Pressemeldungen

Wissmann: Das Nutzfahrzeug bewegt die Zukunft

Hannover/Berlin, 25. September 2014

65. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover – Weltweit größte Mobilitätsmesse eröffnet

„Die 322 Weltpremieren dieser IAA Nutzfahrzeuge zeigen: Der Pioniergeist der Nutzfahrzeugbranche ist ungebrochen. 2.066 Aussteller aus 45 Ländern präsentieren auf der weltweit wichtigsten Leitmesse für Mobilität, Transport und Logistik die Innovationskraft dieser Industrie. Sie wollen ‚Zukunft bewegen‘. Kein anderes Verkehrsmittel hat in den vergangenen Jahren solche Quantensprünge vollbracht wie das Nutzfahrzeug – es ist ein wahres Technologiepaket auf Rädern“, betonte Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), auf der Eröffnungsfeier der 65. IAA Nutzfahrzeuge in Hannover vor rund 700 hochrangigen Gästen aus Politik und Wirtschaft. Eröffnet wurde die 65. IAA Nutzfahrzeuge von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt. Er unterstrich: „Die IAA Nutzfahrzeuge ist die weltweit bedeutendste Messe dieser Art. Fahrzeughersteller und Zulieferindustrie zeigen eindrucksvoll, welche Innovationen und Trends die Nutzfahrzeugbranche bietet. Besonders interessant sind die technischen Entwicklungen in den Bereichen Vernetzung, Effizienz und Fahrzeugsicherheit. Hier liegen Wachstumspotenziale, die wir für den Standort Deutschland nutzen müssen.“ Auf der Eröffnungsfeier sprach zudem Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil  ein Grußwort, ebenso Stefan Schostok, Oberbürgermeister von Hannover.

VDA-Präsident Wissmann betonte: „Ob in großen oder kleinen Betrieben, ob in Städten oder ländlichen Regionen, von der Nordsee bis zum Alpenrand, klar ist: Das Nutzfahrzeug sichert Wohlstand und Arbeitsplätze. Tagtäglich geben in Deutschland rund 190.000 direkt Beschäftigte in der Nutzfahrzeugproduktion ihr Bestes. Das ist jeder vierte Arbeitnehmer in der Automobilindustrie. Hinzu kommen die Beschäftigten, deren Arbeitsplatz mittelbar vom Nutzfahrzeug abhängt – in Betrieb, Wartung und Nutzung. Darunter natürlich der engste Freund des Fahrzeugs, der Fahrer!“

Die Zahl der Aussteller ist erneut um 9 Prozent gestiegen und liegt nur knapp unter dem Rekordniveau des Jahres 2008. Dies ist die zweitstärkste Beteiligung, seit es eine eigenständige IAA Nutzfahrzeuge gibt, also seit 22 Jahren. Auch mit der erneut größeren Ausstellungsfläche (knapp 265.000 Quadratmeter) wird nahezu ein Höchststand erreicht. Der Anteil der internationalen Aussteller (1.216) ist mit 59 Prozent so hoch wie nie zuvor. „Die IAA hat damit ihre Position als weltweite Leitmesse für Mobilität, Transport und Logistik weiter gestärkt und ausgebaut“, betonte Wissmann.

Mit dem „China-Day“, dem „Indien-Tag“ und dem „Türkei-Tag“ habe diese IAA drei Länderschwerpunkte. „Rund 30 Fachveranstaltungen und Kongresse machen das Messegelände zu einem eindrucksvollen Konferenzsaal. Gemeinsam wollen wir die neuesten technologischen, wirtschaftlichen und konjunkturellen Entwicklungen analysieren“, sagte der VDA-Präsident.

An Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt gewandt, betonte Wissmann: „Wir sind froh, dass der Knoten beim Thema Euro VI nun durchschlagen ist. Ab dem kommenden Jahr werden sich Investitionen in die umweltfreundlichste Technologie endlich auch bei der Lkw-Maut lohnen. Zugleich aber dürfen wir den Karren nicht überladen, den das Gewerbe zu ziehen hat. Die Transport- und Logistikkosten müssen zwingend in einem wettbewerbsfähigen Rahmen gehalten werden. Daran sollte bei der Weiterentwicklung der Lkw-Maut gedacht werden.“

Der Güterverkehr werde auch künftig weiter zunehmen – national wie international. Um das wachsende Aufkommen bewältigen zu können, würden alle Verkehrsträger benötigt, so Wissmann: „Lkw, Bahn und Schiff müssen ihre jeweiligen Stärken einbringen. Sie müssen optimal miteinander vernetzt werden, um den Transport kontinuierlich effizienter zu machen.“

Insbesondere auf kurzen und mittellangen Strecken sei das Nutzfahrzeug „unschlagbar“: 78 Prozent des Aufkommens im Straßengüterverkehr werden in Entfernungen unter 150 Kilometern transportiert. „Pro Jahr wickeln Nutzfahrzeuge etwa 2,7 Mrd. Kurier-, Express- und Paketdienstleistungen ab. Ob Bücher oder Schuhe, ob als Geschenk oder für den eigenen Bedarf: Dem rasant wachsenden Versandhandel kann kein anderes Verkehrsmittel besser gerecht werden als das Nutzfahrzeug. Verlässlich und im Hintergrund verrichtet es seinen Dienst für die Gesellschaft. Das Nutzfahrzeug ist wahrlich ein leiser Held, Starallüren sind ihm fremd“, sagte Wissmann.

Auch im öffentlichen Personenverkehr sei der Verkehrsträger Straße nicht wegzudenken, betonte der VDA-Präsident: „Jährlich bringen Busse über 5 Milliarden Fahrgäste ans Ziel – das sind 43 Prozent des Gesamtaufkommens von Bussen und Bahnen.“ Eine „außerordentliche Erfolgsstory“ schreibe der Fernbus: In den ersten acht Monaten dieses Jahres wurden bereits über 10 Millionen Fahrgäste gezählt, bis zum Jahresende seien über 15 Millionen Fahrgäste möglich. Zugleich sei der Bus ein wahrer CO2-Champion: Voll besetzt verbrauche er weniger als einen Liter Kraftstoff pro 100 Kilometer und Fahrgast.

Dieser Fortschritt sei vor allem das Ergebnis massiver Investitionen in Forschung und Entwicklung (F&E) umweltfreundlicher Technologien. Nahezu ein Drittel der deutschen F&E-Ausgaben gehe auf das Konto der Automobilindustrie, so Wissmann.

Ein moderner Euro-VI-Lkw stoße heute bis zu 98 Prozent weniger Schadstoffe aus als ein LKW vor 25 Jahren. Gegenüber dem bisherigen Euro-V-Standard werden die Stickoxid-Emissionen um 80 Prozent gesenkt, bei Feinstaubpartikel sind es rund zwei Drittel weniger.

„Den historischen Auftrag, die Schadstoffe fast auf Nullniveau zu senken, haben die Nutzfahrzeughersteller also erfolgreich abgearbeitet. Daher sagen wir an die Adresse der Europäischen Kommission: Eine noch weitere Reduktion der klassischen Schadstoffe ist weder ökonomisch noch ökologisch zielführend. Eine neue Schadstoffklasse bringt letztlich einen Riesenaufwand, aber nur marginale Besserungen. Unser Hauptaugenmerk richten wir jetzt darauf, den Kraftstoffverbrauch und die CO2-Emissionen weiter zu reduzieren. Auch auf diesem Gebiet können wir schon große Fortschritte verzeichnen. Ein 40-Tonnen-Lastzug von heute verbraucht pro Tonnenkilometer rund 60 Prozent weniger Kraftstoff als ein Lkw Mitte der sechziger Jahre. Das zu erreichen, war ein technologischer Kraftakt mit einem hohen Investitionsaufwand – und keineswegs ein Spaziergang“, betonte Wissmann.

