Pressemeldungen

Deutsche Hersteller steigern US-Absatz auf knapp 1,4 Mio. Light Vehicles

Detroit, 12. Januar 2015

Starker Hochlauf bei Elektrofahrzeugen – Produktion vor Ort zweistellig erhöht

Statement von Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), anlässlich der VDA-Pressekonferenz am Montag, 12.01.2015, in Detroit (USA), 07.00 Uhr (Ortszeit)

 

Meine Damen und Herren,

ich begrüße Sie sehr herzlich zu unserer VDA-Pressekonferenz hier auf der Detroit Motor Show.

Zum Start in das neue Autojahr bieten die Vereinigten Staaten „good news“: Während wir – weltweit betrachtet – in vielen anderen Regionen politische Risiken sehen, erweisen sich die USA als ein Zentrum automobilen Wachstums und gesamtwirtschaftlicher Zuversicht. Auch die deutsche Automobilindustrie hat davon 2014 profitiert. Die Zukunftsaussichten für das laufende Jahr und darüber hinaus lassen zudem noch größere Chancen gerade für unsere Industrie erkennen.

Wachstumsmarkt USA

Lassen Sie mich das erläutern: Der US-Markt für Light Vehicles (Pkw und Light Trucks) ist 2014 um rund 6 Prozent auf gut 16,4 Mio. Einheiten gewachsen. Er hat sich noch dynamischer entwickelt als erwartet und wieder Vorkrisenniveau erreicht (2007: 16,1 Mio. Light Vehicles; 2006: 16,5 Mio.). Gegenüber dem Jahr 2009 hat er um 6 Mio. Light Vehicles zugelegt (+58 Prozent).

Besonders stark war das Light-Truck-Segment, das 2014 zweistellig (+10 Prozent) auf gut 8,7 Mio. Einheiten zulegte. Das Pkw-Segment entwickelte sich hingegen deutlich langsamer (+1 Prozent) auf 7,7 Mio. Einheiten. Der Light-Truck-Anteil am gesamten Light-Vehicles-Markt lag bei 53 Prozent.

Die gesamtwirtschaftlichen Perspektiven sind weiterhin gut: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA stieg 2014 um etwa 2,3 Prozent und wird 2015 aller Voraussicht nach um 3,0 Prozent zulegen. Die Arbeitslosenquote beträgt 5,6 Prozent. Seit der Krise – mit damals 10 Prozent – ist sie kontinuierlich gesunken.

Niedriger Benzinpreis als „Turbo“ für die US-Wirtschaft

Hinzu kommt ein „Turbo“ für die gesamte US-Wirtschaft: Einerseits sind die Vereinigten Staaten in den letzten Jahren zu einem der führenden Ölförderländer geworden. Zum anderen sind die Energiekosten so niedrig wie lange nicht mehr. Seit Ende 2011 steigt die Ölförderung in den USA steil an. Sie hat sich in einem Zeitraum von nur drei Jahren (Januar – Oktober 2014 vs. Januar – Oktober 2011) um 54 Prozent erhöht.

Der Benzinpreis (Dollar/Gallone) ist innerhalb eines Jahres von 3,28 US-Dollar im Dezember 2013 um 22 Prozent auf 2,54 US-Dollar (Dezember 2014) gesunken. Damit kann die Gleichung aufgemacht werden: Mehr Beschäftigung plus niedrigere Spritkosten gleich höhere Kaufkraft, insbesondere für den Light-Vehicle-Markt.

All dies führt zu weiter positiven Perspektiven für das gerade begonnene neue Jahr: Wir erwarten 2015 in den USA ein Wachstum von rund 2 Prozent auf 16,7 Mio. Neufahrzeuge.

Wachstum vor allem bei Light Trucks

Die deutschen Hersteller haben ihren Light-Vehicle-Absatz auf dem US-Markt im Jahr 2014 auf knapp 1,4 Mio. Einheiten gesteigert (+2 Prozent).

  • Das ist neues Rekordniveau.
  • Und das entspricht einer Absatzsteigerung um mehr als die Hälfte (+54 Prozent) gegenüber dem Jahr 2010.

Das Wachstum erfolgte vor allem im Light-Truck-Bereich: Hier legten die deutschen Hersteller gegenüber dem Vorjahr um knapp 8 Prozent auf 405.200 Einheiten zu. Sie haben damit ihren Light-Truck-Absatz seit dem Jahr 2010 (212.000) nahezu verdoppelt.

