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Lang-Lkw

Feldversuch Lang-Lkw

Fakten und Argumente

  • Zwei Lang-Lkw ersetzen drei Fahrten mit herkömmlichen Lkw
  • Lang-Lkw haben kein höheres Gewicht
  • Echte Öko-Laster: Kraftstoff- und CO2-Ersparnis von bis zu 25 Prozent bestätigt
  • Keine Verlagerungseffekte von der Schiene auf die Straße durch den Lang-Lkw
  • Straßen und Brücken werden geschont

Einleitung: Wachsender Güterverkehr sichert Wohlstand und Arbeitsplätze

Der Güterverkehr in Deutschland wird weiter stark wachsen: Die Bundesregierung erwartet eine Zunahme um rund 40 Prozent bis 2030 gegenüber dem Jahr 2010. Dieses Wachstum steht für die große Dynamik und den Erfolg unserer Volkswirtschaft. Ein reibungsloser Güterverkehr ist für eine moderne und global vernetzte Wirtschaft unverzichtbar. Mobilität und Transport sichern damit Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland.

Doch das Güterverkehrswachstum muss nachhaltig und klimaschonend ablaufen. Um das zu erreichen, müssen alle Verkehrsträger ihre Effizienz kontinuierlich verbessern. Infrastrukturengpässe müssen beseitigt, moderne Verkehrsmanagementsysteme eingesetzt und die Verkehrsträger noch stärker vernetzt werden. Auf der Straße kann darüber hinaus der Lang-Lkw einen wesentlichen Beitrag leisten. Da damit weniger Lkw das gleiche Volumen transportieren können, werden die Autobahnen entlastet und die Infrastruktur geschont. Auch der Kraftstoffverbrauch und damit die CO2-Emissionen sinken.

Feldversuch Lang-Lkw

Der Feldversuch mit Lang-Lkw soll detailliert aufzeigen, welche Auswirkungen auf Umwelt, Infrastruktur und Transportsysteme zu erwarten sind. Zum Einsatz kommen dabei Fahrzeuge mit einer Länge von bis 25,25 Metern und einem Gesamtgewicht von nicht mehr als 40 Tonnen, beziehungsweise 44 Tonnen im Kombinierten Verkehr. Der Feldversuch läuft seit Januar 2012 auf der Grundlage einer auf fünf Jahre befristeten Ausnahme-Verordnung der Bundesregierung. Der Feldversuch endet im Dezember 2016. Zwei Normenkontrollanträge zur Prüfung des rechtmäßigen Zustandekommens der Ausnahmeverordnung hat das Bundesverfassungsgericht im Frühjahr 2014 abgewiesen.

Aus Drei mach Zwei

Zwei Lang-Lkw ersetzen drei übliche Lastzüge.
Denn ein Lang-Lkw kann bis zu 50 Prozent mehr Ladevolumen befördern als ein herkömmlicher Lkw. Der Zwischenbericht der Bundesanstalt für Straßenwesen zeigt sogar, dass im Durchschnitt zwei Lang-Lkw-Fahrten etwas mehr als drei Fahrten konventioneller Lkw ersetzten.

Kein höheres Gesamtgewicht: Maximal 40 bis 44 Tonnen

Lang-Lkw haben kein höheres zulässiges Gesamtgewicht als herkömmliche Lkw. Im Straßengüterverkehr werden heute überwiegend leichte, aber voluminöse oder sperrige Güter transportiert. Bei rund 80 Prozent der Transporte ist nicht das Gewicht, sondern das Ladevolumen der begrenzende Faktor. Daher kommt der Lang-Lkw genauso wie der Standard-Lkw mit einem zulässigen Gesamtgewicht von 40 Tonnen aus. Im Kombinierten Verkehr – wenn also Lkw mit Schiff oder Bahn zusammenspielen – sind auch für herkömmliche Lkw bis zu 44 Tonnen erlaubt.

Weniger Fahrten, weniger Kraftstoffverbrauch, weniger CO₂

Mehr Transportvolumen im einzelnen Lkw bedeutet: Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen je Transporteinheit sinken. Der laufende Feldversuch zeigt, dass Lang-Lkw das gleiche Volumen mit bis zu 25 Prozent weniger Kraftstoff befördern können. Das zeigt: Lang-Lkw sind echte Öko-Laster.

Bahn und Lang-Lkw: keine Verlagerungseffekte

Lang-Lkw sind keine Bedrohung für die Schiene, im Gegenteil: Beide Verkehrsträger ergänzen sich. Öko-Laster lassen sich problemlos auf die Bahn verladen. Transportwaggons und Verladeeinrichtungen passen mit ihrer modularen Struktur ebenso gut für Lang-Lkw wie für Standard-Lkw. Befürchtungen, dass Transporte von der Bahn zum Lang-Lkw wandern, sind unbegründet: Im Feldversuch hat der Lang-Lkw bisher keine Verlagerungseffekte von der Schiene auf die Straße erzeugt.

