Automobilindustrie und Märkte

Aftermarket

Wie die Automobilbranche insgesamt befindet sich der automobile Aftermarket in einem Umbruch. Das Geschäftsfeld des Aftermarkets umfasst die Wartung und Reparatur von Fahrzeugen ebenso wie den Verkauf von Ersatzteilen und Serviceleistungen. Die Herausforderungen sind dabei vielfältig:

So wird etwa die Fahrzeugflotte in Deutschland immer älter, das Durchschnittsalter ist zuletzt auf 9,3 Jahre angestiegen. Damit werden bekannte Aufgaben noch anspruchsvoller: Ersatzteile müssen über einen noch längeren Zeitraum zu vertretbaren Kosten bereitgestellt werden. Hinzu kommen völlig neue Herausforderungen, zum Beispiel durch den Übergang von alten zu neuen Technologien oder die fortschreitende Automatisierung. Dadurch verändern sich Reparaturkonzepte oder Anforderungen an die Ausbildung.

Logistik

Experten arbeiten deshalb kontinuierlich daran, die Prozesse zu verbessern. Der VDA hat zu logistischen Fragestellungen bereits mehrere VDA-Empfehlungen herausgegeben.

Aktuell erarbeitet eine Projektgruppe aus Mitgliedsunternehmen einen Standard für logistische Informationen in einem Data Matrix Code (DMC) als Bestandteil des Etiketts auf der Produktverpackung. Hintergrund ist die zunehmende Automatisierung in Lagern. Das steigert die Prozessgeschwindigkeit und reduziert Fehler. Um diese Automatisierung zu ermöglichen, müssen Informationen für Scanner lesbar sein. Wenn sich Lieferant und Kunde auf einen Satz von gemeinsamen Informationen in einem Data Matrix Code verständigen, werden Scanvorgänge besser unterstützt.

Die Integration eines Data Matrix Code in Etiketten auf der Produktverpackung kann zudem Markenpiraterie erschweren. Das geschieht durch die Serialisierung des DMC. Dabei wird eine durch Zufallsprinzip erstellte, absolut eindeutige Nummer pro Etikett vergeben. Die VDA-Empfehlung zu diesem Thema („Standardisierung von Logistikinformationen auf der Produktverpackung im Aftermarket“) ist für Ende 2018 geplant. Sie berücksichtigt die Ergebnisse der VDA-Empfehlung 9004 „Nomenklatur eines optisch neutralen Sicherungsmerkmals für Ersatzteile und dessen Verifizierung“.

Nichttarifäre Handelshemmnisse

Nichttarifäre Handelshemmnisse (NTB) verursachen den Fahrzeug- und Teileherstellern auch weiterhin große Probleme. Im Aftermarket-Geschäft sorgen vor allem unterschiedliche Regelungen über Zertifizierungen und Kennzeichnungen für unnötige Hürden. Die Regelungen sind zwar grundsätzlich sinnvoll, sie sollen zur Überprüfung, ob Qualitäts- und Sicherheitsstandards eingehalten werden, dienen. Daher wurden einheitliche UN-Regulierungsvorschriften geschaffen. Allerdings gibt es vor allem in den USA und in China weitere Vorschriftensammlungen. Immer mehr Länder führen eigene Standards und Vorschriften ein. Diese bieten dem Verbraucher meist keinen Zusatznutzen, sondern erhöhen vielmehr Kosten und Komplexität der Supply Chain im Aftermarket.

Der VDA arbeitet daran, Politik und Behörden für Belastungen, die durch nichttarifäre Handelshemmnisse im Aftermarket entstehen, zu sensibilisieren. Das Ziel muss es bleiben, globale Standards zu schaffen. Gleichzeitig unterstützt der Verband seine Mitglieder dabei, einen Überblick über die Vielzahl der für den Aftermarket relevanten Handelshemmnisse zu gewinnen sowie den daraus resultierenden Handlungsbedarf zu erkennen.

Betroffen ist auch das sogenannte Remanufacturing, also die Instandsetzung oder Aufbereitung von defekten Altteilen. Diese werden oft vorschnell als Abfall betrachtet, obwohl sie nach professioneller Wiederaufbereitung ihre ursprüngliche Aufgabe erneut erfüllen können. Mithilfe der 2013 erarbeiteten Definition für Remanufacturing setzt sich der VDA zusammen mit anderen Verbänden dafür ein, die Akzeptanz dafür zu erhöhen. Denn Remanufacturing verlängert den Produktlebenszyklus und leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Ressourcenschonung.

Karin Ghirodi
Karin Ghirodi Leiterin Fachbereich Aftermarket

Tel: +49 30 897842-410 Fax: +49 30 897842-0
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