Pressemeldungen

Automobillogistik: Flexibilisierung komplexer Netzwerke

Frankfurt/Berlin, 05. Februar 2014

Forum Automobillogistik von VDA und BVL / Bosch mit VDA Logistik Award ausgezeichnet

„Das Forum Automobillogistik ist ein wichtiger Treffpunkt für alle, die in verantwortlichen Positionen bei OEMs, Zulieferern und Logistikdienstleistern mit diesem Thema befasst sind“, sagte Prof. Raimund Klinkner, der Vorstandsvorsitzende der Bundesvereinigung Logistik (BVL), der heute den zweiten Tag des Forums Automobillogistik eröffnete. Das Forum wird gemeinsam vom Verband der Automobilindustrie (VDA) und der BVL veranstaltet.

Klinkner hielt seine Keynote zum Thema „Flean Production: Flexibel und Lean“. Er hob dabei die aktuellen Herausforderungen an die Logistik hervor: Komplexität, hohe Kundenerwartungen und steigender Kostendruck. „Flexibilität der Abläufe und schlanke Prozesse in Produktion und Logistik sind wichtige Hebel, um diese Herausforderungen erfolgreich zu bewältigen“, so Klinkner. Zum Abschluss seines Vortrags stellte er die gerade erschienenen Thesen und Handlungsempfehlungen der BVL vor, ein praxisorientierter Beitrag zur öffentlichen Diskussion und zu anstehenden politischen Entscheidungsprozessen in der 18. Legislaturperiode. „Im Mittelpunkt des BVL-Thesenpapiers stehen die Perspektiven für den Wirtschafts- und Logistikstandort Deutschland. Gestützt auf die praktischen Erfahrungen ihrer Mitglieder sowie die Analysen der mit ihr verbundenen Wissenschaftler zeigt die BVL in zehn Thesen auf, was getan werden muss, um Rahmenbedingungen zu erhalten und auszubauen, mit denen die Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsbereichs in vollem Umfang erschlossen werden kann“ fasste Klinkner den Kern des Papiers zusammen.

VDA-Präsident Matthias Wissmann zeigte sich vom Erfolg der gemeinsamen Veranstaltung beeindruckt. „Wir haben gemeinsam das wichtigste Forum für automobile Produktionslogistik in Europa geschaffen. Und wir sind entschlossen, diese fruchtbare Kooperation fortzusetzen.“ Bei seiner Rede am Vorabend sagte Wissmann: „Die Automobillogistik spielt in der Champions-League der Logistik. Durch eine perfekte Steuerung der Materialflüsse sorgen die Logistiker dafür, dass die Produktion rund um den Globus reibungslos laufen kann.“ Der VDA-Präsident betonte weiter: „Deutschland ist Exportland, und damit auch Logistikland. Die Logistik gehört zu den großen, wichtigen Wirtschaftszweigen unseres Landes. Die 2,8 Millionen Beschäftigten erwirtschaften jährlich 230 Milliarden Euro Umsatz - Tendenz steigend.“

Bosch erhält VDA Logistik Award für virtuelle Abbildung von Lieferketten

Bosch ist mit dem VDA Logistik Award ausgezeichnet worden. Das Technologie- und Dienstleistungsunternehmen erhält den Preis, den der VDA auf dem Forum Automobillogistik vergibt, für die vollständige Digitalisierung von physischen Warenströmen. Diese können nun in Echtzeit in intelligenten Softwaresystemen virtuell abgebildet werden. Die Auswertung der so gewonnen Daten hilft bei der Steuerung und weiteren Verbesserung der Abläufe. Einer der wesentlichen Erfolge des Projektes ist der erfolgreiche unternehmensübergreifende Datenaustausch. Standardisierte Daten können problemlos und in Echtzeit über Unternehmensgrenzen hinweg ausgetauscht und geteilt werden. Damit ist die ganzheitliche Optimierung von Produktions- und Liefernetzwerken möglich.

„Zulieferer und Kunden öffnen und verknüpfen ihre Prozesse für- und miteinander. Die Vision der Datendurchlässigkeit in der industriellen Lieferkette wird so Realität. Es entstehen effiziente, flexible und ressourcenschonende Produktions- und Logistiknetzwerke“, sagte Dr. Stefan Asenkerschbaumer, stellvertretender Vorsitzender der Bosch-Geschäftsführung, bei der Preisverleihung in Frankfurt am Main. In der Pilotanwendung im saarländischen Homburg konnte beispielsweise die Effizienz der Logistik um rund zehn Prozent gesteigert werden.

