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Die Zukunft der Automobilproduktion am Standort Deutschland sichern

Frankfurt/Berlin, 11. September 2013

„Deutschland ist ein leistungsstarker und innovativer Automobilstandort. Damit wir zukunftsfähig bleiben, braucht es stabile und verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik sowie sichere und qualifizierte Arbeitsplätze.“ Mit dieser Botschaft eröffneten Berthold Huber, Erster Vorsitzender der IG Metall, und Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), das gemeinsame IAA-Symposium „Die Zukunft der Automobilproduktion am Standort Deutschland“ am 11. September 2013 in der Frankfurter IG Metall-Zentrale vor zahlreichen hochrangigen Gästen aus Wirtschaft und Gewerkschaft.

Huber und Wissmann betonten:

„Ökologie und Ökonomie zu vereinbaren, sehen IG Metall und VDA als eine der größten Herausforderungen für den Innovationsstandort Deutschland an. Das wird nur mit umfassenden Investitionen in Infrastruktur und Bildung durch Regierung und Unternehmen gelingen.“ Von der EU erwarte man eine intelligente und flexible CO2-Regulierung. „Auch Brüssel muss erkennen, dass es um die Balance zwischen Ökologie und Ökonomie geht – und um eine industriepolitische Weichenstellung für den Automobilstandort Deutschland. Rund 60 Prozent der Arbeitsplätze allein bei den Pkw-Herstellern hängen vom Premiumsegment ab. Das darf nicht durch eine überzogene CO2-Regulierung gefährdet werden“, sagte Wissmann.

Huber und Wissmann hoben die Bedeutung der Mehrfachanrechnung (Supercredits) von besonders CO2-sparsamen Autos auf den Flottenwert hervor. Diese Mehrfachanrechnungen seien ein wichtiger Hebel. China lege den Faktor fünf an, in den USA sei es mindestens der Faktor zwei. Der Vorschlag der EU-Kommission bleibe bisher weit dahinter zurück. Eine einfache Fortschreibung der Reduktionsziele über das Jahr 2020 hinaus ergäbe darüber hinaus kurzfristig keinen Sinn. Erst nach belastbaren Erfahrungen über den Markterfolg alternativer Antriebstechnologien sollte die europäische Politik hierzu Angaben machen, so Huber und Wissmann.

Der weltweite Automobilmarkt wachse, allerdings liege die Nachfrage auf dem westeuropäischen Pkw-Markt derzeit deutlich unter ihrem langjährigen Niveau. 40 Prozent aller PKW würden dieses Jahr in Asien verkauft – in Europa weniger als 20 Prozent. Angesichts dieser Entwicklung stelle sich die Frage nach strategischen Entscheidungen, um Produktion und Beschäftigung nachhaltig am Automobilstandort Deutschland zu sichern.

Wissmann betonte:

„Von der klugen Tarifpolitik in den vergangenen Jahren haben Arbeitnehmer und Arbeitgeber gemeinsam profitiert. Deutschland steht derzeit noch gut da“, sagte der VDA-Präsident. Gerade die Internationalisierung der Industrie habe Arbeitsplätze auch zuhause gesichert. Die Beschäftigung in der Automobilindustrie sei in den vergangenen Jahren sogar leicht gestiegen. Deutschland könne sich aber keineswegs zurücklehnen, sondern müsse in einer neuen gemeinsamen Kraftanstrengung von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften das deutsche Erfolgsmodell der Automobilindustrie in der kommenden Dekade aktiv fortschreiben, so der VDA-Präsident. Das betreffe die Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette zwischen Herstellern und Zulieferern, die Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern und das Zusammenwirken mit der Politik. Neue Wettbewerber und intensiver internationaler Wettbewerb erforderten, dass Deutschland weiter an seiner Wettbewerbsfähigkeit arbeite. Von der zukünftigen Bundesregierung erwartet Wissmann, dass die Standortbedingungen nicht verschlechtert werden. „Das Investitionsklima muss stimmen, damit Innovationen weiter aus Deutschland kommen. Dazu gehört vor allem – anders als beim Auto: Hände weg vom Steuerrad!“ Neue Steuerbelastungen wären Gift gerade für mittelständische Betriebe und deren Beschäftigten.

Huber betonte:

„Der größte Wettbewerbsvorteil der deutschen Automobilindustrie sind die gut qualifizierten Beschäftigten. Sie haben sichere und faire Arbeitsplätze verdient“, sagte der IG Metall-Vorsitzende. Märkte und Produkte veränderten sich stetig, die heimische Wertschöpfung stehe zum Teil vor großen Herausforderungen. Dafür benötigten Arbeitgeber und Gewerkschaften eine gemeinsame Strategie. Die IG Metall plädiere dafür, Instrumente zu internen Flexibilisierung offensiv zu nutzen, insbesondere Arbeitszeitkonten. Es gelte, gemeinsam mit den Arbeitgebern weiterzudenken und neue Modelle zu entwickeln. „Für uns stehen die Menschen im Mittelpunkt. Auch wer zu hundert Prozent hinter Job und Produkten steht, muss Familie und Beruf vereinbaren können“, so Huber. Niedriglohn, Mini-Jobs, Befristungen und dem Missbrauch von Leiharbeit und Werkverträgen erteilte Huber eine klare Absage. In den letzten Jahren habe gerade die Politik gesetzliche Rahmenbedingungen für gute Arbeit vernachlässigt. „Lohndumping und unsichere Arbeitsplätze schaden aber langfristig der Exzellenz des Premiumautomobilstandortes Deutschland“, sagte Huber. Arbeitgeber und Gewerkschaften müssten das Erfolgsmodell sicherer und fairer Arbeit in der Automobilindustrie fortsetzen. „Die Tarifpartner bekennen sich gemeinsam zum Standort Deutschland“, sagte Huber.

 Auf einer anschließenden Podiumsdiskussion, an der neben Wissmann und Huber auch Prof. Dr. Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender der Volkswagen AG, Franz Fehrenbach, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Robert Bosch GmbH, und Erich Klemm, Vorsitzender des Gesamtbetriebsrats der Daimler AG, teilnehmen, wird die Frage, welche strategischen Entscheidungen notwendig sind, um Produktion und Beschäftigung am Standort Deutschland nachhaltig zu sichern, umfassend behandelt.

 

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