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Zulieferer sehen Internationalisierung als Chance

Frankfurt am Main/Berlin, 13. September 2013

Eine der spannendsten Fragen stand im Mittelpunkt des IAA-Symposiums, das die IKB (Deutsche Industriebank AG) und der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Freitag in Frankfurt auf der weltweit wichtigsten Automobilmesse durchführte: „Zulieferindustrie im Internationalisierungsprozess – Zukunftsperspektiven für den Standort Deutschland“ hatte die Veranstaltung als Thema. Wohl selten zuvor wurde so intensiv aus Sicht von Zulieferer- und Hersteller-Perspektive die Herausforderung der Internationalisierung diskutiert.

Hochrangig das Podium: Arndt G. Kirchhoff, Geschäftsführender Gesellschafter & CEO der Kirchhoff Holding GmbH & Co. KG; Andreas Müllender, Executive Director Product Purchasing Europe, Adam Opel AG; Jürgen Otto, Vorsitzender der Geschäftsführung der Brose Unternehmensgruppe, sowie Dr. Stefan Wolf, Vorsitzender des Vorstands der ElringKlinger AG. Dr. Kurt Demmer, Chefvolkswirt der IKB, hatte die Moderation.

Matthias Wissmann, Präsident des VDA, begrüßte zu Beginn die zahlreichen Gäste des Symposiums und wies darauf hin, dass die IAA traditionell einen hohen Fachbesucheranteil habe. Die IAA sei damit nicht nur die weltweit größte Autoshow mit den meisten Weltpremieren, sondern auch ein großer Kongress mit über 30 Fachveranstaltungen. Die Tatsache, dass der Anteil der ausländischen IAA-Aussteller auf 42 Prozent deutlich gestiegen sei – wobei der Anteil der Aussteller aus China besonders kräftig zunahm –, dokumentiere die Internationalisierung der Branche. „Diese Entwicklung fordert unsere Industrie, sowohl die Fahrzeughersteller als auch die Zulieferer. Internationalisierung ist unabdingbar, zunehmend auch für unsere mittelständischen Unternehmen. Nicht nur, weil die Pkw-Hersteller ihre Wachstumschancen auf außereuropäischen Märkten sehen. Das bietet natürlich Chancen auch für Zulieferer. Ihre Etablierung auf diesen Märkten gibt ihnen aber auch einen gehörigen Startvorteil gegenüber den Wettbewerbern. Gerade unsere Zulieferer werden von der Entwicklung der neuen Märkte profitieren“, unterstrich Wissmann.

Andreas Müllender, Opel, betonte, dass die Internationalisierung noch längst nicht abgeschlossen sei. Das Wachstum der kommenden Jahre werde vor allem in den BRIC-Staaten erfolgen, weniger in Europa: „Der Druck, vor Ort zu produzieren, wird sich fortsetzen.“ Er unterstrich, dass die Pkw-Hersteller gerade auch im Tier-2- und Tier-3-Bereich kompetente Zulieferer benötigten.

Arndt G. Kirchhoff erläuterte, dass sein Unternehmen rund 40 Werke weltweit habe, davon allein in Nordamerika 14: „Wir betreiben seit einem Vierteljahrhundert die Internationalisierung in der Kirchhoff-Gruppe.“ Allerdings sei dies nicht bei allen Zulieferern der Fall. Jedes Unternehmen müsse selbst entscheiden, ob und wann sich ein eigener Standort in einem der BRIC-Staaten lohne. Dabei komme es nicht nur auf die Marktperspektive an, sondern auch auf die rechtlichen Rahmenbedingungen. Nicht in jedem Fall seien Joint-Ventures der passende Ansatz, um auf neuen Märkten Fuß zu fassen. „Vorteilhaft für kleine und mittelständische Zulieferer sind auch Cluster oder Industriepark-Konzepte vor Ort“, so Kirchhoff. Er unterstrich, dass die deutschen Zulieferer auf offene Märkte angewiesen seien, die zunehmenden protektionistischen Maßnahmen in vielen Ländern seien besorgniserregend.

Stefan Wolf, ElringKlinger, hob ebenfalls die Chancen der Internationalisierung hervor: „Ich bin ein klarer Befürworter der Internationalisierung. Wir haben außerhalb Deutschlands 42 Standorte und werden weiter internationalisieren. Unsere Kunden, die Hersteller, erwarten das auch von uns.“ Der Markterfolg gehe nur über Qualität und Technologie. Wolf erläuterte, dass sein Unternehmen den Hochlauf in Indien aus eigener Kraft erreicht habe: „Wir haben uns dort nicht für ein Joint-Venture entschieden, sondern sind selbst durchgestartet – das war der richtige Weg.“

Auch Jürgen Otto sieht in der Internationalisierung die Chance: „Während wir in Europa in diesem Jahr einen Rückgang haben, werden wir in den USA um 20 Prozent zulegen, in China wird das Wachstum zweistellig sein.“ Notwendig sei gerade für Zulieferer auch eine hoch effiziente Logistik: „Wir setzen auf just in sequence, weltweit“, so Otto. Für kleine Zulieferer sei es allerdings nicht wirtschaftlich, auf allen Wachstumsmärkten eigene Fertigungsstandorte zu errichten. Ein „Shop-in-Shop-Konzept“, bei dem sich diese kleineren Zulieferer bei größeren integrieren, sei eher eine erfolgversprechende und kostengünstige Option.

 

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