind. Und der moderne Diesel ist Teil der Lösung, nicht Teil des Problems. Denn er ist bis zu 25 Prozent sparsamer im Verbrauch und emittiert bis zu 15 Prozent weniger CO2 pro Kilometer als ein vergleichbarer Benziner. Das ist insbesondere für größere Fahrzeuge mit hoher Jahreslaufleistung ein entscheidender Vorteil, auch aus klimapolitischer Sicht“, unterstrich Mattes.

In Berlin und Brüssel werbe der VDA für Technologieoffenheit: „Die beste und effizienteste Antriebsart sollte sich durchsetzen. Für Pkw und Nutzfahrzeuge sollte die Politik realistische CO2-Ziele setzen, die für die Unternehmen und ihre Mitarbeiter ohne existenzielle Risiken zu erreichen sind“, sagte der VDA-Präsident.

Arndt G. Kirchhoff, Geschäftsführender Gesellschafter & CEO, Kirchhoff Automotive Holding GmbH & Co. KG, betonte als Vorsitzender des VDA-Mittelstandstages vor den zahlreichen Unternehmern: „Das Motto des diesjährigen Treffens unserer Gesellschafter und Geschäftsführer mittelständischer und überwiegend familiengeführter Unternehmen lautet ‚agil, effizient und innovativ: Mittelstand im Umbruch‘. Neue Technologien, innovative Mobilitätsformen und Themen, die noch vor wenigen Jahren Nischenthemen waren, führen zu disruptiven Herausforderungen für die Automobilindustrie. Insbesondere Digitalisierung, Vernetzung und automatisiertes Fahren treiben den Wandel.“

Kirchhoff sieht in diesen Veränderungen durchaus Chancen: „Im Umbruch kann unsere Industrie einen klaren Vorteil ausspielen: Sie ist wie kaum eine zweite Branche mittelständig geprägt. Gerade die Mittelständler stehen mit ihren Innovationen, ihrem Tüftler- und Erfindergeist und ihrer regionalen Verwurzelung für die globalen Erfolge unserer gesamten Branche und für unser Land – Agilität, Effizienz und Innovationskraft sind die herausragenden Tugenden des Mittelstandes. Mit ihnen können die Herausforderungen gemeistert werden.“

Zu den Themen, die auf dem 18. VDA-Mittelstandstag behandelt wurden, gehören unter anderem folgende Fragen: Auf welche Technologien sollte der Mittelstand setzen, um für die Zukunft gewappnet zu sein? Können mittelständische Unternehmen mit attraktiven Arbeitszeitmodellen die eigene Arbeitgeberqualität weiter steigern? Wie lassen sich die Rohstoffe für Zukunftstechnologien sichern? Die offene Diskussion untereinander, aber auch im Austausch mit Herstellern und großen Tier1-Zulieferer, prägt den Charakter des Mittelstandstags. Wirtschaftspolitischer Gast ist diesmal Daniel Caspary MdEP, Vorsitzender der Gruppe der CDU/CSU-Abgeordneten im Europäischen Parlament.

Zur FAST2030-Studie gibt es zudem eine gemeinsame Pressemitteilung von Oliver Wyman und dem VDA, die hier verfügbar ist.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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