Die Transportkapazitäten der Schiene werden in Zukunft dringender denn je gebraucht. Die Verkehrsprognose lässt für die Schiene ein noch stärkeres Wachstum des Güterverkehrs erwarten als für die Straßen (43 Prozent zu 39 Prozent). Damit kommt auch auf die Schiene erheblich mehr Nachfrage zu.

Lang-Lkw schonen Straßen und Brücken

Der Lang-Lkw belastet die Infrastruktur nicht stärker als herkömmliche Lkw. Denn sein Gesamtgewicht wird auf mehr Achsen verteilt. Während bei herkömmlichen Kombinationen das Gewicht von maximal fünf Achsen getragen wird, sind es bei einem Lang-Lkw in der Regel sieben bis acht Achsen. Das hat eine günstigere Achslastverteilung zur Folge. Die Bundesanstalt für Straßenwesen geht daher davon aus, dass der Einsatz von Lang-Lkw keinen erhöhten Erhaltungsaufwand für die Infrastruktur zur Folge haben wird.

Gutes Bremsverhalten

Der Bremsweg eines Lang-Lkw aus hoher Geschwindigkeit ist kürzer als der eines herkömmlichen Lkw. Da das zulässige Gesamtgewicht nicht steigt, muss auch nicht mehr Tonnage abgebremst werden. Im Gegenteil: Ein Lang-Lkw hat mehr Achsen, an denen Bremskraft mobilisiert wird. Eine Untersuchung im Auftrag der BASt hat für einen Lang-Lkw einen Bremsweg aus 80 km/h bis zum Stillstand von 36 Metern ermittelt. Bei einem Standard-Lkw ergab die Untersuchung 44 Meter. Für dieses Ergebnis war die größere Anzahl gebremster Achsen beim Lang-Lkw maßgeblich.

Lang-Lkw passen zur Infrastruktur

Häufig wird unterstellt, dass Lang-Lkw auf der bestehenden Infrastruktur nicht einsetzbar sind. Doch die Fahrzeuge sind so konstruiert, dass sie innerhalb der bestehenden Infrastruktur zurechtkommen. Das zeigt sich etwa in Autobahn-Baustellenbereichen, die Lang-Lkw problemlos befahren können. Auch beim Rangieren, Rückwärtsfahren oder beim Andocken an Verladerampen sind die langen Lkw ausgesprochen wendig. Sie sind damit kompatibel für Terminals, Häfen und Bahnhöfe, wo Güter von einem Verkehrsträger auf den anderen umgeladen werden.

Höchste Standards durch moderne Sicherheitssysteme

Lang-Lkw sollen nicht nur genauso sicher sein wie herkömmliche Kombinationen, sondern höhere Standards setzen: Die verlängerten Fahrzeugkombinationen werden obligatorisch mit vielen verfügbaren aktiven und passiven Sicherheitssystemen ausgestattet. Dazu gehören der Spurhalteassistent, der ein Abkommen von der Fahrbahn verhindert, der Abstandsregeltempomat, der Auffahrunfälle vermeidet, sowie ESP, ABS und Antriebsschlupfregelungen (ASR). Reflektierende Konturmarkierungen, Spritzwasserschutz und Systeme zur Ladungssicherung sind weitere verpflichtende Ausstattungen. Um auch das Rangieren noch sicherer zu machen, sind Rückfahrkameras für Lang-Lkw vorgeschrieben. Die praktischen Erfahrungen mit den Lang-Lkw im Feldversuch zeigen, dass sie ruhig und stabil auf der Straße liegen.

Sicher überholen

Lang-Lkw sind ganz überwiegend auf der Autobahn unterwegs. Dort kann man sie genauso problemlos überholen wie gewöhnliche Lkw. Dass ein Pkw-Fahrer einen Lang-Lkw auf einer nur zweispurigen Bundesstraße antrifft und überholen will, kommt in der Praxis extrem selten vor. Laut dem Zwischenbericht der BASt liefen die beobachteten Überholvorgänge auf zweispurigen Landstraßen unter Sicherheitsaspekten nicht kritischer ab als Überholvorgänge bei herkömmlichen Fahrzeugen.

Die Fahrer sind Profis

Lang-Lkw werden von Fahrern gesteuert, die ihr Können und ihre Professionalität bewiesen haben. Die Fahrer müssen mehrjährige Fahrpraxis und Punktefreiheit in Flensburg vorweisen. Darüber hinaus müssen sie sich in Hinsicht auf Fahrdynamik und Ladungssicherung schulen lassen. Bisherige Erfahrungen zeigen, dass die Fahrer den Lang-Lkw nach Schulung und Eingewöhnung genauso sicher und zuverlässig führen wie herkömmliche Lkw. Die Befragung der am Feldversuch beteiligten Fahrer hat ergeben, dass sie durch den Lang-Lkw keiner höheren Stressbelastung ausgesetzt sind als mit einem herkömmlichen Lkw.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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