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Wissmann: IAA zeigt automobile Zukunft – Elektromobilität jetzt erfahrbar

Frankfurt/Berlin, 17. September 2013

„Elektrisches Fahren ist keine Vision mehr, sondern Realität. Die automobile Zukunft ist jetzt erfahrbar. Das wird auf dieser IAA ganz deutlich“, sagte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), vor rund 400 internationalen Gästen auf dem „Fachkongress Elektromobilität“ auf der 65. IAA Pkw in Frankfurt. Den Kongress veranstaltet der VDA gemeinsam mit anderen Industrieverbänden (BDI, BDEW, Bitkom, VCI, VDMA, ZVEI). „Bis Ende 2014 sind 16 elektrifizierte Serienmodelle ‚Made in Germany‘ im Handel, die rein batterieelektrisch betrieben werden oder mit einer Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor ausgestattet sind (Plug-in-Hybrid oder Range-Extender). Das Angebot reicht vom rein elektrischen Kleinwagen über Mittelklasse-Langstreckenfahrzeuge und leichte Nutzfahrzeuge bis hin zum emotionalen Sportwagen.“

Die deutsche Automobilindustrie investiere allein in den nächsten drei bis vier Jahren 12 Mrd. Euro in die Entwicklung alternativer Antriebe.Hier auf der IAA ist zu sehen, dass sich unsere Unternehmen der technologischen Zeitenwende kraftvoll annehmen und entschlossen in Vorleistung gehen. Die gesamte deutsche Industrie ist auf einem guten Weg, die Chancen der Elektromobilität für den Standort Deutschland zu nutzen“, betonte Wissmann. Die steigende Anzahl von Fahrzeugmodellen werde der Elektromobilität einen weiteren Schub geben. Im Jahr 2014 könnten einige Zehntausend Fahrzeuge verkauft werden – Mitte des Jahrzehnts möglicherweise auch schon eine sechsstellige Zahl.

„Wir sind davon überzeugt, dass wir die Nutzer zunächst im Dienstwagenbereich erreichen müssen. Dies ist ein wirksamer Weg für die Markteinführung, da Dienstwagen in der Regel nur recht kurz beim Erstkäufer bleiben und dann über den Gebrauchtwagenmarkt den Fahrzeugbestand erweitern. Elektrofahrzeuge werden im Geschäftsumfeld aufgrund ihrer geringeren Betriebskosten im Vergleich zu herkömmlichen Fahrzeugen deutlich attraktiver. Wir begrüßen daher ausdrücklich den von der Bundesregierung beschlossenen Nachteilsausgleich für Elektrofahrzeuge. Zudem sehen wir einen großen Hebel bei Sonderabschreibungen für gewerblich genutzte Elektrofahrzeuge.“

Mit Blick auf die geplante europäische CO2-Regulierung, die derzeit in Brüssel verhandelt wird, sagte der VDA-Präsident: „Innovationen sind der Schlüssel für eine nachhaltige Gestaltung der Mobilität von morgen. Eine Möglichkeit zur Förderung von alternativen Antrieben sind die sogenannten Supercredits.“ Diese Mehrfachanrechnungen von besonders effizienten Fahrzeugen, die in der geltenden Regulierung bereits enthalten sind, belohnen Hersteller, die sehr emissionsarme Fahrzeuge besonders früh auf den Markt bringen. „Mit dem vorliegenden Vorschlag für Supercredits der EU-Kommission werden die Anreizeffekte jedoch verpuffen: Um eine wirksame Ausgestaltung von Supercredits sicherzustellen, müssen sie stärker berücksichtigt werden“, forderte Wissmann.

EU-Energiekommissar Günther Oettinger nannte in seinem Referat die Elektromobilität einen Schwerpunkt europäischer Energiepolitik. „Weil die Mobilität nicht an den Grenzen der Mitgliedsstaaten halt macht, ist es ein Gebot der Klugheit, hier für gemeinsame Standards zu sorgen“, so Oettinger. Zudem stünde die Politik vor der Aufgabe, den Aufbau einer flächendeckenden Lade-Infrastruktur voranzutreiben. „Hier sollten wir uns eine Offenheit bewahren und sehen, in welche Richtung die Entwicklung in den kommenden drei bis fünf Jahren geht und wie eine Normierung auf europäischer Ebene dann aussehen kann.“ Auch Oettinger ging auf die geplanten CO2-Grenzwerte für Pkw im Jahr 2020 ein. „Die 95 Gramm sind sehr ehrgeizig, Industriepolitik und Klimaschutz müssen in Einklang gebracht werden“, so der Kommissar. Daher plädiere er für eine „pragmatische, flexible Anwendung, mit einer stufenweisen Einführung und intelligenten Ausgestaltung von Supercredits“.