Der Pkw-Absatz der deutschen Hersteller erreichte mit rund 953.500 Einheiten gut das Vorjahresniveau. Unser Marktanteil bei Pkw beträgt 12,4 Prozent: Jeder achte Pkw, der in den USA verkauft wird, trägt ein deutsches Markenzeichen.

Diese starke Präsenz der Deutschen im amerikanischen Raum tragen mehrere Pfeiler:

  • 46 Prozent der Light Vehicles, die die deutschen Hersteller in den USA 2014 verkauften, wurde in Deutschland gefertigt.
  • Gut ein Fünftel (21 Prozent) kam aus Werken in den Vereinigten Staaten.
  • Aus Mexiko stammten 15 Prozent.
  • 36 Prozent unseres US-Absatzes wurde also im Nafta-Raum produziert.

USA auf Platz 1 beim Exportwert

Die deutsche Automobilindustrie hat 2014 ihren weltweiten Export um 2 Prozent auf 4,3 Mio. Pkw gesteigert. Für unsere Unternehmen sind die USA Exportland Nummer 2 (nach Großbritannien): Mit 620.000 Neuwagen geht jedes siebte Auto, das aus Deutschland exportiert wird, in die Vereinigten Staaten. Wertmäßig betrachtet steht für die deutschen Hersteller der Export in die USA sogar auf Platz 1: Der Exportwert stieg 2014 leicht auf über 20 Mrd. Euro – auch das ist ein neues Höchstniveau. Hinzu kommt der Exportwert von deutschen Zulieferern, der 2014 um 11 Prozent auf 6,5 Mrd. Euro zunahm.

US-Produktion für den Weltmarkt und höhere Beschäftigung

Die USA werden für die deutschen Hersteller auch als Produktionsstandort immer wichtiger: 2014 konnten sie ihre Fertigung an US-Standorten um 15 Prozent auf 715.000 Einheiten steigern. Gegenüber 2010 (285.000 Einheiten) haben sie damit ihre Produktion in den Vereinigten Staaten um 150 Prozent erhöht. 40 Prozent der US-Produktion wurde in den USA selbst abgesetzt. Ein Viertel (25 Prozent) ging nach Asien, ein weiteres knappes Viertel (24 Prozent) nach Europa.

Die deutschen Hersteller beschäftigen derzeit in ihren US-Werken 32.600 Mitarbeiter, das sind 1.800 Beschäftigte mehr als vor einem Jahr. Jeder sechste Arbeitsplatz bei Automobilherstellern in den USA gehört damit zu einem deutschen Hersteller.

Noch stärker ist der Beschäftigungsbeitrag der deutschen Zulieferer: Es kommen 72.000 Arbeitsplätze in den USA bei deutschen Zulieferern hinzu, ein Plus von rund 2.000 Mitarbeitern.

Absatz von Elektrofahrzeugen stark gestiegen

Der US-Markt bleibt weiterhin vom klassischen Ottomotor geprägt. Aber zu Beginn von 2015 ist eines unverkennbar: Das starke Wachstum der Elektromobilität. Insbesondere die deutschen Hersteller verzeichneten 2014 in den USA einen enormen Hochlauf bei Elektrofahrzeugen: Sie konnten ihren Absatz innerhalb eines Jahres verzehnfachen und haben gut 11.300 Neuwagen mit Elektroantrieb (Plug-in-Hybrid - PHEV, rein batterie-elektrisch – BEV) verkauft. Unser Angebot hat sich allein im vergangenen Jahr auf acht Modelle vervierfacht.

Der Gesamtmarkt für Elektrofahrzeuge in den USA stieg 2014 um 23 Prozent auf knapp 119.100 Einheiten. Damit trägt jedes zehnte Elektroauto, das 2014 in den USA neu verkauft wurde, ein deutsches Markenzeichen.

Marktführer bei Clean Diesel

Der effiziente Clean Diesel muss in den USA damit leben, dass der Dieselkraftstoff deutlich teurer ist als der für Gasoline. Die Preisdifferenz hat sich in den letzten Monaten noch vergrößert, im Dezember lag der Diesel-Preis mit 3,41 US-Dollar pro Gallone um ein Drittel höher als der Benzinpreis. Dennoch ist der Marktanteil dieselgetriebener Neuwagen bis Oktober 2014 auf 3,1 Prozent gestiegen (Januar bis Oktober 2013: 2,8 Prozent). Der Absatz von Light Vehicles mit Dieselantrieb hat sich in diesem Zeitraum um knapp 17 Prozent auf über 420.000 Einheiten erhöht.

