Pressemeldungen

Bräunig: „Automobilzulieferer mit neuer Stärke vor härterem Wettbewerb“

München, 09. Mai 2014

Zulieferer steigern Umsatzanteil in Asien – Stabile Beschäftigung im Inland

„Die deutschen Automobilzulieferer haben seit der Krise neue Stärke gewonnen, sehen sich aber zugleich härterem Wettbewerb ausgesetzt. Nur wer weltweit unterwegs ist oder weltweit liefert, kann deshalb von den wachstumsstarken Märkten profitieren und auf Dauer erfolgreich sein. Auch kleine und mittelgroße Zulieferer treiben ihre Internationalisierung voran“, sagte Klaus Bräunig, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf einer Pressekonferenz der Commerzbank in München. Die weiterhin noch angespannte Marktlage in Europa verstärke zusätzlich den Druck zur Internationalisierung. Bräunig erläuterte weiter: „Den intensiven Wettbewerb in Europa sind die deutschen Zulieferer gewohnt. Nun kommen neue Wettbewerber auch aus Korea und China hinzu, die vor allem an den Auslandsstandorten der deutschen Hersteller mitspielen.“

Die deutschen Zulieferer sind außerhalb Deutschlands an insgesamt nahezu 2.000 Standorten aktiv. Besondere Dynamik entwickeln sie auf den asiatischen Wachstumsmärkten. „Seit dem Jahr 2001 hat sich der Umsatzanteil vieler deutscher Zulieferer mit Kunden in Asien deutlich erhöht. Er liegt heute bei knapp 10 Prozent, bei manchen großen Zulieferern sogar noch deutlich höher.“ Der VDA-Geschäftsführer betonte weiter: „Unsere Zulieferer wissen: Die künftigen automobilen Wachstumsmärkte liegen außerhalb Europas, derzeit vor allem in China und in den USA, mittel- und langfristig auch in Indien und Südamerika.“ Die dynamischste Entwicklung finde weiterhin in China statt – dem Land mit den höchsten Marktzuwachsraten und mit dem inzwischen größten Automobilmarkt. „Die deutschen Zulieferer beschäftigen in China heute mehr als 70.000 Mitarbeiter und setzen dort jährlich mehr als 10 Mrd. Euro um“, sagte Bräunig. „Aufgrund der großen Exportaktivitäten konnten die Zulieferer 2013 an ihren inländischen Standorten die Beschäftigung mit 291.000 Mitarbeitern auf hohem Niveau stabil halten. Gleichzeitig konnte der Umsatz der deutschen Automobilzulieferindustrie gesteigert werden: Mit gut 70 Mrd. Euro wurde 2013 das Rekordniveau des Jahres 2011 übertroffen“, betonte Bräunig.

„Der Erfolg der deutschen Automobilindustrie basiert vor allem auch auf der ungebrochenen Innovationskraft unserer Zulieferer. Sie erbringen 75 Prozent der Wertschöpfung eines Automobils. Bei Entwicklungen von Fahrerassistenzsystemen, der Optimierung konventioneller und der Weiterentwicklung alternativer Antriebstechnologien ist das Know-how der Zulieferer unverzichtbar“, unterstrich der VDA-Geschäftsführer.

„In dieser Situation sind gerade auch die Zulieferer mehr denn je auf offene Märkte angewiesen. Dabei ist der Kampf gegen zunehmenden Protektionismus ein zentrales Anliegen“, sagte Bräunig. Weltweit sei eine anhaltende Tendenz zu protektionistischen Maßnahmen zu verzeichnen. Die EU-Kommission habe seit 2008 weltweit rund 400 neue protektionistische Maßnahmen registriert. In vielen Ländern der Welt herrsche leider die Vorstellung vor, die eigene Volkswirtschaft durch Abschottung schützen oder gar fördern zu können. Das bekomme eine so exportorientierte Branche wie die deutsche Automobilindustrie zu spüren. Bräunig: „Daher sollte sich die EU-Kommission in der neuen Legislaturperiode mit aller Kraft gegen Protektionismus und für offene Märkte einsetzen.“ Die Familienunternehmen der Zulieferer könnten von einem künftigen Freihandelsabkommen zwischen den USA und Europa (TTIP) besonders profitieren. Bräunig betonte: „Fallen die bestehenden Handelsschranken, öffnet sich der transatlantische Markt auch kleinen und mittelständischen Firmen der Zulieferindustrie. Sie können in den USA dann mit weniger Bürokratie wesentlich leichter ihre Produkte anbieten. Wir setzen uns dafür ein, dass diese Chance genutzt wird.“

Die starke Position der deutschen Industrie sei keine Selbstverständlichkeit. „Sie muss jeden Tag neu erarbeitet werden. Wir brauchen eine kluge Standortpolitik, die Impulse für die Innovations- und Investitionskraft der Unternehmen gibt und Industrie und Mittelstand nicht schwächt“, sagte der VDA-Geschäftsführer. Dazu zählten wettbewerbsfähige Lohnstückkosten und bewährte Instrumente der Flexibilität für den Arbeitsmarkt. Bräunig: „Ein weiterer entscheidender Standortfaktor ist der Strompreis: Die Energiekosten sind in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Die OECD und die Internationale Energiebehörde haben einen Anstieg des hiesigen Strompreises seit dem Jahr 2000 von 80 Prozent errechnet. Unser Strompreis ist durch die staatlichen Belastungen mehr als doppelt so hoch wie der in den USA. Auch in der EU insgesamt sind die Energiekosten im Schnitt knapp um die Hälfte niedriger als in Deutschland.“ Dabei sei vor allem die EEG-Umlage besonders belastend. Die Unternehmen der Automobilindustrie seien von ihr überwiegend nicht befreit und zahlten den vollen Satz. Dieser stieg in den letzten fünf Jahren auf 6,24 Cent/kWh und erreiche damit fast die Stromerzeugungskosten. „Wir begrüßen, dass die EEG-Novelle die weitere Steigerung der Umlage abbremsen soll. Ob dies im erforderlichen Umfang gelingt, ist fraglich. Und wir brauchen mehr Markt in der Energiepolitik“, mahnte Bräunig.

Bräunig forderte die Banken zur Unterstützung des Mittelstands besonders bei der langfristigen Unternehmensfinanzierung ihrer Auslandsexpansion auf. Der Auf- und Ausbau von Produktionsstandorten im Ausland erfordere gerade von mittelständischen Zulieferern hohe Investitionen, die meist nicht vollständig aus Eigenkapital finanziert werden könnten und längere Laufzeiten als zum Beispiel fünf Jahre benötigten. Verschärfte Anforderungen an die Banken bei der Kreditvergabe gäben Anlass zur Sorge. „Das darf nicht dazu führen, dass Banken künftig ihr Angebot an langfristigen Krediten für mittelständische Unternehmen einschränken oder verteuern. Der VDA steht deshalb im Dialog mit Banken, um mit ihnen Finanzierungsmodelle für die Auslandsexpansion zu entwickeln, die insbesondere auf die Bedürfnisse der mittelständischen Familienbetriebe zugeschnitten sind“, sagte Bräunig.

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