Prof. Dr. Thomas Weber, Mitglied des Vorstands der Daimler AG und verantwortlich für Group Research & Mercedes Benz Cars Development hielt  seinen Vortrag zum Thema „Zurück in die Zukunft: Elektromobilität zwischen Hype und Realität.“ Weber betonte: „Mit unserer Vision vom emissionsfreien Fahren sind wir längst im automobilen Alltag angekommen. Denn unsere Produktpalette umfasst bereits neun elektrisch angetriebene Fahrzeuge. Und wir freuen uns sehr, dass auch andere Automobilhersteller mit ihren neuen Modellen zusätzliche Impulse auf dem Markt für Elektromobilität setzen.“

Barb Samardzich, Vizepräsidentin Produktentwicklung Ford Europa, hielt ihren Vortrag zum Thema „Elektrifizierte Antriebe – Wichtiger Baustein zukünftiger Mobilität". „Elektrifizierte Antriebe sind ein wichtiger Bestandteil zukünftiger Mobilitätslösungen“, führte Samardzich aus. „Zur langfristigen Entwicklung eines nachhaltig erfolgreichen Marktes ist die Zusammenarbeit aller beteiligten Interessengruppen wie Gesetzgeber, Energieversorger sowie Elektro- und Automobilindustrie notwendig, um die Kosten für die Fahrzeugherstellung und Infrastruktur zu senken.“

Dr. Urban Keussen, Bereichsleiter Technologie & Innovation der E.ON AG, erläuterte den „Systemischen Ansatz" der Elektromobilität im Bereich der Energie. „Die IAA 2013 zeigt einmal mehr: die Elektromobilität kommt in Fahrt, sie geht langsam aber sicher aus der Phase der Demonstrationsvorhaben in alltägliche Praxis über“, sagte Dr. Keussen. „Der Aufbau der notwendigen Ladeinfrastruktur verläuft parallel zu dieser Entwicklung. Heute wissen wir, dass die Nutzer ihre Elektroautos weit überwiegend im privaten Bereich – zu Hause, am Arbeitsplatz, beim Einkaufen oder beim Restaurantbesuch – aufladen. Öffentliche Ladestationen werden hingegen auch in Zukunft nur eine ergänzende Rolle spielen. Daher setzen wir als Energieunternehmen vor allem auf maßgeschneiderte Ladelösungen, die wir gemeinsam mit Kunden und Partnern realisieren.“

Dr. Ingo Ramesohl Robert Bosch GmbH, zeigte „Veränderungen in der Wertschöpfungskette bei Bosch" auf. „Mit unseren Stärken in Elektronik und Sensorik sehen wir gute Chancen, die Zukunft des Autos wesentlich mitgestalten zu können – bei der Elektrifizierung, der Automatisierung und der Vernetzung des Fahrens“ so Ramesohl.

Prof. Dr. Werner Tillmetz, Mitglied des Vorstandes des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und Leiter des Geschäftsbereichs Elektrochemische Energietechnologie, ging in seinem Vortrag auf die Batterie als „Schlüsseltechnologie für die Elektromobilität“ ein. Prof. Tillmetz betonte: „E-Fahrzeuge gewinnen weltweit schnell an Bedeutung. Für das Automobilland Deutschland ist es entscheidend, durch eine breite Kompetenz in der Schlüsseltechnologie Batterie die Wettbewerbsfähigkeit und die heimische Wertschöpfung zu sichern."

