Pressemeldungen

IAA Nutzfahrzeuge mit über 300 Weltpremieren

Berlin, 02. September 2014

2.064 Aussteller aus 45 Ländern auf der wichtigsten Leitmesse für Mobilität

Statement von Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), anlässlich der Vor-Pressekonferenz zur 65. IAA Nutzfahrzeuge am Dienstag, 02.09.2014, in Berlin

2.064 Aussteller aus 45 Ländern auf der wichtigsten Leitmesse für Mobilität IAA Nutzfahrzeuge mit über 300 Weltpremieren

Die 65. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover beginnt für Sie, die Journalisten, in genau drei Wochen – am 23. September mit dem „Tag der Pressekonferenzen im Convention Center“. Die offizielle Eröffnung mit Bundesverkehrsminister Dobrindt findet am 25. September statt. Uns hat die IAA natürlich längst auf „Messe-Betriebstemperatur“ gebracht.

Wir wollen Sie heute über den aktuellen Stand der Vorbereitungen zu dieser weltweit größten und wichtigsten Leitmesse für Mobilität, Transport und Logistik informieren, deren Motto „Zukunft bewegen“ lautet. Darüber hinaus stellen wir Ihnen die aktuellen Pkw-Neuzulassungszahlen sowie die Export- und Produktionsentwicklung der deutschen Hersteller vor.

Zur 65. IAA Nutzfahrzeuge: Wir gehen mit sehr guten Kennzahlen in Hannover an den Start. Das betrifft die Ausstellungsfläche, die Zahl der Aussteller und die Internationalität, die die IAA besonders auszeichnet. Die Voraussetzungen sind damit gegeben, um die Position der IAA als größter und weltweit bedeutendster Leitmesse für Mobilität rund um das Nutzfahrzeug weiter auszubauen. Technologisch wird dies durch die vielen Weltpremieren unterstrichen, die auf der IAA zu sehen sein werden. Die Gesamtzahl steht erst direkt zum Messestart fest. Das Geheimnis wird erst am 23. September gelüftet und dann um 13.00 Uhr online gestellt. Derzeit erhalten wir täglich Rückmeldungen von den Ausstellern, einige große Hersteller und Zulieferer stehen noch aus. Doch so viel kann ich heute schon verraten: Es zeichnet sich für diese IAA ein vergleichbar starkes Innovationsklima ab wie vor zwei Jahren. Bis heute haben uns die Aussteller bereits mehr als 300 Weltpremieren gemeldet.

Ein weiteres Erfolgskriterium ist die Zahl der Aussteller. Unser selbstgestecktes Ziel war, wieder ganz nahe an das sehr hohe Niveau von 2012 – mit 1.904 Ausstellern – heranzukommen. Wir haben dieses Ziel bereits heute übertroffen. Die Zahl der Aussteller liegt mit 2.064 um 8 Prozent über dem Endstand von 2012. Und wir rechnen noch mit einem weiteren kleinen Zuwachs – wenn sich erfahrungsgemäß vor Beginn der IAA noch weitere Aussteller kurzfristig anmelden.

Wir sind damit in Schlagdistanz zum absoluten Rekordniveau des Jahres 2008. Allerdings fand die IAA damals vor dem Hintergrund eines sechsjährigen Booms der Nutzfahrzeugbranche statt. Diese komfortable Ausgangsposition haben wir heute nicht: Zwar hat der deutsche Nutzfahrzeugmarkt im bisherigen Jahresverlauf zugelegt, doch ist das vor allem auf die Folgewirkungen der Euro-VI-Einführung zurückzuführen. Westeuropa bewegt sich seitwärts. Dagegen ist der US-Markt gut unterwegs. Auch bei unseren Herstellern von Anhängern und Aufbauten sind die Zahlen momentan solide. Unterm Strich also eine ordentliche Voraussetzung für eine erfolgreiche IAA, aber kein Grund zu sorglosem Jubel.

Umso erfreulicher ist es, dass die 65. IAA Nutzfahrzeuge damit die zweitstärkste Beteiligung aufweist, seit es eine eigenständige IAA Nutzfahrzeuge gibt, also seit 22 Jahren.

