Automobilindustrie und Märkte

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Warum eine Starthilfe für die Autoindustrie gerade jetzt sinnvoll ist

Corona-Krise: Starthilfe für die Automobilindustrie

Wirtschaftsexperten prognostizieren als Folge der Corona-Pandemie die größte Rezession der Nachkriegszeit. Um die Wirtschaft und damit auch den Sozialstaat wieder zu stabilisieren, brauchen wir ein gezieltes Konjunkturprogramm, dass viele Branchen umspannt: Es geht darum, Menschen aus der Kurzarbeit in die Beschäftigung zu bringen, die blockierten Märkte wieder in Gang zu setzen und so neues Vertrauen bei Unternehmen und Verbrauchern zu schaffen.

Zu den diskutierten Maßnahmen zählt auch eine gezielte Konjunkturförderung für den Automobilmarkt. Warum ist eine solche Unterstützung für die Automobilindustrie sinnvoll? Was hat die Gesellschaft oder der Einzelne davon? Dazu Antworten aus fünf Perspektiven:

Der Steuerzahler - warum eine Starthilfe für die Automobilindustrie allen nutzt

Eine Starthilfe für die Automobilindustrie als Schlüsselindustrie kann eine Initialzündung für die gesamte deutsche Wirtschaft sein. Warum?

  • 2,5 Millionen Beschäftigte und damit auch ihre Familien allein in Deutschland sind direkt und indirekt vom Automobil abhängig. Wenn wir es schaffen wollen, dass die Menschen aus der Kurzarbeit heraus wieder in Beschäftigung kommen, müssen wir auch den größten Industriezweig Deutschlands dabei unterstützen wieder in Arbeit zu kommen. Auch unser Sozialsystem würde durch eine langanhaltende Kurzarbeit oder gar Massenarbeitslosigkeit an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit kommen.
  • Aufgrund der komplexen Lieferketten profitieren nicht nur direkt die Hersteller und indirekt die Zuliefererindustrie, sondern auch alle vor- und nachgelagerten Branchen: Die Stahl-, Elektro-, Textil- und Chemieindustrie, aber auch der Pkw- und Nutzfahrzeughandel sowie Werkstätten und Service. 100 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr in anderen Wirtschaftsbereichen sind auf die Automobilindustrie zurückzuführen. 
  • Die deutsche Automobilindustrie ist nicht nur ein Jobmotor für Deutschland, auch 12 Prozent der Steuereinnahmen (93 Milliarden Euro) von Bund, Ländern und Kommunen hängen am Automobil.

Der Mittelstand - warum Kaufprämien gerade auch kleinen und mittleren Zulieferunternehmen helfen

Besonders die deutschen und europäischen Zulieferer und damit viele mittelständische Unternehmen profitieren von einer Kaufprämie. Denn nur wenn Nachfrage da ist, können Automobilhersteller ihre Produktion wieder voll hochfahren und die Lieferung von Teilen in Auftrag geben. Ohne Absatz keine Produktion, ohne Produktion kein Einkauf von Teilen und Komponenten – schon heute bekommen viele Zulieferer diesen Effekt schmerzvoll zu spüren. Viele müssen bereits über Arbeitsplatzabbau nachdenken bzw. haben ihn konkret angekündigt.

Es geht also nicht nur um die wichtige Sicherung der Beschäftigung in den Großkonzernen. Die deutsche Automobilindustrie besteht aus vielen mittelständischen Unternehmen. Neun von zehn Zulieferern erzielen einen Umsatz von weniger als 50 Millionen Euro und die Zuliefererunternehmen haben ihren Sitz überall in Deutschland. Sie stärken also auch die lokale Wirtschaft und sind starke gesellschaftliche Partner.

Die technologische Innovation - warum Unterstützung Innovationen sichert

Die deutsche Automobilindustrie ist nicht nur die umsatzstärkste und innovativste Branche in Deutschland, deutsche Hersteller und Zulieferer sind auch führend im internationalen Innovationswettbewerb. Die internen F&E-Aufwendungen lagen im Jahr 2018 bei 27,1 Milliarden Euro, etwa so viel wie Maschinenbau, Elektro und Chemieindustrie zusammen investierten. 

Auch im internationalen Vergleich zeichnet sich ein klares Bild ab: Deutsche Automobilhersteller- und Zulieferer sind in den Bereichen Elektromobilität, Batterietechnik und autonomes Fahren Patentweltmeister. Aus Deutschland kamen 2019 fast die Hälfte der weltweiten Patentanmeldungen zum Elektroantrieb (47,4 Prozent), darauf folgten Japan (17 Prozent), die USA (13,6 Prozent) und China (4,7 Prozent).1 

Die Transformation ist auch in den Autohäusern und auf den Straßen immer mehr sichtbar. Im April 2020 hatten deutsche Hersteller bei den Neuzulassungen einen Anteil von 66 Prozent auf dem deutschen E-Markt. 2 Bis 2023 verdreifachen sie ihr Angebot auf über 150 Elektro-Modelle und investieren bis 2024 weitere 50 Milliarden Euro in Elektromobilität. Das Segment wächst rasant. Aber in den nächsten Jahren bleibt es trotzdem noch zu gering, um allein ein wirksamer Hebel für Klimaschutz und Konjunktur zu sein.