Ralf Schmid, Vice President R&D, Business Unit Hybrid Electric Vehicle der Continental AG, erläuterte in seiner Rede die Sicht eines Systemlieferanten auf die Elektromobilität. „Elektrifizierung nach Maß schließt mit 48 V Komponenten die Lücke zwischen einfachen 12 V Stopp-Start Systemen und Hochvolt-Hybridisierungen. Bei geringem Integrationsaufwand erschließt der ,48 Volt Eco Drive‘ bereits vieles an Funktionen und Verbrauchsvorteilen, die bisher dem Mild Hybrid mit seiner höheren elektrischen Spannung vorbehalten waren. Das Konzept stößt in der Branche auf breite Aufmerksamkeit, erste Kundenaufträge signalisieren einen Produktionsbeginn in 2016.“

Dr. Thomas Schlick, Partner Roland Berger Strategy Consultants, zeigte „Elektromobilität im internationalen Vergleich" auf. „Nach der überhitzten Erwartungshaltung zur Elektromobilität werden nun immer mehr Elektrofahrzeuge in Serie produziert", sagte Schlick. „Was die technologische Entwicklung der Elektromobilität betrifft, ist Deutschland im globalen Vergleich auf Augenhöhe mit den wichtigsten Industrienationen. Doch jetzt sollte der nächste Schritt folgen: Elektroautos sollten zu einem attraktiven Preis für den Endkunden auf dem Markt positioniert werden. Neben der allgemeinen Kundenakzeptanz für E-Fahrzeuge ist aber vor allem die Schaffung einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur wichtig. Und dies erfordert ein geschlossenes Konzept von Industrie und Politik."

Den Abschluss des Fachkongresses bildeten Impulsvorträge über „Produktbeispiele in der Marktvorbereitungsphase" von Dr.-Ing. Peter Gebhard, Audi AG; Markus Krieg, BMW AG; Dr. Christine Haller, Daimler AG; Christof Kellerwessel, Ford-Werke GmbH; Dr. Christian Kunstmann, Adam Opel AG; sowie von Thomas Lieber, Volkswagen AG, mit anschließender Podiumsdiskussion.

Dr.-Ing. Peter Gebhard, Audi AG: „Der A3 e-tron ist, wie jeder Audi, in jeglicher Hinsicht alltagstauglich: Ob Sie lokal emissionsfrei zum Einkaufen oder in die Arbeit fahren wollen, oder sich spontan entscheiden am Wochenende mit der Familie eine weite Überlandstecke zu fahren – das alles kann Ihnen der A3 e-tron völlig unkompliziert bieten. Und das bei einem CO2-Ausstoß von nur 35 g nach ECE-Norm.“

Markus Krieg, BMW AG: „Elektromobilität ist für die meisten Menschen etwas vollkommen neues und wirft daher viele Fragen auf. Um den Kunden für die Elektromobilität zu gewinnen, sind diese Fragen zu adressieren. Daher vereint BMW i unter dem Dach von 360°ELECTRIC eine Vielzahl innovativer Produkte und Services, die das elektrische Fahren zu einem komfortablen Erlebnis und absolut alltagstauglichen Vergnügen machen: vom einfachen Aufladen zu Hause über die komfortable Nutzung einer stetig wachsenden Ladesäuleninfrastruktur unterwegs bis hin zur vernetzten Navigation und der Möglichkeit, mit BMW Add-on Mobility konventionelle Fahrzeuge für Urlaubsfahrten zu nutzen. Außerdem unterstützt BMW i die Nutzung von Strom aus erneuerbaren Quellen und stellt in Zusammenarbeit mit ausgewählten Partnern unterschiedliche Grünstromprodukte zur Wahl.“

Dr. Christine Haller, Daimler AG: „Elektromobiliät ist mehr als nur Autofahren. Nur wer dem Kunden auch ein überzeugendes Servicepaket anbietet, wird langfrisitig am Markt erfolgreich sein. Deshalb haben wir diesen Faktor schon sehr früh in unserer Produktplanung verankert.”

Dr. Christian Kunstmann, Adam Opel AG: „Über den Erfolg der Elektromobilität entscheidet letztlich der Kunde.“

Thomas Lieber, Volkswagen AG: „Volkswagen lädt das Modellspektrum zur IAA mit dem ersten Elektrofahrzeug der Marke auf: dem neuen e-up! Als Doppelschlag in Sachen Elektromobilität wird dem viersitzigen City-Spezialisten zudem 2014 ein weiterer Zero-Emission Volkswagen folgen: Volkswagen elektrisiert das erfolgreichste europäische Auto aller Zeiten: den Golf. Der mehr als 30 Millionen Mal verkaufte Bestseller avanciert so zum e-Golf. Dank innovativer Detaillösungen gehen beide e-Fahrzeuge besonders sparsam mit der eingesetzten Energie um.“

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