Internationalität: Diese IAA wird ihrem Anspruch in vollem Umfang gerecht, die weltweit wichtigste Leitmesse für Mobilität, Transport und Logistik zu sein. Sie wird noch internationaler: 1.214 internationale Aussteller haben sich angemeldet, das entspricht einem Anteil von 59 Prozent an allen Ausstellern und stellt einen neuen Höchstwert dar. Wir haben 167 ausländische Aussteller mehr als 2012. Der Anteil lag vor zwei Jahren bei 55 Prozent. Die ausländischen Aussteller kommen aus 44 Ländern und belegen zusammen 38 Prozent der Gesamtfläche.

Die Top-Ten-Liste der ausländischen Länderbeteiligungen wird – wie erstmals vor zwei Jahren – von China angeführt. Die Zahl der chinesischen Aussteller steigt gegenüber 2012 um 32 Prozent auf 200. Damit hat China den Abstand zum Zweitplatzierten (Italien, 137 Aussteller) deutlich vergrößert. Aber auch aus Italien kommen mehr Aussteller als 2012. Die Türkei findet sich auf Platz 3 (113 Aussteller), gefolgt von den Niederlanden, Frankreich, Schweden, Polen, Großbritannien, den USA und Belgien. Die Zahl der polnischen Aussteller ist um gut die Hälfte auf 60 gestiegen, die der US-Aussteller sogar um über 60 Prozent auf 55. Wieder dabei sind die Länder Argentinien, Estland, Malaysia und Tunesien.

Von den Unternehmen, die erstmals auf der IAA Nutzfahrzeuge vertreten sind, will ich nur zwei hervorheben: Dongfeng aus China und Hyundai aus Südkorea. Wir haben auch einige Firmen aus Deutschland, die sich – nach einer Pause – wieder für die IAA-Teilnahme entschieden haben. Auch darüber freuen wir uns sehr, unterstreicht diese Tatsache doch die steigende Attraktivität der Messe.

Was wären Nutzfahrzeughersteller ohne ihre Lieferanten? Erneut stellen die Zulieferer die größte Ausstellergruppe. Es werden wieder über 1.000 Aussteller aus diesem wichtigen Bereich auf der IAA vertreten sein (2012: 1.012). Das unterstreicht unser „IAA-Brand“ eindrücklich: Nur bei uns bekommt der Besucher die gesamte Wertschöpfungskette präsentiert. Als IAA-Veranstalter freuen wir uns besonders, dass in nahezu allen Segmenten die Ausstellerzahlen nach oben zeigen: Bei Herstellern von schweren Lkw, bei Transportern, Bussen, Anhängern und Aufbauten, sogar im Werkstattgeschäft, bei Dienstleistungen und der Elektromobilität – überall sind Zuwächse zu beobachten.

Auch mit der belegten Fläche sind wir sehr zufrieden: Mit knapp 265.000 Quadratmetern markiert diese IAA auch in ihrer Ausdehnung auf dem größten Messegelände Deutschlands das zweitbeste Ergebnis, seit es eine eigene IAA Nutzfahrzeuge gibt.

Welche Neuheiten und Weltpremieren die Unternehmen im Einzelnen zeigen werden, können wir heute noch nicht verraten. Sie stehen im Mittelpunkt der Pressetage am 23. und 24. September. Mit 84 Pressekonferenzen, davon 24 am 23. September und weiteren 60 am Folgetag, engagieren sich alle Ausstellergruppen wieder ganz außerordentlich, um Ihnen spannende Informationen und News für Ihre Berichterstattung zu bieten. Auf Zulieferer entfallen allein 36 Pressekonferenzen.

Zukunftsthemen stehen auf der Leitmesse im Vordergrund.

Wir haben dafür drei Begriffe gewählt: Effizienz, Vernetzung und Flexibilität. Effizienz: Mit den modernen Euro-VI-Fahrzeugen hat sich das Nutzfahrzeug endgültig aus der Schadstoffecke verabschiedet: Gegenüber dem bisherigen Euro-V-Standard heißt das: 80 Prozent weniger Stickoxid-Emissionen (NOx) und rund zwei Drittel weniger Feinstaubpartikel. Der Euro-VI-Lkw ist in der Tat – vergleichsweise – ein „Saubermann“.

