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Wissmann: Deutsche Automobilindustrie erschließt konsequent Zukunftsfelder der Mobilität

München/Berlin, 21. März 2013

„Die deutsche Automobilindustrie setzt sich das Ziel, die Zukunftsfelder der Mobilität konsequent zu erschließen. Unsere Hersteller und Zulieferer wollen technologisch die Benchmark setzen. Ein wesentlicher Innovationstreiber ist das Premiumsegment. Premiumfahrzeuge haben neue, klimafreundliche Technologien ermöglicht und das Fahren sicherer gemacht – und zwar für alle Fahrzeugklassen“, erklärte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), zum Auftakt des 15. Technischen Kongresses des VDA in der BMW Welt München. „Der Weltmarktanteil deutscher Premiummarken liegt bei 80 Prozent. Premiumfahrzeuge sind auch wirtschaftlich von hoher Bedeutung für den Standort Deutschland. Allein bei unseren Pkw-Herstellern hängen über 200.000 Arbeitsplätze von Premiumfahrzeugen ab. Das sind 60 Prozent der Mitarbeiter. Hinzu kommen viele Arbeitsplätze bei Zulieferern“, sagte Wissmann.

Der Technische Kongress des VDA mit mehr als 500 Teilnehmern ist das wichtigste Technologie-Symposium der Automobilindustrie in Europa. Hochrangige Vertreter von Automobilherstellern, Zulieferern, Wissenschaft und Politik diskutieren am 21. und 22. März 2013 über Umwelt, Energie und Elektromobilität sowie über Fahrzeugsicherheit und Elektronik.

Das Premiumsegment sichere einen erheblichen Teil der Investitionen in Forschung und Entwicklung, führte der VDA Präsident aus. „Jedes Jahr investieren unsere Unternehmen mehr als 20 Milliarden Euro, mit sichtbarem Erfolg für die Fahrzeugsicherheit und den Umweltschutz. Beim CO2-Vergleich der Fahrzeuge haben die Modelle deutscher Hersteller die Nase vorn. Nach Angaben des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) haben die neu zugelassenen Pkw deutscher Konzernmarken in neun von zehn Fahrzeugklassen im Durchschnitt jeweils geringere CO2-Emissionen als ihre Wettbewerber. Die Zahl deutscher Modelle mit einem CO2-Wert unter 130 g/km hat sich allein in den vergangenen zwei Jahren auf 600 gut verdoppelt. Die durchschnittlichen CO2-Emissionen aller in Deutschland neu zugelassenen Pkw liegen inzwischen bei rund 140 Gramm pro Kilometer“, so Wissmann.

Die Entwicklung der CO2-Werte der letzten Jahre könne allerdings nicht einfach linear fortgeschrieben werden, erklärte der VDA-Präsident. Denn die Annäherung an physikalische Grenzen erfordere einen immer aufwendigeren und mit hohen Kosten verbundenen Technologieeinsatz. Um das von der EU-Kommission für das Jahr 2020 ausgegebene europäische Flottenziel von 95 Gramm CO2 pro Kilometer zu erreichen, müsse ein erheblicher Anteil von Autos mit alternativen Antrieben ausgestattet werden. Das sei bei der Regulierung zwingend zu berücksichtigen. Wissmann: „Es müssen sinnvoll Anreize gesetzt werden, um Innovationen mit hohem Tempo nach vorn zu treiben. Dazu gehört auch eine Mehrfachanrechnung der CO2-Werte alternativ angetriebener Fahrzeuge, die sogenannten Super Credits, in entsprechender Höhe, wie sie vergleichbar auch in China und in den USA gelten.“

Wissmann forderte die europäische Politik auf, der Industrie wieder den Rücken zu stärken. In vielen europäischen Ländern sei der industrielle Bruttowertschöpfungsanteil seit dem Jahr 2000 zurückgegangen: in Italien auf knapp 19 Prozent, in Spanien auf 17 und in Frankreich auf nicht einmal mehr 13 Prozent. „Ein wichtiger Baustein des deutschen Erfolgs ist, dass wir an unserer starken Industrie festgehalten haben“, so der VDA-Präsident. „Deutschland  erwirtschaftet rund 27 Prozent der industriellen Bruttowertschöpfung der EU. Das ist mehr als Großbritannien und Frankreich zusammen.“ Allerdings sei der aktuelle Wettbewerbsvorteil Deutschlands kein Ruhekissen. Wissmann: „Wir müssen alles tun, um den erarbeiteten Vorsprung zu bewahren und zu verteidigen. Die Lohnstückkosten sind 2012 in Deutschland wieder deutlich gestiegen. Auch die Zeitarbeit hat sich wesentlich verteuert. Da reiben wir uns im VDA schon die Augen, welche Vorschläge der aufziehende Wahlkampf jetzt hervorbringt: Neue Steuerpakete und steigende Kosten durch überzogene Regulierung sind zusätzliche Belastungen, die wir uns in Deutschland nicht leisten können.“

