Pressemeldungen

Deutsche Zulieferer sehen Potenzial des russischen Marktes

Berlin, 28. August 2014

Gemeinschaftsstand auf der Interauto in Moskau – Schwache Binnenkonjunktur


Statement von Dr. Kay Lindemann, Geschäftsführer des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf der Interauto in Moskau am 28. August 2014

Zum siebten Mal präsentieren sich deutsche Zulieferer mit einem Gemeinschaftsstand auf der russischen Messe für Zulieferer, der Interauto in Moskau. Die Präsenz der Unternehmen findet in diesem Jahr unter schwierigen Bedingungen statt – sowohl außenpolitisch als auch konjunkturell. Der russische Light-Vehicle-Markt, der sich nach der Krise 2008/2009 überraschend schnell wieder erholt hatte und 2012 um fast 11 Prozent auf 2,94 Mio. Einheiten gestiegen war, musste schon 2013 einen Rückgang um 5,5 Prozent auf 2,78 Mio. Neufahrzeuge hinnehmen. Bereits im vergangenen Jahr war die Binnenkonjunktur in Russland schwach, der Rubel wurde abgewertet, was die Importe deutlich verteuerte. Im laufenden Jahr hat sich diese Entwicklung noch verstärkt: In den ersten sieben Monaten ging der Neuwagenmarkt in Russland um knapp 10 Prozent auf 1,41 Mio. Einheiten zurück, allein im Juli betrug das Minus 23 Prozent.

Auf dem Moskauer Automobil Salon (MIAS) sowie der Zulieferermesse Interauto zeigen deutsche Hersteller und Zulieferer ihre neuen Produkte. Erneut hat der VDA den Deutschen Gemeinschaftsstand initiiert, der vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) in Kooperation mit dem Ausstellungs- und Messeausschuss der deutschen Wirtschaft (AUMA) gefördert wird. Partner bei der Durchführung ist die Münchner Messegesellschaft IMAG. Neun mittelständische Zulieferer und der „Supplier Cluster Russia“ präsentieren sich mit einem breiten Fächer an Automobiltechnologie. Zudem gibt es ein VDA-Informationsangebot über die deutsche Automobilindustrie. Viele Zulieferer aus Deutschland produzieren in Russland, einige sind auch mit eigenen Ständen auf der Messe vertreten.

Noch in den Jahren 2011 und 2012 konnten die deutschen Konzernmarken ihren Pkw-Absatz in Russland stark steigern: um 56 Prozent auf 478.500 Einheiten in 2011 und um 28 Prozent auf 613.200 Neuwagen in 2012. Der Marktanteil überschritt die 20 Prozent-Marke. Doch von dem Rückgang des Marktes in 2013 konnten sich auch die deutschen Konzernmarken nicht abkoppeln: Während der gesamte Light-Vehicle-Markt um 5,5 Prozent zurückging, war beim Absatz der deutschen Hersteller ein Minus von 4,5 Prozent auf 585.800 Pkw zu verzeichnen.

Im bisherigen Jahresverlauf (Januar bis Juli) ging der Absatz von Pkw deutscher Konzernmarken um fast 14 Prozent auf 286.200 Neuwagen zurück. Der Marktanteil der deutschen Konzernmarken liegt weiter über der 20-Prozent-Marke.

Ein ähnliches Bild zeigt der Export nach Russland: 2011 konnte die Ausfuhr noch um gut 61 Prozent auf 150.200 Einheiten gesteigert werden. 2012 gab es ein leichtes Plus von über 4 Prozent auf 156.800 Neuwagen. 2013 musste jedoch ein Rückgang beim Export um rund 16 Prozent auf 132.400 Fahrzeuge hingenommen werden. Im ersten Halbjahr 2014 wurden 63.500 Neuwagen nach Russland exportiert, ein Rückgang um gut 3 Prozent.

Die deutschen Hersteller verfolgen auch in Russland ihre „Zwei-Säulen-Strategie“: Der Export wird ergänzt durch Fertigung vor Ort. Nach einem Hochlauf in den Jahren 2011 und 2012 gab es 2013 nur noch ein geringes Wachstum von 2 Prozent auf 183.600 Fahrzeuge. Im ersten Halbjahr 2014 erhöhte sich die Vor-Ort-Produktion zwar um rund 15 Prozent auf 102.600 Einheiten, doch dürfte sich – angesichts des insgesamt schwachen Marktes – auch hier das Wachstum verringern.