Die deutschen Hersteller sind in den USA führend bei Diesel-Pkw, ihr Marktanteil liegt in diesem Segment bei 94 Prozent. Das hat grundsätzliche Bedeutung für die Senkung der CO2-Emissionen und des Verbrauchs.

Innovationstreiber Vernetztes und Automatisiertes Fahren

Eines der ganz großen Innovationsthemen dieser Industrie ist das Vernetzte und Automatisierte Fahren. Die deutsche und die amerikanische Automobilindustrie sehen sich zu Recht hier an der Spitze der Entwicklung. Hier in Detroit werden insbesondere die deutschen Unternehmen weitere Neuheiten dazu zeigen. Das Auto erlebt eine digitale Evolution, manche sprechen sogar von einer Revolution. Die IT wird mit rasantem Tempo in neue Autos integriert. Experten gehen davon aus, dass bereits 2016 mindestens 80 Prozent aller verkauften Neuwagen vernetzt sein werden, heute sind es 20 Prozent. Die deutsche Automobilindustrie erhebt den berechtigten Anspruch, auch bei diesem branchenübergreifenden Thema im „driver seat“ zu sein.

Freihandelsabkommen TTIP als große Chance nutzen

Die deutsche Automobilindustrie ist weltweit präsent. Sie produzierte 2014 rund 14,8 Mio. Autos, davon über 60 Prozent außerhalb Deutschlands. Auch vor diesem Hintergrund ist es wichtig, auf die politischen Hausaufgaben aufmerksam zu machen, die in Deutschland und Europa anstehen. Bereits im unternehmensinternen Wettbewerb um Investitions- und Standortentscheidungen spielen die Rahmenbedingungen zu Hause eine wachsende Rolle. Deutschland und Europa sollten daher alle Potenziale nutzen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Dies gilt auch für jede einzelne EU-Verordnung und jedes neue Gesetzgebungsverfahren.

Europa muss vor allem seine weltweiten handelspolitischen Ambitionen für freie Märkte mehr in den Vordergrund stellen. Auf die USA bezogen gibt es ein Schlüsselthema: das Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und der EU.

Warum macht sich die deutsche Automobilindustrie so stark für das Freihandelsabkommen? Weil diese Schlüsselindustrie ganz besonders auf offene Märkte angewiesen ist.

Drei von vier Autos, die in Deutschland gefertigt werden, gehen in den Export. Und die aktuellen Zahlen zeigen, dass der Export aus den USA ebenso an Bedeutung gewinnt. Handel und Auslandsinvestitionen sind zwei Seiten einer Medaille: Es geht um internationale Arbeitsteilung und wirtschaftlichen Austausch zum Nutzen aller Seiten.

Für die deutsche Automobilindustrie sind die USA von strategischer Bedeutung – als Markt und als Produktionsstandort. Allein die Zölle in den USA und der EU addieren sich für die deutsche Automobilindustrie pro Jahr auf rund 1 Mrd. Euro. Hinzu kommen nichttarifäre Handelshemmnisse, deren Kosten, auch für den Verbraucher, noch deutlich höher sind. Wenn durch TTIP beide Hindernisse wegfallen, wird der Weg frei für einen enormen Wachstumsschub.

Aus meiner Sicht ist ein Punkt besonders entscheidend: Europa und die USA können heute weltweit mit TTIP noch die Standards setzen. Keiner weiß, ob das in zehn Jahren so noch der Fall sein wird. Für mich hat deshalb TTIP eine geopolitische Bedeutung. Wir sollten daher alles tun, um diese große Chance zu nutzen – sie bietet enorme Vorteile für die Vereinigten Staaten wie für die Europäische Union.

Detroit 2015 bildet für die deutsche Automobilindustrie den zuversichtlichen Auftakt ins neue Autojahr. Ich bin überzeugt, dass der nordamerikanische Markt auch 2015 weiter wachsen wird. Und mit Sicherheit wird die deutsche Automobilindustrie ihre Präsenz im „Autoland USA“ weiter verstärken.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
Nach oben springen