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Mattes: EU-Parlamentarier schießen weit über das Ziel hinaus

Berlin, 18. Oktober 2018

Umweltausschuss fordert CO2-Reduzierung bei schweren Lkw von 20 Prozent bis 2025, 35 Prozent bis 2030. Industrie hält 7 Prozent bis 2025 und 16 Prozent bis 2030 für immer noch sehr anspruchsvoll, aber realistisch

Der Umweltauschuss des Europäischen Parlaments (ENVI) hat heute über die künftige europäische CO2-Regulierung für schwere Nutzfahrzeuge abgestimmt. Eine Mehrheit aus S&D, Linken, Grünen, Liberalen und Populisten hat für eine Verschärfung der von der EU-Kommission vorgeschlagenen Minderungsziele votiert. Die europäischen Nutzfahrzeughersteller sollen nach Auffassung des Umweltausschusses die CO2-Emissionen neu zugelassener schwerer Nutzfahrzeuge bis 2025 um 20 Prozent senken. Bis zum Jahr 2030 sollen eine Reduzierung von 35 Prozent erreicht werden. Nach Vorstellung der EU-Kommission sollen die CO2-Emissionen ab 2019 um weitere 15 Prozent bis 2025 und um insgesamt 30 Prozent bis 2030 sinken. Außerdem haben sich die Parlamentarier faktisch für eine Quote von Null- und Niedrig-emissionsfahrzeugen ausgesprochen und die schon im Kommissionsvorschlag vorgesehenen existenzbedrohenden Strafzahlungen bei Nichterfüllung beibehalten. Eine Anrechnung von E-Fuels soll nicht möglich sein.

Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), erklärte dazu:

„Die Nutzfahrzeughersteller arbeiten seit Langem erfolgreich daran, den Kraftstoffverbrauch immer weiter zu reduzieren. Nutzfahrzeuge leisten ihren Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen in Europa. Der Umweltausschuss will die Latte nun allerdings so hoch legen, dass sie nicht mehr übersprungen werden kann. Die Vorstellung, dass man beispielsweise bis 2025 EU-weit auf einen Marktanteil von 50 Prozent batterieelektischer Nahverkehrsbusse kommen könnte, ist realitätsfern. Schon die Vorstellungen der Kommission sind überambitioniert. Die europäischen Nutzfahrzeughersteller halten Minderungsziele von 7 Prozent bis 2025 und 16 Prozent bis 2030 für immer noch sehr anspruchsvoll, aber realistisch. Die EU-Parlamentarier schießen nun weit über das Ziel hinaus.

Sehr kritisch zu bewerten ist auch die Höhe der Strafzahlungen, die mit 6.800 Euro pro überschrittenem Gramm pro Tonnenkilometer selbst große Nutzfahrzeughersteller in ihrer Existenz bedrohen könnten. Die Mischung aus unrealistischen Zielsetzungen, unverhältnismäßigen Strafandrohungen und faktischen Quoten für Niedrig- und Nullemissionsfahrzeuge wird für die Branche, aber auch für die gesamte Logistikindustrie ein massiver Kostentreiber sein.

Die Nutzfahrzeugindustrie hat mehr Transparenz und eine realistische Regulierung für schwere Lkw im Grundsatz immer unterstützt. Anders als bei Pkw gibt es bisher für schwere Nutzfahrzeuge noch keine belastbare Datenbasis für konkrete CO2-Ziele. Zudem unterliegt der Nutzfahrzeugmarkt eigenen Bedingungen. Die Betreiber von Lkw haben selbst das größte Interesse an einem niedrigen Kraftstoffverbrauch und fordern als Kunden immer sparsamere Fahrzeuge. Das treibt die Nutzfahrzeughersteller schon heute dazu, immer effizientere Fahrzeuge auf den Markt zu bringen, schon allein, um langfristig am Markt erfolgreich sein zu können. Außerdem werden Nutzfahrzeuge in einer Vielzahl von unterschiedlichen Varianten ausgeliefert, die jeweils enorme Auswirkungen auf die CO2-Emissionen des Fahrzeugs haben. Kaum ein Lkw läuft so vom Band, wie er anschließend auf der Straße in den Einsatz geht. Hinzu kommt, dass alternative Antriebe – anders als im Pkw-Segment - gerade für den schweren Langstreckenverkehr noch nicht marktfähig sind. Im Güterfernverkehr ist der effiziente Dieselmotor auf absehbare Zeit schwer zu ersetzen. Der Versuch, die CO2-Regulierung für Pkw und jene für Lkw in Gleichklang zu bringen, zeigt, dass in Brüssel nach wie vor zu wenig Verständnis für die Eigenheiten des europäischen Nutzfahrzeugmarktes herrscht.“

Darüber hinaus forderte Mattes eine innovationsfreundlichere Regelung für die Anrechnung von besonders umweltfreundlichen Fahrzeugen, wie zum Beispiel Elektro-Busse oder elektrische Lkw für den urbanen Verteilerverkehr, und von klimafreundlichen synthetischen Kraftstoffen. Mattes betonte: „Kommission und Parlament wollen hier deutlich zu enge Grenzen setzen. Gerade wenn die CO2-Regulierung starke Anreize für alternative Antriebe setzen soll, müssen solche Fahrzeuge mit niedrigen Emissionen und hohen Reichweiten wesentlich stärker berücksichtigt werden.“

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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