Um diese Innovationsstärke auch in der Zukunft beibehalten, die notwendige Transformation finanziell weiter darstellen und weiterhin nachgefragte Produkte anbieten zu können, benötigt es nun einen kraftvollen Neustart und eine schnelle wirtschaftliche Erholung nach der Corona-Krise.

Davon würde auch Europa profitieren, denn deutsche Hersteller haben in insgesamt 18 Ländern Europas ihre Produktionsstandorte.

Der potenzielle Autokäufer - warum Kaufprämien und Abschreibungsmöglichkeiten schnell kommen sollten

Zögerliche und um ihre Zukunft besorgte Autokäufer und Autokäuferinnen könnten mit einer Kaufprämie wieder Vertrauen gewinnen, sich einen Neuwagen zulegen und damit gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Mehrere Studien haben gezeigt, dass die Bestandserneuerung der Fahrzeugflotte der effektivste und schnellste Hebel für Klimaschutz im Straßenverkehr ist.

Bis sich die Elektromobilität und weitere alternative Antriebe in der Breite durchsetzen, leistet der moderne Verbrenner schon jetzt einen wirksamen Beitrag: Mit einem deutlich reduzierten CO2-Ausstoß, geringeren Schadstoffemissionen (NOx) und sparsam im Verbrauch. Auch die mittelständische Wirtschaft profitiert von diesen Maßnahmen und kann ihre Fahrzeuge modernisieren - ein weitere Beitrag zum Klimaschutz.

 

Der Radfahrer und ÖPNV-Nutzer – die Automobilindustrie stütz die Vielfalt der Mobilität

Die Automobilindustrie ist das Zugpferd der deutschen Wirtschaft. Wenn sie wieder Fahrt aufnimmt, geht es auch in anderen Wirtschaftszweigen bergauf: es gibt wieder Arbeit und Beschäftigung, die Menschen sind nicht mehr in Kurzarbeit und können weiter und wieder einkaufen, in ihre Zukunft investieren oder in den Urlaub fahren.

Nur weil wir uns für eine Unterstützung der Automobilindustrie einsetzen, heißt das übrigens nicht, dass wir andere Formen der Mobilität nicht unterstützen. Die Zukunft der Mobilität ist intermodal, vernetzt, nachhaltig und damit auch optimal auf die Bedürfnisse aller Verkehrsteilnehmer*innen zugeschnitten.

Mobilität muss weiterhin für alle Menschen unserer Gesellschaft bezahlbar sein, denn sie ist Voraussetzung für Wachstum und Wohlstand. Deshalb müssen wir auch in Zukunft ganz klar zwischen den Mobilitätsbedürfnissen in der Stadt und auf dem Land unterscheiden- Schwarz/Weiß-Denken bringt uns nicht weiter. Die Lösung muss an die jeweiligen Anforderungen angepasst sein. Das Auto wird hier weiterhin eine zentrale Rolle spielen – im optimalen Zusammenspiel mit anderen Mobilitätsformen wie dem ÖPNV, der Bahn oder dem Fahrrad.

Wir alle – wir müssen schützen, was uns stark macht.

Soziale Marktwirtschaft, eine starke Industrie und Mittelstand, weltweit beliebte Produkte und Innovationen – all das was Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich gemacht hat, funktioniert nur mit einer soliden wirtschaftlichen Basis. Diese Basis zu bewahren und so schnell aus der größten wirtschaftlichen Krise seit mehr als 70 Jahren zu kommen. Darum geht es beim Konjunkturpaket. Und daher brauchen wir neben der notwendigen Unterstützung für andere Branchen auch eine Starthilfe für die Automobilindustrie.

Quellen:

1 Deutsches Patent- und Markenamt (2020) Innovationen bei E-Mobilität und beim autonomen Fahren rasant gestiegen: https://www.dpma.de/service/presse/pressemitteilungen/20200519.html

 

2 VDA basierend auf KBA-Zahlen (2020) Neuzulassungen von Elektro-Pkw legen im April trotz Corona-Krise zu: https://www.vda.de/de/presse/Pressemeldungen/200513-Neuzulassungen-von-Elektro-Pkw-legen-im-April-trotz-Corona-Krise-zu.html

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