Bemerkenswert ist, dass es unseren Herstellern und Zulieferern gelungen ist, dennoch den Kraftstoffverbrauch und damit die CO2-Emissionen bei den neuen Fahrzeugen konstant zu halten oder sogar leicht zu senken. Das war ein technologischer Kraftakt mit einem hohen Investitionsaufwand – und keineswegs ein Spaziergang! Und es spricht für sich, wenn ein moderner 40-Tonner mit einer Nutzlast von rund 28 Tonnen heute als „Ein-Liter-Auto“ bezeichnet werden kann – bezogen auf den Spritverbrauch pro Tonne Nutzlast und 100 Kilometer.

An dieser Stelle sagen wir auch an die Adresse der Europäischen Kommission: Eine noch weitere Reduktion der klassischen Schadstoffe ist ökonomisch und ökologisch nicht zielführend. Eine neue Schadstoffklasse würde letztlich zu einem Riesenaufwand führen, um eine marginale Verbesserung zu erreichen. Stattdessen sollten wir unsere Kräfte bündeln, um Transport und Logistik noch effizienter und damit nachhaltiger zu machen, und um die CO2-Emissionen weiter zu senken. Die echten Effizienzpotenziale liegen dabei jenseits von Motor und Antriebsstrang.

Stichworte hierfür sind Aerodynamik und Leichtbau: Wir müssen wirklich alle Stellschrauben nutzen, um den Straßengüterverkehr noch effizienter und ressourcenschonender zu machen. Deshalb ist auch die Politik gefordert. Dazu zählt der Lang-Lkw, der derzeit erfolgreich im Feldversuch eingesetzt wird. Und dazu zählen mehr Investitionen in den Erhalt und Ausbau der Straßenverkehrsinfrastruktur, damit die CO2-Einsparungen, die wir motor- und fahrzeugseitig mit hohem Aufwand erreicht haben, im Stau nicht wieder nutzlos verpuffen.

Die Investitionen, die für die Straße vorgesehen sind, reichen bei weitem nicht aus, trotz der 5 Milliarden Euro, die in dieser Legislaturperiode zusätzlich ausgegeben werden. Angesichts steigender Steuereinnahmen in den kommenden Jahren sollte bei einer intelligenten Priorisierung der Ausgaben mehr Geld für die Straße eingesetzt werden, ohne vom Bürger mehr Steuern oder Abgaben zu verlangen.

Vernetzung: Ein ganz wesentlicher Schwerpunkt dieser IAA wird die Vernetzung sein. Das Nutzfahrzeug der Zukunft wird „always online“ sein, mit anderen Fahrzeugen, mit dem Transportunternehmen und es wird auch mit dem Kunden ständig in Kontakt sein. Das voll automatisierte Fahren – Beispiele hierfür wurden ja von unseren Herstellern in den vergangenen Monaten gezeigt – wird zwar erst auf mittlere Sicht auf breiter Front umgesetzt werden, doch bereits heute ist die Entwicklung deutlich erkennbar: Die bestehenden Assistenzsysteme (Adaptive Geschwindigkeitsregelung, Abstandswarner, Bremsassistent, Spurhalteassistent) können konsequent erweitert und ausgebaut werden. Der nächste Schritt wird das teil-automatisierte Fahren sein, das den Fahrer bei Routineaufgaben entlastet, ihn vor Gefahren warnt und so die Unfallzahlen weiter nach unten treibt.

Die Vernetzung bietet auch in der Logistik enorme Chancen. Die Lieferkette und Transportprozesse werden noch transparenter, damit steigt die Effizienz des Nutzfahrzeugs weiter. Spediteure und Fuhrunternehmen können damit noch stärker ihr eigentliches Transportgeschäft optimieren. Moderne Nutzfahrzeuge unterstützen sie dabei in jeder Hinsicht.

Zum Thema Flexibilität: Nur das Nutzfahrzeug kann von Tür zu Tür liefern, das macht seine große Stärke aus. Wer sich als Autofahrer am Lkw stört, sollte vor Augen haben, dass das Nutzfahrzeug seine Güter transportiert, die er täglich benötigt: Pro Jahr und Haushalt liefern Nutzfahrzeuge 492 Liter Mineralwasser, Limonaden und Säfte aus, sie versorgen jeden Haushalt mit 110 Liter Milch. Nutzfahrzeuge entsorgen pro Jahr gut 44 Mio. Tonnen Haushaltsabfälle, sie helfen 2 Mio. mal bei Wohnungsumzügen und – in der heutigen „Zalando-Welt“ besonders wichtig – sie wickeln 2,7 Milliarden Kurier-, Express- und Paketdienstleistungen ab. Dem Verteilerverkehr vorgelagert ist in der Logistikkette natürlich das schwere Nutzfahrzeug, das die Güter im Fernverkehr transportiert.

