Mattes zu Lkw-CO2-Regulierung: EU-Parlament votiert für unrealistische Ziele

Berlin, 14. November 2018

Industrie schlägt 7 Prozent bis 2025 und 16 Prozent bis 2030 CO2-Minderung vor

Das Europäische Parlament hat heute über die künftige CO2-Regulierung für schwere Nutzfahrzeuge abgestimmt. Die Parlamentsmehrheit hat für den Vorschlag des Umweltausschusses des EP (ENVI) gestimmt. Danach sollen die CO2-Emissionen neu zugelassener schwerer Nutzfahrzeuge bis 2025 um 20 Prozent sinken. Bis zum Jahr 2030 wird eine Reduzierung von 35 Prozent gefordert. Diese Ziele sollen 2022 überprüft werden. Allerdings ist eine Korrektur nur nach oben möglich.

Dazu sagte Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA): „Die Nutzfahrzeugindustrie hat anspruchsvolle, aber machbare Ziele immer unterstützt. Mit dem heutigen Votum aber ignoriert die Mehrheit des Europäischen Parlaments die Situation auf den Nutzfahrzeugmärkten, die aus sich heraus auf Effizienz getrimmt sind. Die vom Parlament beschlossenen Vorschläge sind technologisch und wirtschaftlich in der anvisierten Zeit nicht umsetzbar. Wegen der unverhältnismäßig hohen Strafandrohung von 5.000  Euro für jedes überschrittene Gramm können diese Vorgaben für einzelne Nutzfahrzeughersteller sogar zur Existenzbedrohung werden. Würde ein Hersteller von 50.000 Fahrzeugen das Ziel um 10 Prozent verfehlen, könnten Strafzahlungen in Milliardenhöhe anfallen. Es ist völlig unverständlich, dass Nutzfahrzeughersteller für Überschreitung Strafen bezahlen sollen, die um ein Vielfaches höher sind als bei Pkw oder leichten Nutzfahrzeugen.“

Bernhard Mattes erklärte: „Die Nutzfahrzeughersteller arbeiten seit Langem erfolgreich daran, den Kraftstoffverbrauch immer weiter zu reduzieren. Die Branche leistet schon jetzt ihren Beitrag zur Reduzierung der CO2-Emissionen in Europa. In den vergangenen Jahren haben sie den CO2-Ausstoß neuer Lkw kontinuierlich um rund 1 Prozent pro Jahr gesenkt. Die europäischen Nutzfahrzeughersteller schlagen daher ein Minderungsziel von 7 Prozent bis 2025 und 16 Prozent bis 2030 vor. Damit würde um 50 Prozent mehr pro Jahr reduziert als bisher. Auch ein solches Ziel wäre daher äußerst anspruchsvoll, aber zumindest realistisch.

Die jetzt geforderten Minderungsziele gehen jedoch an der technischen und wirtschaftlichen Realität vorbei. Viele alternative Antriebe sind für schwere Lkw nicht sinnvoll einsetzbar, weil sie mit hohem Gewicht, hohen Kosten oder hohen Anforderungen an die Infrastruktur einhergehen. Die Umsetzung der vom Parlament beschlossenen Ziele wird deswegen einen massiven Kostenschub auslösen, der im Ergebnis von den Verbraucherinnen und Verbrauchern bezahlt werden muss. Eine forcierte Elektrifizierung wird außerdem etablierte Logistikketten zerreißen. Die Arbeitsplatzeffekte werden alle Branchen treffen, die auf eine leistungsfähige und passgenaue Logistik angewiesen sind. Deswegen ist gerade für den schweren Langstreckenverkehr der effiziente Dieselmotor auf absehbare Zeit kaum zu ersetzen. Diese technischen und wirtschaftlichen Tatsachen werden jedoch außer Acht gelassen. Gleichzeitig werden nur schwache Anreize gesetzt, um die Entwicklung von alternativen Antrieben zu beschleunigen. Die Optionen zur Mehrfachanrechnung von Fahrzeugen mit niedrigen oder null Emissionen bleiben weit hinter dem zurück, was in anderen Regionen der Welt möglich ist. Auch das bedeutet einen Wettbewerbsnachteil für Hersteller und Logistiker in Europa.“

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

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