Ein Schlüsselthema für die Mobilität der Zukunft sieht Wissmann in der Vernetzung. Künftig würden die Fahrzeuge untereinander, mit der Infrastruktur und mit dem Internet vernetzt sein. Schätzungen zufolge werden 2016 weltweit ca. 210 Millionen vernetzte Autos auf den Straßen sein –  ein jährliches Wachstum von 36 Prozent. „Das Auto steht in einer digitalen Revolution. Es reiht sich nahtlos ein in den Trend der mobilen Kommunikation und Erreichbarkeit. Das Auto wird zu einem umfassenden Dienstleister, der die Bedürfnisse des Fahrers kennt und ihm assistierend zur Seite steht. Die neue Technik kann helfen, den Bedarf der Menschen nach Mobilität und Transport effizienter zu erfüllen, Staus zu vermeiden und mit innovativen Fahrassistenzsystemen die Verkehrssicherheit weiter zu verbessern“, so der VDA-Präsident.

In seinem Grußwort hob Martin Zeil, Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, die Bedeutung der Automobilindustrie für die wirtschaftliche Stärke des Freistaates hervor: „Bayern ist ein Premium-Standort für Unternehmen. Und die kräftigsten Zugpferde Bayerns sind unsere Fahrzeugbauer und deren Zulieferer“, betonte Zeil. Die Partnerschaft zwischen Politik und Industrie sei in Bayern „ausgesprochen gut“. „Mit ihren großartigen Exporterfolgen unterstreichen unsere Unternehmen, wie richtig es ist, die industrielle Produktion bei uns zu halten und zu pflegen. Innovationen der Automobilbranche an der Schnittstelle von IKT, Umwelt und Mobilität sowie neue technologische Entwicklungen revolutionieren den Verkehr. Sie bieten unseren Premiumherstellern und ihren Zulieferern aus unterschiedlichsten Branchen ausgezeichnete Chancen, sich als Innovationstreiber zu profilieren und ihre Weltmarktführerschaft noch weiter auszubauen! Ich bin überzeugt: Technik und Autos ‚Made in Bavaria‘ werden in Zukunft noch attraktiver für die Kunden aus aller Welt!“, so Zeil.

In seiner Keynote „Zukunft trifft Innovation“ betonte Dr. Herbert Diess, Vorstand Entwicklung der BMW AG: „BMW wird mit BMW i den Automobilbau revolutionieren. BMW i kombiniert zum ersten Mal eine neue Freude am Fahren, mit Premium-Angeboten und Nachhaltigkeit. i-Fahrzeuge haben eine revolutionäre Architektur, eine neue, moderne Designsprache und kompensieren das Mehrgewicht der Batterie über extensiven Einsatz von CFK. So gestalten wir den Systemwandel hin zu einer stärkeren Elektrifizierung der Antriebsstränge maßgeblich mit.“

Wolfgang Dürheimer, Vorstand Technische Entwicklung der Audi AG, ging in seinem Vortrag auf die Bedeutung des Motorsports als Innovationstreiber ein. Die Rennstrecke sei Entwicklungslabor für neue Sicherheits- und Umwelttechniken. „Bei Audi legen wir größten Wert auf den Technologietransfer zwischen Motorsport und Serie. Und am Ende des Tages profitieren unsere Kunden, gerade auch auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit“, so Dürheimer.

Die Themen „Umwelt, Energie und Elektromobilität“ und „Fahrzeugsicherheit und Elektronik“ bilden die beiden Eckpfeiler des 15. Technischen Kongresses des VDA. Zu den Referenten gehören – neben Wissmann, Dr. Diess, Dürheimer und Staatsminister Zeil – unter anderem: Ministerialdirigentin Claudia Horn, Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS), Dr. Christoph Grote, Geschäftsführer BMW Forschung und Technik, Dr. Ralf Cramer, Mitglied des Vorstands der Continental AG, Division Chassis und Safety, Prof. Dr. Herbert Kohler, Leiter Konzernforschung und Nachhaltigkeit Daimler AG, Prof. Emilio Frazzoli, Massachusetts Institute of Technology (MIT), Dr. Peter Morfeld, Leitung Institut für Epidemiologie und Risikobewertung in der Arbeitswelt Evonik Services GmbH, und Andreas Ostendorf,  Vicepresident Sustainability, Environment & Safety Engineering von Ford of Europe.

Das Tagungsprogramm steht unter www.vda.de zum Download bereit. Die Teilnahme ist für Journalisten kostenlos.

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