Sonderschauen und -aktionen: Darüber hinaus zeichnen zahlreiche Sonderschauen und -aktionen die IAA Nutzfahrzeuge aus. Ich nenne beispielhaft 55 Fahrzeuge, die für Probefahrten im öffentlichen Straßenverkehr bereit stehen werden – doppelt so viele wie vor zwei Jahren. Es handelt sich dabei um 26 schwere und 29 leichte Nutzfahrzeuge. Hinzu kommen 23 elektrisch betriebene Fahrzeuge – ein Zuwachs um 150 Prozent gegenüber 2012 –, die für Probefahrten auf dem Messegelände zur Verfügung stehen, zehn von ihnen sind schwere Nutzfahrzeuge und Busse.

Auf der Innovationsbühne – auf dem Freigelände nördlich von Halle 26 – werden Nutzfahrzeuge „in action“ zu erleben sein. Dabei geht es im Rahmen von moderierten dynamischen Fahrvorführungen um Sicherheit im Straßenverkehr, Transporteffizienz, umwelt- und klimafreundliche Antriebssysteme einschließlich Elektroantriebe sowie Vernetzung und den Einsatz von intelligenten Assistenzsystemen.

In Halle 22 werden zahlreiche historische Lkw, Omnibusse, Baumaschinen und Anhänger präsentiert. In derselben Halle sind auch spektakuläre US-Trucks ausgestellt.

Die IAA ist zudem eine große Recruiting-Messe. Mit WorkING, GoING und erstmals „job and career“ bieten wir geeignete Plattformen für Schüler und Studenten zum Kennenlernen der spannenden Berufschancen in der Nutzfahrzeugindustrie und im Transportgewerbe, direkter Kontakt zu einem möglichen Arbeitgeber inklusive.

Etwa 30 Fachveranstaltungen runden unser IAA-Programm ab und unterstreichen, dass die IAA auch ein großer Kongress ist, auf dem alle relevanten Zukunftsthemen um das Nutzfahrzeug kompetent diskutiert werden. Dazu gehören natürlich auch die „IAA-Klassiker“ Gefahrguttag oder das Symposium zur Ladungssicherung. Mit dem „China-Day“, dem „Indien-Tag“ und dem „Türkei-Tag“ haben wir zudem drei Länderschwerpunkte auf dieser IAA.

Damit komme ich zum Pkw-Markt und den aktuellen Zahlen der ersten acht Monate. Im August 2014 wurden 213.100 Pkw in Deutschland neu zugelassen. Das entspricht dem Vorjahresniveau. Seit Jahresbeginn stiegen die Neuzulassungen auf dem deutschen Markt um insgesamt 3 Prozent auf nun knapp über 2 Mio. Einheiten. Allerdings stand im August 2014 ein Arbeitstag weniger als im Vorjahr zur Verfügung. Der Auftragseingang aus dem Inland lag im August – trotz des fehlenden Arbeitstages – mit einem Rückgang um 1 Prozent nur leicht unter dem Vorjahreswert. Seit Jahresbeginn stieg der Bestelleingang von deutschen Kunden um gut 4 Prozent. Der deutsche Markt befindet sich weiterhin auf dem erwarteten Kurs. Unser Jahresziel von 3 Mio. Einheiten werden wir damit erreichen.

Die ausländischen Kunden orderten im August nahezu 5 Prozent mehr Pkw von deutschen Marken, im bisherigen Jahresverlauf stieg der ausländische Auftragseingang um 6 Prozent. Export und Produktion liegen im Zwei-Monats-Vergleich (Juli/August) bei jeweils etwa minus 6 Prozent. Dieser Rückgang hat vor allem mit den veränderten Werksferien der Hersteller zu tun. Mit Blick auf den Auftragseingang gehen wir von einem weiterhin stabilen Autojahr 2014 aus.

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