Europäischer Pkw-Markt bricht 2020 um ein Viertel ein

    Berlin, 18. Januar 2021

    China nur einstellig im Minus – USA, Brasilien, Russland und Indien mit jeweils zweistelligem Rückgang – Langsame Erholung im laufenden Jahr erwartet

    Die Coronakrise hat sich 2020 auf den internationalen Märkten massiv ausgewirkt. In nahezu allen Ländern der Welt gingen die Verkäufe teils drastisch zurück. Von den drei großen Absatzregionen musste Europa (EU27 & EFTA & UK) den größten Rückgang um rund ein Viertel verbuchen. In den USA gingen die Verkäufe zweistellig zurück. Der chinesische Markt erholte sich zwar vergleichsweise zügig, blieb aber im Gesamtjahr noch deutlich unter dem Vorjahresniveau. Im Jahr 2021 dürften die internationalen Märkte auf breiter Front wachsen – das Vor-Corona-Niveau wird aber insgesamt noch nicht erreicht.

    In Europa wurden im Jahr 2020 insgesamt knapp 12,0 Mio. Pkw neu zugelassen, 3,8 Mio. bzw. fast ein Viertel (-24 Prozent) weniger als im Vorjahr. Die fünf größten Märkte verbuchten durchweg zweistellige Rückgänge. In Deutschland sanken die Neuzulassungen um knapp ein Fünftel (-19 Prozent). In Frankreich reduzierte sich das Absatzvolumen um ein Viertel (-25 Prozent). In Italien (-28 Prozent), dem Vereinigten Königreich (-29 Prozent) und Spanien (-32 Prozent) wurde jeweils knapp ein Drittel weniger Autos zugelassen. Alle Länder, die zum europäischen Markt zählen, mussten das Jahr 2020 mit einer negativen Bilanz abschließen. In den vergangenen Monaten ist zwar eine leichte Erholung erkennbar, aber noch im Dezember lag der Pkw-Absatz in Europa mit mehr als 1,2 Mio. Einheiten 4 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

    In den USA schloss der Light-Vehicle-Markt (Pkw und Light Trucks) das Jahr 2020 mit knapp 14,5 Mio. verkauften Fahrzeugen ab (-15 Prozent). Erstmals seit 2012 überschritt der US-Markt damit nicht mehr die 15-Millionen-Marke. Dabei ging der Absatz von Pkw um 28 Prozent zurück, während im Light-Truck-Segment, das mittlerweile 76 Prozent des Light-Vehicle-Marktes ausmacht, die Verkäufe um 10 Prozent nachgaben. Im Dezember wurden 1,6 Mio. Light Vehicles verkauft (+6Prozent).

    China hat die Corona-Pandemie und deren schwerwiegende Folgen für den Automobilabsatz weitestgehend hinter sich gelassen. Dank einer raschen Erholung hat sich das Minus im Jahr 2020 auf 6 Prozent reduziert (19,8 Mio. Einheiten). Im Dezember gingen 2,3 Mio. Fahrzeuge an die chinesischen Kunden. Das ist ein Zuwachs um 7 Prozent zum Vorjahr und der achte monatliche Anstieg in Folge.

    Der japanische Neuwagenmarkt blieb 2020 mit 3,8 Mio. verkauften Pkw um 11 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Damit unterschritten die Verkäufe erstmals seit 2011 wieder die 4-Millionen-Marke. Im Dezember lag das Verkaufsniveau bei 315.200 Einheiten, 11 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

    In Russland gingen die Light-Vehicle-Verkäufe im vergangenen Jahr um 9 Prozent auf 1,6 Mio. Einheiten zurück.

    Der indische Pkw-Markt gab im Jahr 2020 deutlich nach. Zwar konnte er in der zweiten Jahreshälfte teils starke Zuwächse verbuchen, die Einbußen aus den Lockdown-Monaten konnten jedoch nicht aufgeholt werden. Mit insgesamt 2,4 Mio. Neufahrzeugen (-18 Prozent) fiel der Absatz auf ein 10-Jahres-Tief. Im Dezember lag die Nachfrage wieder 14 Prozent über dem Vorjahresniveau (253.000 Einheiten).

    In Brasilien verbuchte der Light-Vehicle-Markt im Gesamtjahr 2020 ein deutliches Minus. Der Neuwagenabsatz ging um knapp 27 Prozent auf 2,0 Mio. Einheiten zurück. Damit wurde eine dreijährige Erholungsphase abrupt beendet. Im Dezember betrug das Minus 8 Prozent (233.000 Einheiten).

    Es ist davon auszugehen, dass sich im neuen Jahr eine langsame Verbesserung der Marktlage einstellt. Die Rückgänge des Jahres 2020 werden aber nicht vollständig wettgemacht. Die für die kommenden Monate zu erwartenden höheren Zuwachsraten dürfen vor dem Hintergrund der extrem niedrigen Absatzzahlen während der Lockdownphase im Frühjahr 2020 nicht überbewertet werden. Es dürfte sich hier vor allem um einen „technischen Aufschwung“ handeln. Der Fahrzeugabsatz in den jeweiligen Märkten wird sich – mit Ausnahme Chinas – nur langsam dem jeweiligen Vorkrisenniveau annähern. Für Europa wird 2021 mit einem Wachstum von 12 Prozent auf 13,4 Mio. Neufahrzeuge gerechnet. In den USA dürfte der Absatz 2021 um 9 Prozent zulegen (15,8 Mio. Einheiten). Der chinesische Pkw-Markt wird mit 21,4 Mio. Einheiten (+8 Prozent) bereits wieder das Vor-Corona-Niveau übersteigen. Der Pkw-Weltmarkt dürfte damit – nach einem Einbruch um 15 Prozent in 2020 – in diesem Jahr um 9 Prozent auf 73,8 Mio. zulegen. Aber auch dieses Absatzvolumen liegt noch deutlich unter dem Vor-Corona-Niveau.

      Dezember 2020 Januar-Dez. 2020
      Anzahl Veränderung
    20/19 in %
    Anzahl Veränderung
    20/19 in %
    Europa (EU27+EFTA+UK)*1) 1.214.600 -3,7 11.961.200 -24.3
    Europäische Union (EU-27)*1) 1.031.100 -3,3 9.942.500 -23,7
    Westeuropa (EU14+EFTA & UK) 1)1 1.093.400 -3,6 10.804.200 -24,5
    Neue EU-Länder (EU13)*1) 121.200 -5,1 1.157.000 -23,0
    USA** ²) 1.608.700 6,4 14.463.900 -14,7
    China ³)2.328 2.328.000 7,2 19.790.000 -6,1
    Japan** 4) 315.200 10,9 3.810.000 -11,4
    Russland** ***5) - - 1.598.800 -9,1
    Indien5) 253.000 13,6 2.435.100 -17,7
    Brasilien 6) 233.000 -7,6 1.954.800 -26,7

    Quellen: 1) ACEA, 2) WardsAuto, 3) JAMA, 4) ANFAVEA, 5) CAAM *ohne Malta **Light Vehicles