Mattes: Wir werden den Transformationsprozess offensiv gestalten

Berlin, 16. November 2018

VDA-Mitgliederversammlung in Berlin – Elektromobilität und Digitalisierung sind Innovationstreiber – Für offenen Handel und internationale Lieferketten – Kritik an Brüsseler CO2-Regulierung

„Die deutsche Automobilindustrie steht vor einem enormen Transformationsprozess, den wir offensiv gestalten werden. Ob Digitalisierung oder vernetztes und automatisiertes Fahren, ob effiziente Antriebe oder Mobility Services: Als Technologietreiber ist die deutsche Automobilindustrie besonders gefordert. Fahrzeuge ‚Made in Germany‘ gelten weltweit als Synonym für technologische Pionierarbeit. Unser Anspruch lautet: Das soll auch in Zukunft gelten – und zwar für eine stetig wachsende Palette von Produkten und Dienstleistungen“, betonte Bernhard Mattes, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf der VDA-Mitgliederversammlung in Berlin vor mehr als 300 hochrangigen Vertretern der Automobilindustrie.

„Ebenso anspruchsvoll sind die politischen Leitplanken, die aktuell spürbar in Bewegung sind – und entsprechend wenig Planungssicherheit bieten“, sagte Mattes und verwies auf die handelspolitischen Konflikte der USA mit China, Russland, aber auch mit der EU. „Unsere Position vertreten wir offensiv: Wir setzen uns auf allen Ebenen für einen offenen Handel und internationale Lieferketten ein, Protektionismus lehnen wir ab. Wir unterstützen die Bemühungen der EU, eine faire Handelskooperation mit den USA zu erzielen“, unterstrich der VDA-Präsident.

Auch der Brexit treffe die automobilen Lieferketten unmittelbar. „Zwar hat das britische Kabinett dem Entwurf des Austritts-Abkommens der Brüsseler Unterhändler zugestimmt, der Brexit-Sondergipfel wird am 25. November stattfinden. Jedoch trifft das Verhandlungsergebnis auf Widerstand im britischen Parlament. Wir setzen trotz aller Schwierigkeiten darauf, dass der Prozess eines geordneten Ausstiegs fortgeführt wird und praktikable Lösungen gefunden werden“, sagte Mattes. Der VDA trete für eine Übergangsfrist ein, um das zukünftige Verhältnis der EU zum Vereinigten Königreich bis Ende 2020 verhandeln zu können. Diese Frist setze eine Einigung auf ein Austrittsabkommen voraus. Für den VDA sei es wichtig, die Integrität des Binnenmarktes mit seinen vier Grundfreiheiten zu sichern. Der Zusammenhalt der EU-27 habe dabei für die Wirtschaft oberste Priorität.

Auf Bundesebene werde der VDA den strategischen Dialog über die Zukunftsthemen Dekarbonisierung, Digitalisierung, Vernetzung und alternative Antriebe weiter vertiefen.

Über die Debatte um die Diesel-Technologie, die ein EU-Thema sei, aber in Deutschland besonders intensiv geführt werde, sagte Mattes: „Sie hat unserer Branche wichtiges Vertrauen gekostet. Uns allen ist klar: Wir haben eine Verantwortung – und ebenso klar ist: Dieser Verantwortung stellen wir uns“, betonte Mattes.

In den vergangenen Monaten habe die deutsche Automobilindustrie ein ganzes Bündel an Maßnahmen ergriffen, um die Luftqualität in Städten rasch zu verbessern. Dazu zählen Software-Updates, Kooperationsprojekte mit betroffenen Städten, finanzielle Beteiligung am Förderprogramm der Bundesregierung sowie umfangreiche Angebote zur raschen Erneuerung des Pkw-Bestands durch Neuwagen und junge Gebrauchte.

Mattes: „All diese konkreten Ansätze sind so konzipiert, dass sie den Städten rasch helfen. Darüber hinaus haben die drei deutschen Hersteller herstellerspezifische Angebote für die Zeit nach 2020 zugesagt, damit bisherige Dieselkunden mobil bleiben können.“ Der VDA-Präsident fügte hinzu: „Eines sollten wir nicht ausblenden: Offensichtlich geht es nicht allen Kritikern im Kern um bessere Luftqualität. Einigen geht es vielmehr um einen pauschalen Frontalangriff auf die individuelle Mobilität.“

Auch deshalb führt der VDA seine Dialogreihe „Mobilität von morgen“ mit VDA-Vorstandsmitgliedern und hochrangigen Politikern fort.

„Wer über die Zukunft der Mobilität spricht, sollte dies grundsätzlich technologieoffen tun. Die derzeit in Brüssel diskutierten CO2-Zielwerte für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge für die Zeit nach 2020 werden uns vor große Herausforderungen stellen. Wesentliche Faktoren werden bisher nicht ausreichend berücksichtigt: die kundenseitige Akzeptanz bei der Elektromobilität, die Ladeinfrastruktur oder auch sinkende Verkäufe von CO2-sparsamen Dieselmodellen“, betonte Mattes.

Sehr kritisch bewertete der VDA-Präsident die EU-Vorstellungen zur CO2-Regulierung von schweren Nutzfahrzeugen. Er erläuterte auf der Mitgliederversammlung weitere politische Aktivitäten des Verbandes. Dazu gehört die Arbeit in der Nationalen Plattform der Bundesregierung zur „Zukunft der Mobilität“. Hier sollen wesentliche klimapolitische Weichen für die nächsten Jahre gestellt werden. Mattes: „Wir werben auch hier für mehr Realismus. Zudem treten wir für eine steuerliche Forschungsförderung für F&E-aktive Unternehmen ein. Wir fordern notwendige Investitionen in die Infrastruktur der Zukunftstechnologien.“ Einer neuen Digitalsteuer auf EU-Ebene steht der VDA sehr skeptisch gegenüber.

Abschließend unterstrich Mattes: „Ein Thema werden wir nur gemeinsam und mit langem Atem bewegen können: Wir dürfen, bei aller berechtigter Kritik an eigenen Fehlern einzelner Unternehmen unserer Branche, nicht zulassen, dass Deutschlands Schlüsselindustrie aufs Spiel gesetzt wird – mit ihrem Erfolg für dieses Land, ihrer hohen Beschäftigung, ihrem Beitrag zu Wachstum und Wohlstand. Und wir stehen für individuelle Mobilität, die immer auch nachhaltig ist.“

 

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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