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Automobilindustrie und Märkte

Neue Herausforderungen für deutsche Hersteller: der chinesische Automarkt in 2020

Der chinesische Automarkt ist seit sieben Jahren der größte der Welt. 2018 waren die Verkaufszahlen erstmals rückläufig, dennoch hatte kein anderer Markt im vergangenen Jahrzehnt eine derartige Wachstumsgeschichte vorzuweisen. Mit innovativen Produkten drängen seit Jahren immer mehr chinesische Hersteller und Start-Ups auf den Weltmarkt. In Sachen Elektromobilität gilt China weltweit als Vorreiter, bereits seit 2014 wird diese staatlich gefördert – 2020 vorerst zum letzten Mal.

Die Volksrepublik gilt weltweit als Pionier der sogenannten New Energy Vehicles (NEV). Bereits seit 2014 kommen Käufer von Batterie-, Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeugen in den Genuss einer staatlichen Förderung; in einigen Regionen wie Beijing richtet sich diese ausschließlich an Batteriefahrzeuge. Der Elektro-Pkw-Marktanteil bei den Neuverkäufen in China betrug im Jahr 2019 5,3 Prozent. Eine besondere Vorliebe für das Thema Elektromobilität lässt sich jedoch nicht ableiten, vielmehr spielen auch bei den Chinesen die „Total Costs of Ownership“ eine bedeutende Rolle, meint Dr. Thomas Meurers, Geschäftsführer VDA China. In Peking gibt es beispielweise einen Wochentag, an dem es verboten ist, mit Verbrennern zu fahren. Zusätzlich zu der hohen Förderung der Elektro-Autos schafft der Staat auf diese Weise Kaufanreize.

Nach der Förderung kommt die Quote

Zum Jahresende 2020 läuft die Förderung der Elektro-Autos durch die chinesische Regierung allerdings aus. Um einen harten Bruch zu vermeiden, werden im Jahresverlauf voraussichtlich die technischen Anforderungen an geförderte Fahrzeuge erhöht und zugleich die finanzielle Förderung gesenkt. Die neuerliche Einführung eines Malus-Systems, nach dem die Flotte der produzierten Neuwagen zu einem bestimmten Prozentsatz aus Autos mit E‑Antrieb bestehen muss, stellt für die Hersteller die nächste Herausforderung dar. Diesen ambitionierten Quoten begegnen die deutschen Automobilhersteller wie gewohnt mit ihren Premium-Produkten.

Hier kommt der deutschen Automobilindustrie die hohe Qualität ihrer Produkte zugute, die auch in China immer mehr Kunden zu schätzen wissen. Entgegen dem allgemeinen Negativtrend konnten die deutschen Premium-Hersteller auch 2019 ihre Verkäufe auf dem chinesischen Markt steigern. Das liegt – neben der sehr guten Qualität der Modelle - vor allem an dem hohen Ansehen, das in China mit dem Besitz eines deutschen Autos einhergeht.

China bleibt einer der interessantesten Märkte

Trotz des aktuellen Marktrückgangs in China darf nicht übersehen werden, dass der chinesische Markt immer noch deutlich größer als der US-amerikanische und fast sechs Mal so groß wie der deutsche Automobilmarkt ist. Gleichzeitig birgt der chinesische Markt nach wie vor ein hohes Wachstumspotential. Kurzfristige Negativeffekte wie ein Handelskonflikt mit den USA oder ein Virusausbruch dürften an dieser langfristigen Perspektive wenig ändern. Gleichzeitig spürt die globale Automobilindustrie zum Jahresbeginn dennoch die Auswirkungen des Coronavirus in China deutlich. Der Verkauf von Neufahrzeugen ist seit Bekanntwerden des Virus in der Volksrepublik zurückgegangen. Überdies ist für die exportstarke deutsche Automobilindustrie China ein wachsender Produktionsstandort.

Chinesische Start-Ups erwarten Gegenwind

Neben einer Vielzahl von OEMs finden sich in China zahlreiche Start-Ups, die sich vor allem dem Thema E-Mobilität verschrieben haben. Insbesondere Start-Ups sehen sich aufgrund der auslaufenden Förderung kurzfristig mit massiven finanziellen Problemen konfrontiert. Trotz mächtiger Investoren sind sie noch weit davon entfernt, profitabel zu sein. Deshalb erwarten manche Branchenkenner langfristig Übernahmen und insgesamt eine Konsolidierung des Marktes.

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