Pressemeldungen

Wissmann: Unser Export hilft Europa

Berlin, 07. November 2013

„Deutschland ist in die Kritik geraten. Dabei geht es nicht – wie in vielen anderen Ländern – um den Vorwurf des Protektionismus. Vielmehr ist es die Exportstärke Deutschlands, an der Washington und Brüssel Anstoß nehmen. Deutschland verstärke mit seinem Handelsüberschuss die bereits bestehenden Ungleichgewichte in Europa, die Binnennachfrage in der Bundesrepublik sei zu schwach. Sind die Vorwürfe gerechtfertigt? Oder steckt dahinter nicht der schlichte Ansatz: Wenn es dem Nachbarn schlechter geht, geht es mir besser?

Zu den Fakten: Der Handelsbilanzüberschuss ist kein Ergebnis politischer Markteingriffe, sondern das Ergebnis einer Wettbewerbsfähigkeit, die allerdings Tag für Tag neu erarbeitet werden muss.

Hohe Innovationsdynamik und erstklassige Qualität, verknüpft mit langfristiger Internationalisierung – das sind die Kernbausteine, die den Erfolg der deutschen Industrie seit Jahren ausmachen. Wir sprechen dabei nicht nur von einigen wenigen großen Konzernen. Es sind vor allem auch die mittelständischen Unternehmen, die sich stets über die nationalen Grenzen hinaus in die Weltmärkte gewagt haben. In Deutschland sind doppelt so viele Unternehmen im Export aktiv wie etwa in Frankreich.

Die deutsche Automobilindustrie hat sich frühzeitig auf die Wachstumsmärkte ausgerichtet und ihre Aktivitäten nicht auf Europa beschränkt. So haben wir in China einen Neuwagen-Marktanteil von über 20 Prozent, in den USA kommt jeder achte neu verkaufte Pkw von deutschen Konzernmarken. In beiden Regionen produzieren wir die meisten dieser Fahrzeuge vor Ort. Einige unserer Wettbewerber in den Nachbarländern haben sich eher auf Europa konzentriert – und spüren besonders schmerzhaft die aktuelle Schwäche dieses Marktes.

Schadet nun die Exportstärke Deutschlands unseren Nachbarn? Das Gegenteil ist der Fall. Deutschland ist für Europa zur Konjunkturlokomotive geworden. Steigen die deutschen Exporte um zehn Prozent, so legen die Importe an Vorleistungen aus EU-Partnerländern um neun Prozent zu. Deutschlands Pro-Kopf-Importwert ist deutlich höher als in Frankreich. Seit 2007 hat sich der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands gegenüber der Eurozone mehr als halbiert.

Wer Deutschland eine ‚blutleere‘ Binnennachfrage vorhält, verkennt die Tatsachen. Vielmehr haben eine stabile Beschäftigung und ordentliche Tarifabschlüsse die Inlandsnachfrage steigen lassen. Auch deshalb sprudeln ja derzeit die Steuereinnahmen in Deutschland. Allerdings sehen wir durchaus mit Besorgnis, dass Wohlstand und Beschäftigung aufs Spiel gesetzt werden: Die Energiekosten steigen, auch die Lohnstückkosten gehen wieder nach oben, und manch einer will an der Steuerschraube drehen. Der Industriestandort Deutschland ist alles andere als unverwundbar.

Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht dadurch, dass ein Land für seine Exportaktivitäten ‚bestraft‘ wird, sondern indem in möglichst allen europäischen Ländern die Voraussetzungen für Wachstum und steigende Beschäftigung geschaffen werden. Dazu gehören vor allem strukturelle Reformen und Haushaltsdisziplin in jedem einzelnen Land. Das Rezept lautet: Die Schwachen stärken, nicht die Starken schwächen. Wenn von Deutschland wirtschaftliche Solidarität mit den europäischen Partnern erwartet wird, sollte die Leistungsfähigkeit unseres Landes nicht in Frage gestellt werden.“

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