Automobilindustrie und Märkte

Autobanken

Die Autobanken stellen einerseits mittels Finanzierung ein Bindeglied zwischen Hersteller und Endkunde dar, anderseits sind sie zur Refinanzierung mit dem Kapitalmarkt verbunden.

1)         COMPLIANCE in der Automobilindustrie

Die Automobilindustrie stellt mit ihren hochgradig regulativ unterworfenen Kraftfahrzeugen Verbraucherprodukte her, deren Übereinstimmung mit Umwelt- und Sicherheitsauflagen in der gesamten Wertschöpfungskette bereits hohe Ansprüche stellen. Die technischen Anforderungen an die Produkte der Zulieferer werden außerdem in Vertragsdokumenten aufwendig beschieben. Weiterhin sind ausländische Rechtsordnungen mit zum Teil spezifischen Regelungen zu berücksichtigen.

Wirtschaftskriminalität in Unternehmen wird heute von der Öffentlichkeit aufmerksam beobachtet und von Strafverfolgungsbehörden und Gerichten national wie international strenger denn je geahndet. Es stellen sich daher Fragen daher zivil- und strafrechtlichen oder auch börsenrechtlichen Haftung  für Unternehmensleitung, Aufsichtsrat und ggf. Compliance-Abteilung. Denn Unternehmen müssen gegenüber ihren Geschäftspartnern, ihren Kapitalgebern, aber auch schon vor Gericht immer öfter nachweisen, dass sie über eine zeitgemäße und wirkungsvolle Compliance-Organisation verfügen.

Unternehmen der Automobilindustrie achten die Gesetze und respektieren die allgemein anerkannten Gebräuche der Länder, in denen sie tätig sind. Ein internes Support-Büro kann als Anlaufstelle für Fragen dienen und zudem ein Netzwerk von lokalen Beauftragten koordinieren.

Mittlerweile reicht das formalrechtliche Einhalten von Regelungen nicht mehr aus, um in der Öffentlichkeit einen glaubwürdigen Eindruck von Integrität zu präsentieren. Schritt für Schritt entwickeln Unternehmen darum zusätzlich Standesregeln und unternehmensspezifische Verhaltenskodizes ("Codes of Conduct").

Der VDA hat für seine Verbandsarbeit im Jahr 2009 einen kartellrechtlichen Leitfaden veröffentlicht. Der VDA bekennt sich allgemein zu rechtmäßigem Handeln und richtet seine Verbandsarbeit strikt an der Vereinbarkeit mit deutschem und europäischem Kartellrecht aus. Zu diesem Zweck gibt der VDA mit dem Leitfaden Hinweise für seine Organe, Mitglieder und Mitarbeiter, durch deren Beachtung im Interesse des VDA und seiner Mitglieder bei jeder Aktivität kartellrechtlich bedenkliches Verhalten von vornherein vermieden werden soll. Der Leitfaden soll Mitgliedern und Mitarbeitern des VDA Sicherheit und Orientierung geben. Zu diesem Zweck enthält er u.a. Regelungen zu zulässigen und unzulässigen Themen von Verbandssitzungen, zu Marktinformationsverfahren, zu Verbandsempfehlungen und zur Durchführung von Verbandssitzungen. Die Einhaltung dieser Regeln ist für alle an der VDA-Verbandsarbeit Mitwirkenden verbindlich und dient damit auch dem Schutz des Verbandes und seiner Mitglieder.

2)         Schlanke und effiziente Compliance-Strukturen in der automobilen Wertschöpfungskette

Compliance-Management im Unternehmen bedeutet die Gesamtheit aller organisatorischen Maßnahmen zur Sicherstellung des rechtmäßigen Verhaltens aller Organmitglieder, Führungskräfte und Mitarbeiter eines Unternehmens. Dabei ist unter rechtmäßigem Verhalten das Einhalten aller Gesetze und Vorschriften sowie freiwillige und selbst gesetzte unternehmensinterne Richtlinien zu verstehen.

