Automobilindustrie und Märkte

Autobanken

Die Autobanken stellen einerseits mittels Finanzierung ein Bindeglied zwischen Hersteller und Endkunde dar, anderseits sind sie zur Refinanzierung mit dem Kapitalmarkt verbunden.

Entwicklungen Autobanken

Die Herstellerbanken konnten 2014 wieder ein erfolgreiches Geschäftsjahr verzeichnen. Im Kerngeschäft Leasing und Finanzierung wurde die Marktposition noch weiter ausgebaut. Den Absatz der Muttergesellschaften haben die Autobanken weiter erfolgreich unterstützt. Das Vertragsvolumen wuchs erstmals auf den Rekordwert von 95 Mrd. Euro. Die Autobanken konnten als Absatzförderer ihrer Hersteller mit 1,34 Mio. Neuverträgen um 9 Prozent zulegen. Damit wuchsen sie stärker als der Fahrzeugabsatz der Hersteller. Das dahinterstehende Neugeschäftsvolumen konnten sie sogar um 11 Prozent steigern. Damit haben die Autobanken Neufahrzeuge im Rekordwert von rund 33,41 Mrd. Euro finanziert oder verleast. Im gewerblichen Teilmarkt haben gewerbliche Kunden die wirtschaftliche Erholung genutzt, um in ihre Mobilität zu investieren. Die Herstellerbanken konnten diese anziehende Nachfrage durch eine gute Angebotspolitik unterstützen. Mit gewerblichen Neuverträgen in Höhe von 21,8 Mrd. Euro erzielten die Banken der Automobilhersteller ein Plus von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Hiervon entfielen 3,5 Mrd. Euro auf gewerbliche Finanzierungen und rund 18,4 Mrd. Euro auf das traditionell stärkere gewerbliche Leasing.

Gegen den Markttrend setzten die privaten Kunden 2014 verstärkt auf die Herstellerbanken: Mit rund 595.000 privaten Finanzierungs- und Leasingverträgen im Wert von 11,5 Mrd. Euro haben die Autobanken um 6 Prozent zugelegt. Mit rund 5,5 Mio. Verträgen verzeichneten sie einen überaus stabilen Vertragsbestand. Das Vertragsvolumen stieg um 5 Prozent auf den Rekordwert von über 95 Mrd. Euro an. Die durchschnittliche Finanzierungs- bzw. Leasingsumme betrug 24.970 Euro (+2 Prozent).

Ein wesentliches Wachstumsfeld für die Autobanken ist das Gebrauchtwagengeschäft. Auf den Markenhandel entfielen 2014 rund 2,7 Mio. Besitzumschreibungen – 38 Prozent des gesamten Gebrauchtwagenmarktes. Die herstellerverbundenen Finanzdienstleister sind in den letzten Jahren zunehmend in den intensiven Wettbewerb im Gebrauchtwagengeschäft eingestiegen und konnten 2014 weiter Boden gutmachen. Mit über 600.000 Verträgen konnten sie in Einheiten leicht wachsen, das dahinterstehende Vertragsvolumen wurde sogar um 7 Prozent auf 8,75 Mrd. Euro ausgebaut.

Ein weiteres anhaltendes Wachstumsfeld der Herstellerbanken ist das Angebot zusätzlicher Dienstleistungen rund um das Automobil, wie Kfz-Versicherung, Garantieverlängerung und Services für Wartung und Verschleiß. Mit über 2,5 Mio. Dienstleistungsverträgen konnten die Herstellerbanken in diesem Bereich erneut um 7 Prozent wachsen. Im Geschäftsjahr 2014 verzeichneten die Finanztöchter der Automobilkonzerne rund zwei zusätzliche Dienstleistungen pro abgeschlossenen Leasing- bzw. Finanzierungsvertrag. Auch in dem stark umkämpften Markt für Kfz-Versicherungen ist es gelungen, zufriedenstellende Zuwächse von 4 Prozent zu erzielen. Damit schließen rund 40 Prozent aller Finanzierungs- und Leasingkunden der Hersteller auch ihre Kfz-Versicherung im Autohaus ab.

Eine weitere wesentliche Komponente liegt in einer stärkeren Verzahnung von Offline- und Onlineangeboten für die Verbraucher. Die Banken der Hersteller haben diesen Trend aufgenommen und übernehmen eine aktive Rolle, um noch näher am Kunden zu sein. Dies reicht von der konsequenten Ausbreitung markenspezifischer Onlinekalkulatoren bis hin zu neuen Wegen, um den Kunden im Internet abzuholen und zum Autohaus zu führen.

Die Autobanken stellen einerseits mittels Finanzierung ein Bindeglied zwischen Hersteller und Endkunde dar, anderseits sind sie zur Refinanzierung mit dem Kapitalmarkt verbunden. Die Verbindung zur Realwirtschaft bedeutet eine Sonderrolle auf dem Kapitalmarkt, da die Autobanken sich in ihrem Geschäftsmodell nachhaltig von Geschäftsbanken unterscheiden, indem sie nicht auf spekulativen Finanzmärkten tätig sind. Maßgebliche Bedeutung für die Refinanzierung der Autobanken haben Verbriefungen – sogenannte „Asset-backed Securities“ (ABS). Auto-ABS zählten auch 2014 zu der am häufigsten emittierten Anlageklasse und machten über ein Drittel des europäischen Verbriefungsmarktes aus. Die EU-Kommission hat in Spezialregelungen zur Liquiditätsquote von Banken und zu Solvency II für Versicherer den Auto-ABS erstmals eine eigene Assetklasse zugeordnet. Darin sieht der VDA eine erste Anerkennung der Verbriefungen aus der Automobilindustrie als hochliquide Aktiva. Darüber hinaus haben sich in 2014 EZB und EU-Kommission für eine Förderung von Verbriefungen zur verbesserten Finanzierung der Realwirtschaft ausgesprochen. Der Baseler Ausschuss, die EU-Kommission und die Europäische Bankenaufsicht (EBA) entwickeln nun die zukünftigen Rahmenbedingungen für Verbriefungen (framework for simple, standard, transparent securitisations/SST). Hier setzt sich der VDA dafür ein, dass Auto-ABS aufgrund ihrer für die Vergangenheit nachweislich niedrigen Ausfallraten, ihrer hohen Granularität und ihres entsprechend hohen Ratings („Triple A“) als hochwertige Aktiva berücksichtigt werden.

Eckehart Rotter
Eckehart Rotter Leiter Abteilung Presse

Tel: +49 30 897842-120 Fax: +49 30 897842-603
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