Pressemeldungen

VDA: Emissionsregulierungen müssen ökologisch, wirtschaftlich und sozial ausgewogen sein

Berlin, 09. November 2016

IG Metall legt Papier zur Dekarbonisierung des Verkehrs vor

Die deutsche Wirtschaft steht inmitten einer Mobilitätswende. Die digitale Transformation und der kontrollierte Umstieg auf erneuerbare Energien verändern die Wertschöpfungsketten grundlegend und ordnen sie neu. Die Automobilindustrie geht den Weg »weg vom Öl« konsequent voran, jährlich investieren deutsche Hersteller und Zulieferer 30 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Die Zukunft liegt in immer weiter optimierten Verbrennungsmotoren sowie alternativen Antrieben und Kraftstoffen. Die deutsche Automobilindustrie zählt weltweit zu den Leitanbietern bei der Elektromobilität.

Aktuell sind in Deutschland allerdings nicht einmal ein Prozent aller verkauften Neuwagen elektrisch angetrieben. Das zeigt: in den kommenden Jahren wird es ein Nebeneinander an konventionellen und alternativen Antrieben geben. Es ergibt wirtschaftlich, ökologisch und sozial keinen Sinn, eine Antriebsart gegen die andere auszuspielen.

Die automobile Wertschöpfung sowie die Technologieführerschaft in Deutschland sind eng geknüpft an Verbrennungsmotoren und langfristige Investitionsentscheidungen in diesem Bereich. Ein vorzeitiges, politisch motiviertes Ende des Verbrenners entzieht der Automobilindustrie die finanzielle Grundlage zur Investition in neue Technologien und könnte auch Auswirkungen auf die Beschäftigung haben. So zeigt eine aktuelle Studie des Instituts für Politikevaluation, dass unverhältnismäßige Klimaschutzziele die Automobilunternehmen vor enorme Herausforderungen stellen und dass bis zum Jahr 2030 bis zu 130.000 Arbeitsplätze gefährdet sein könnten, wenn Europa die Regulierungsschraube überdreht.

Auch die IG Metall weist in ihrem heute veröffentlichen Positionspapier „Neue Abgasnormen als Chance nutzen“ darauf hin, dass der Strukturwandel der Automobilbranche hin zu alternativen Antrieben nur dann gelingen kann, wenn neben dem umweltpolitischen Zielen auch die industrie- und beschäftigungspolitischen Ziele im Blick bleiben. In einem „5-Punkte-Vorschlag“ stellt die Gewerkschaft ihre Lösungsansätze zu Fragen der CO2- und Stickoxidbelastung sowie zur besseren Marktdurchdringung umweltfreundlicher Antriebe vor. Das Papier zeigt, welche Relevanz Emissionsregulierungen für den Innovationsstandort Deutschland und die Millionen Arbeitsplätze bei Herstellern und Zulieferern haben und liefert damit einen wichtigen und differenzierten Diskussionsbeitrag für die Debatte um die Dekarbonisierung des Verkehrs. So fordert die IG Metall ambitionierte Ziele und deutlich mehr Tempo bei der Einführung alternativer Antriebe und unterstreicht die Bedeutung des Verbrennungsmotors, einschließlich des Diesels.

Der Verkehrssektor in Deutschland und Europa leistet bereits heute einen erheblichen Beitrag zur CO2-Reduzierung. Dieser wird in den kommenden Jahren noch steigen. Mit dem 95-Gramm-Ziel, das die EU für Pkw-Neuzulassungen im Jahr 2020/2021 vorschreibt, verfolgt sie die weltweit anspruchsvollste Klimaschutzstrategie. Die Dekarbonisierung des Verkehrs ist eine Herkulesaufgabe, bei der alle anpacken müssen. Die Industrie ebenso wie die Politik, die die richtigen Leitplanken setzen muss. Nur durch die Kombination vielfältiger Bausteine wie saubere und effiziente Fahrzeuge, die Dekarbonisierung durch Biokraftstoffe oder regenerative Kraftstoffe, Infrastrukturmaßnahmen, Nutzung des Effizienzpotenzials der Digitalisierung und weiterer Maßnahmen werden die CO2-Emissionen des Verkehrs spürbar sinken. Eine wirksame politische Strategie muss all das in den Blick nehmen.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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