Die deutschen Zulieferer sind seit Jahren auf dem russischen Markt aktiv. Der Exportwert nach Russland von Teilen, Zubehör und Motorenteilen stieg 2013 leicht auf 2,68 Mrd. Euro (2012: 2,66 Mrd. Euro) – trotz des bereits rückläufigen Light-Vehicle-Marktes. Der Exportwert ging allerdings im bisherigen Jahresverlauf (Januar – Mai 2014) um 18 Prozent auf 943 Mio. Euro zurück. Die deutschen Zulieferer beliefern sowohl internationale als auch russische Hersteller.

So unterschiedlich die Ausgangspositionen auch sind – seit nunmehr acht Jahren steigen die Exporte der russischen Automobilindustrie nach Deutschland, allerdings von niedrigem Niveau ausgehend. 2013 erhöhte sich der Wert der Exporte um knapp 27 Prozent auf 65,4 Mio. Euro. In den ersten fünf Monaten des laufenden Jahres ist ein Plus von gut 41 Prozent auf 32,1 Mio. Euro zu verzeichnen.

Bemerkenswert ist, dass dabei Teile und Zubehör sowie Motorenteile – also die Produkte der Zulieferer – einen Anteil von mehr als 80 Prozent an den gesamten automobilen Exporten nach Deutschland aufweisen: 2013 betrug der Exportwert von Zulieferern aus Russland 54,4 Mio. Euro (83 Prozent), im laufenden Jahr sind es in den ersten fünf Monaten 28 Mio. Euro (87 Prozent).

Der russische Markt bietet langfristig Potenzial. Der VDA steht zum Primat der Politik und hofft, dass die aktuellen politischen Konflikte bald gelöst werden können. Der Beitritt Russlands zur WTO im Jahr 2012 – nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen – war vom VDA begrüßt worden. Allerdings sind stabile Rahmenbedingungen und ein „Level-Playing-Field“ erforderlich, um das Potenzial des russischen Automobilmarktes und Produktionsstandortes zu heben.

Auf dem russischen Automobilmarkt ist unter anderem die Steigerung der Produkt- und Prozessqualität von Zulieferern von entscheidender Bedeutung. Der VDA hat daher vor sechs Jahren in Moskau ein Qualitäts-Management-Center (VDA QMC) gegründet, das Anfang 2009 mit der Arbeit begann. Da die deutschen Hersteller und Zulieferer auch auf dem russischen Markt Lieferanten benötigen, die die weltweit hohen Qualitätsansprüche der deutschen Marken erfüllen, werden im VDA QMC Russland in Moskau oder über Inhouse Trainings bei Herstellern oder Lieferanten direkt Mitarbeiter entsprechend den gemeinsam zwischen Herstellern und Zulieferern im VDA QMC in Deutschland erarbeiteten Standards und Richtlinien geschult. Im ersten Halbjahr 2014 wurden 400 Teilnehmer von russisch-sprachigen Qualitätsmanagement-Trainern entsprechend geschult.

Zu den Inhalten gehören Qualitätsmanagementsysteme, Qualitätsmanagement-Auditorenwissen der internationalen Standards des VDA und der ISO/TS 16 949 sowie das Wissen um praktische Qualitätssicherungswerkzeuge. Dazu erstellt das VDA QMC auch entsprechende Publikationen in russischer Sprache. Zu den VDA-QMC-Kunden zählen mehr als 60 Unternehmen, darunter russische Niederlassungen deutscher Zulieferer wie Benteler, Bosch, Brose, Continental, Knorr-Bremse sowie russische Firmen und natürlich deutsche Hersteller, etwa Volkswagen und Daimler.

Weitere Informationen zum Gemeinschaftsstand und Kontaktadressen zu den Ausstellern sind im Internet erhältlich: http://www.interauto.german-pavilion.com.

Folgende Zulieferer sind auf dem Deutschen Gemeinschaftsstand vertreten:

- Brose Fahrzeugteile GmbH & Co. KG, Coburg

- Dörken MKS Systeme GmbH & Co. KG

- Edscha Holding GmbH

- Formel D GmbH

- Hosch Industrieklebstoffe

- Kiekert AG

- Lübke & Vogt GmbH & Co. KG

- peiker acustic GmbH & Co. KG

- Scherdel GmbH/ OOO Scherdel Kaluga

- Supplier Cluster Russia / HS Consult

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