VDA-Präsident Matthias Wissmann betonte die Bedeutung der prämierten Innovation: „Intelligente Produktions- und Logistikprozesse stärken die Wettbewerbsfähigkeit des Industriestandortes Deutschlands. Die deutschen Zulieferer sorgen mit ihren Produkt- und Prozessinnovationen maßgeblich dafür, dass die deutsche Automobilindustrie immer mindestens einen Schritt voraus ist.“ Wissmann weiter: „Herausragende, innovative Logistikkonzepte können durch den Award zum Vorbild und zur Anregung für alle Unternehmen werden, die selbst nach kreativen und intelligenten Logistiklösungen suchen.“ Der nun bei Bosch erstmals durchgängig umgesetzte standardisierte Datenaustausch baut auf den Ergebnissen des RAN-Forschungsprojekts von Bosch (RFID-based Automotive Network) auf. In diesem Projekt wurden neue Steuerungskonzepte für Netzwerke der Automobilindustrie entwickelt.

Bosch-Geschäftsführer Dr. Asenkerschbaumer unterstrich: „Die Veränderungen der industriellen Fertigung, die insbesondere in Deutschland unter dem Stichwort Industrie 4.0 zusammengefasst werden, haben längst begonnen. Sie werden nun in ersten Anwendungen Realität und damit sichtbar.“ Auf dem Weg zur vernetzten Produktion baue Bosch auf einem bewährten Produktionssystem auf. Bislang lag der Fokus dabei auf der Optimierung von physischen Produktions- und Logistikprozessen, also dem, was in der realen Welt geschieht. Neue IT-Technologien ermöglichten es, diese Prozesse und Warenströme zu digitalisieren und zu virtualisieren. Dies geschehe durch die automatisierte Erhebung von Zustandsdaten von beispielsweise Produkten oder Transportbehältern während der Produktions- und Logistikprozesse. Technisches Hilfsmittel ist dabei beispielsweise die RFID-Technologie (radio-frequency identification).

Themen rund um die Logistik – Vor Ort bei Continental, Lufthansa und Opel

Neben den Hauptvorträgen können sich die Forumsteilnehmer in zehn verschiedenen Themensequenzen mit Einzelaspekten der Logistik in der Automobilindustrie auseinandersetzen. Mit knapp 50 Rednern und Referenten bietet die Veranstaltung ein hochkarätiges und fachlich umfassendes Programm. Die inhaltlichen Schwerpunkte lagen am ersten Tag vor allem auf den Themen der Steuerung und operative Beherrschung internationaler Netzwerke, Versorgungsrisiken und Transparenz, Grüne Logistik sowie Behälter- und Packmittelmanagement. Der zweite Tag bietet eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Industrie 4.0 und die Auswirkungen auf die Automobilindustrie“. Außerdem stehen Parallelsequenzen zur Verschiebung der Märkte und zu Entwicklungen auf dem Aftermarket auf dem Programm.

Zusätzlich zu den Vorträgen und Diskussionen können die Teilnehmer an verschiedenen Besichtigungen teilnehmen. Bei Opel in Rüsselsheim wird das vollautomatische Produktionskonzept des Karosseriewerks gezeigt sowie das Zentrum für Ersatzteildistribution, in dem über 35.000 Einzelartikel vorgehalten werden. Das Continental-Werk in Frankfurt-Rödelheim bietet den Teilnehmern Einblicke in die hochautomatisierten Produktions- und Montageprozesse für elektronische Bremssysteme. Außerdem öffnet mit dem Lufthansa Cargo Center (LCC) das größte Luftfrachtzentrum Europas seine Türen für die Kongressteilnehmer. Für alle Führungen gilt eine begrenzte Teilnehmerzahl.

 

Ansprechpartner:

Eckehart Rotter, Verband der Automobilindustrie (VDA), Abteilung Presse

Tel. 030 897842-120; E-Mail: rotter@vda.de; im Internet: www.vda.de

 

Ulrike Grünrock-Kern, Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V., Pressestelle

Tel.: 0421 173 84 21, Mail: gruenrock-kern@bvl.de; im Internet: www.bvl.de

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