Auch die EU-Kommission habe erkannt, dass starre CO2-Grenzwerte im Nutzfahrzeugmarkt nicht sinnvoll umzusetzen seien: „Sie hat die große Vielfalt des Nutzfahrzeugmarktes berücksichtigt und setzt auf mehr Transparenz im Markt“, sagte Wissmann. Vor allem von alternativen Antriebsarten verspreche er sich weitere CO2-Einsparungen. So sei etwa Erdgas für Busse, leichte Nutzfahrzeuge und Trucks geeignet. Bei leichten Nutzfahrzeugen würden Hybrid- oder reine Elektroantriebe immer interessanter – gerade für den Verteilerverkehr. Für schwere Lkw im Langstreckenverkehr werde hingegen der effiziente und saubere Dieselmotor vorerst die überzeugende Antwort bleiben.

Echte Effizienzpotenziale lägen künftig jenseits von Motor und Antriebsstrang. So sei der Luftwiderstand im Fernverkehr für bis zu ein Drittel des Kraftstoffverbrauchs und damit auch der CO2-Emissionen verantwortlich: „Die Aerodynamik bietet also weiteres Reduktionspotenzial, das die Unternehmen schrittweise heben. Dafür müssen die politischen Rahmenbedingungen stimmen, die derzeit in Brüssel diskutiert werden“, betonte Wissmann. Einen wichtigen Beitrag könne der Lang-Lkw leisten. Wissmann sagte: „Der laufende Feldversuch zeigt: Lang-Lkw können problemlos am Straßenverkehr teilnehmen, ohne die Verkehrssicherheit zu gefährden. Die beteiligten Unternehmen berichten durchweg von positiven Erfahrungen im alltäglichen Einsatz. Der Lang-Lkw macht der Schiene keine zusätzliche Konkurrenz, sondern lässt sich ideal in den kombinierten Verkehr einfügen.“

Mindestens so wichtig wie die Umweltfreundlichkeit sei die Sicherheit im Straßengüter-verkehr, betonte der VDA-Präsident und nannte als Beispiele die adaptive Geschwindigkeitsregelung, den Abstandswarner, den Bremsassistenten oder den Spurhalteassistent: „Dank immer besserer Sicherheitssysteme sind heutige Lkw, bezogen auf ihre Fahrleistung, genauso sicher wie Pkw.“

„Unsere Unternehmen wollen die bestehenden Assistenzsysteme konsequent erweitern und ausbauen. Der nächste Schritt wird das teil-automatisierte Fahren sein. Der Fahrer wird bei Routineaufgaben entlastet, er wird vor Gefahren gewarnt. Das bedeutet weniger Stress für den Fahrer, auch die Unfallzahlen werden damit weiter nach unten getrieben. Auch in der Logistik bietet die Vernetzung enorme Chancen. Die Lieferkette und Transportprozesse werden noch transparenter“, sagte Wissmann. Insbesondere beim Stichwort „Vernetzung“ könne der Besucher auf der IAA weit vorausblicken – passend zum IAA-Motto „Zukunft bewegen.“

Auch Bundesverkehrsminister Dobrindt ging auf die Vernetzung ein: „Die Digitalisierung wird das Autofahren revolutionieren. Beim automatisierten Fahren sind die deutschen Hersteller mit führend und gestalten die Zukunft des Fahrens ganz maßgeblich mit. Intelligente Verkehrstechnologien können den Fahrer entlasten und Fahrfehler auffangen. Sie können z. B. den Abstand zu vorausfahrenden Fahrzeugen regulieren oder dafür sorgen, dass das Fahrzeug die Spur hält. Das Bundesverkehrsministerium hat zum Automatisierten Fahren bereits einen Runden Tisch mit allen Beteiligten eingerichtet - mit dem Ziel, rechtliche, wissenschaftliche und gesellschaftliche Fragen zu diskutieren und zu klären. Wir erwarten bis Ende des Jahres erste Ergebnisse. Wir wollen den Prozess der Digitalisierung aktiv gestalten – im Sinne der Verkehrssicherheit, der Verbraucher und des Wirtschafts- und Innovationstandorts Deutschland.“

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