Automobilindustrie und Märkte

Historische Fahrzeuge

Unter dem Begriff History Marketing sind in den letzten Jahren vermehrt Aktivitäten bekannt geworden, deren Ziel es ist, die großen Potentiale, die die Historie bietet, für starke Marken zu nutzen.

Politische Gremienarbeit

Der VDA hat frühzeitig erkannt, dass es für das politische Randthema historische Fahrzeuge wesentlich ist, einen direkten Kontakt zur politischen Legislative zu schaffen. In Deutschland wurde 2009 der „Parlamentskreis Automobiles Kulturgut“ gegründet, der sich mindestens zweimal jährlich trifft, um aktuelle politische Themen zu besprechen. Die Einrichtung dieser Schnittstelle zum deutschen Parlament fördert den gegenseitigen Informationsaustausch, bündelt möglichst viele Interessengruppen und erfüllt eine Art Frühwarnfunktion.

In diesem Gremium wurde die Idee geboren, das automobile Kulturgut als immaterielles Kulturerbe der UNESCO eintragen zu lassen. In den Niederlanden plant der dortige Oldtimerverband in Zusammenarbeit mit der nationalen UNESCO-Kommission einen ähnlichen Vorstoß. In Frankreich hat das Kulturministerium unter dem Titel „Carrosserie Française“ einen Antrag bei der UNESCO eingereicht, den Karosseriebau der Automobilindustrie in der Zeit von 1920 bis 1970 als immaterielles Weltkulturerbe eintragen zu lassen. In Italien betreibt der italienische Automobilclub ASI das Projekt „Turin: Welthauptstadt der historischen Fahrzeuge und des Designs“. In diesem Zusammenhang hat die UNESCO die Stadt Turin am 1. Dezember 2014 als „Creative City“ in der Kategorie Design anerkannt. Die Arbeitsgruppe des Parlamentskreises Automobiles Kulturgut sieht für ihren Antrag in einem möglichen Paradigmenwechsel im Automobilbau – Stichwort Elektromobilität und Vernetzung – eine stichhaltige Begründung, das Automobil herkömmlicher Prägung als Weltkulturerbe eintragen zu lassen. Alle Initiativen wollen ein breites Verständnis für Oldtimer als Kulturgut in der Öffentlichkeit fördern.

Eine weitere Arbeitsgruppe beschäftigt sich mit dem Thema Youngtimer. Dieser Begriff hat sich in den letzten Jahren für ältere Fahrzeuge eingebürgert, die als Liebhaberfahrzeuge genutzt werden, jedoch noch nicht das notwendige gesetzliche Mindestalter von 30 Jahren aufweisen. In der Arbeitsgruppe werden Vorschläge für eine Altersdefinition und ein möglicher Schutz durch den Gesetzgeber diskutiert. Es soll sichergestellt werden, dass möglichst viele unterschiedliche Fahrzeugtypen ein Mindestalter von 30 Jahren erreichen, denn das automobile Kulturgut soll in seiner ganzen Breite erhalten bleiben.

Ähnlich wie in Deutschland gibt es auch für die EU in Brüssel eine Intergruppe von Parlamentariern und Vertretern der Oldtimerbewegung. Diese European Parliament – Historic Vehicle Group (EP-HVG) hat sich nach den Parlamentswahlen neu konstituiert. In der neuen Legislaturperiode wird man verstärkt mit der Kommission für Bildung und Kultur zusammenarbeiten. Auch hier ist das Ziel, eine Anerkennung von Oldtimern als automobiles Kulturgut zu erreichen.

Im Oktober 2014 erhielt der Weltverband FIVA (Fédération Internationale de Véhicules Anciens) die Gelegenheit, in einer öffentlichen Veranstaltung innerhalb des Parlaments den Mitgliedern der EP-HVG die Ergebnisse seiner Oldtimerstudie zu präsentieren. Der Leiter der EP-HVG bestätigte, dass die Ergebnisse dieser europaweiten Umfrage dazu beitragen können, die anstehenden Themen mit noch mehr Nachdruck vorzutragen.

Ein Verdienst der Aktivitäten dieser Gruppe ist die Aufnahme einer einheitlichen Definition für historische Fahrzeuge im Zusammenhang mit der Neufassung der HU-Richtlinie. Die Formulierung, die mit der deutschen Definition weitgehend übereinstimmt, wurde unverändert in den endgültigen Text der Richtlinie übernommen. Vom deutschen Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur wurde bestätigt, dass es für Oldtimer für die Durchführung sowohl der Hauptuntersuchung als auch der Sonderprüfung nach § 23 StVZO für Fahrzeuge mit H-Kennzeichen keine Änderung zum momentanen Stand geben wird.

Stefan Röhrig
Stefan Röhrig Leiter Fachbereich Historische Fahrzeuge

Tel: +49 30 897842-380 Fax: +49 30 897842-600
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