Ausgestaltung und Umfang von Compliance-Strukturen können und sollten dabei je nach Unternehmensgröße und Branche individuell sein. Gerade für mittelständische Unternehmen gilt es zu prüfen, in welchem Umfang eine Compliance-Organisation darstellbar ist.

Ein angemessenes und an den aktuell anerkannten Standards angepasstes Compliance-Management-System sollte sich immer an den folgenden strategischen Zielen orientieren:

  1. Prävention,
  2. Risikofrüherkennung,
  3. Schadensbegrenzung,
  4. Compliance-förderliche Unternehmenskultur sowie
  5. Nachhaltigkeit.

Der VDA hat sich für das Konzept der gegenseitigen Anerkennung von Compliance-Kodizes ausgesprochen. Die verwendeten Standards sollten zudem nicht zusätzlich gegenseitig geprüft werden. Die verwendeten Regelungen sollten möglichst einfach ausfallen.

Der BDI hat für die Industrie einen Leitfaden zur gegenseitigen Anerkennung von Verhaltenskodizes herausgegeben. Unternehmen verwenden in Deutschland zunehmend Verhaltenskodizes ("Compliance-Kodizes", "Codes of Conduct" o. ä.). Diese Kodizes sollen die Einhaltung der gesetzlichen Regelungen im Unternehmen sicherstellen und teilweise auch über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehende unternehmensinterne Vorgaben als Selbstverpflichtung statuieren. Auch in der automobilen Wertschöpfungs-kette empfiehlt es sich, danach auf die gegenseitige Anerkennung zu setzen. Darüber hinaus enthält der BDI-Leitfaden Hinweise zu bestehenden Kodizes im Bereich Compliance, die gerade für mittelständische Unternehmen eine Grundlage zur Entwicklung eines eigenen Compliance-Systems darstellen können.

3)         Unterstützung für Compliance-Organisation in mittelständischen Unternehmen

Unternehmen der Automobilindustrie verankern Compliance immer stärker in ihrer Organisationsstruktur. Viele Firmen haben inzwischen den im Topmanagement angesiedelten Chief Compliance Officer etabliert. Viele sind Juristen oder Ökonomen, die ganz unterschiedliche Erfahrungshorizonte vorweisen können. Um diesen Bedarf abzudecken, sind auch neue Ausbildungswege gefragt.

Unternehmen, die erstmals ihre Compliance-Projekte umsetzen oder ausbauen wollen, haben oft nicht das passende Personal oder können dieses nicht langfristig aussuchen, ausbilden oder sofort fest einbinden. Die School of Governance, Risk & Compliance (School GRC) an der privaten staatlich anerkannten Steinbeis-Hochschule Berlin bietet hier Hilfe. Für die Dauer des Unternehmensprojektes stellt die Hochschule einen sogenannten Fellow bereit, der gemeinsam mit dem Unternehmen ausgesucht und dort Vollzeit zur Verfügung stehen wird. Er hat bereits ein Erststudium absolviert und auch schon einige Jahre Berufserfahrung gesammelt. Während der Zeit im Unternehmen wird der Fellow parallel an der Steinbeis-Hochschule Berlin ausgebildet, erschließt dem Unternehmen damit den aktuellen Compliance-Wissensstand, ein hochkarätiges Netzwerk im Themenumfeld Compliance und bearbeitet die Fragestellungen des Unternehmens mit der fachlichen Unterstützung der Hochschule.

Einer der Fellows, der bei einem führenden Automobilzulieferer ein Unternehmensprojekt betreut, hält das Modell für ideal als Berufseinstieg: "Für mich ist dies eine sehr gute Gelegenheit, aktuelles Know-how zum Thema Compliance-Management zu erlernen und dies im Unternehmen anzuwenden. Mehr Praxisnähe im Rahmen eines Studiums hatte ich nie. Darüber hinaus lerne ich so das Unternehmen kennen. Und der Betrieb kann ungezwungen entscheiden, ob er mich nach der Projektbetreuung übernehmen möchte."

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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