Automobilindustrie und Märkte

Historische Fahrzeuge

Unter dem Begriff History Marketing sind in den letzten Jahren vermehrt Aktivitäten bekannt geworden, deren Ziel es ist, die großen Potentiale, die die Historie bietet, für starke Marken zu nutzen.

Politische Gremienarbeit

Der VDA hat frühzeitig erkannt, dass es für das politische Randthema historische Fahrzeuge wesentlich ist, einen direkten Kontakt zur politischen Legislative zu schaffen. In Deutschland wurde 2009 der „Parlamentskreis Automobiles Kulturgut“ gegründet, in dem Abgeordnete, Oldtimerexperten sowie Vertreter der Oldtimerbewegungen arbeiten. Die Einrichtung dieser Schnittstelle zum deutschen Parlament fördert den gegenseitigen Informationsaustausch, bündelt möglichst viele Interessengruppen und erfüllt eine Art Frühwarnfunktion.

Aus diesem Gremium ging 2015 die Initiative Automobile Kultur e. V. (IAK) hervor. Die Initiative will das automobile Kulturgut zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO erklären lassen. Dazu wurde ein Antragsverfahren bei der deutschen UNESCO-Kommission eingeleitet. Das UNESCO-Übereinkommen zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes wurde 2003 geschlossen. Mit der Auszeichnung als immaterielles Kulturerbe sollen Kulturpraktiken der Menschheit, wie etwa Theater, Bräuche oder Handwerkskünste, gewürdigt werden. Das Automobil steht derzeit vor einem technologischen Wandel, durch den es völlig neu definiert werden wird. Die Anerkennung als Kulturerbe soll dafür sorgen, dass der Beitrag, den das Automobil seit dem 19. Jahrhundert für die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft geleistet hat, weiterhin gewürdigt wird. Der VDA unterstützt die Initiative Automobile Kultur daher intensiv.

Auf europäischer Ebene arbeitet der VDA in der Historic Vehicle Group des Europäischen Parlaments mit. Ähnlich wie in Deutschland gibt es auch für die EU in Brüssel eine Intergruppe von Parlamentariern und Vertretern der Oldtimer-Bewegung. Diese European Parliament – Historic Vehicle Group (EP-HVG) hatte sich nach den letzten Parlamentswahlen neu konstituiert. Ein wesentlicher Fokus in der neuen Legislaturperiode soll auf eine verstärkte Zusammenarbeit mit der Kommission für Bildung und Kultur gelegt werden. Auch für die EU soll das Ziel gelten, eine Anerkennung von Oldtimern als automobiles Kulturgut zu erhalten.

Ein Verdienst der Aktivitäten dieser Gruppe ist die Aufnahme einer einheitlichen Definition für historische Fahrzeuge im Zusammenhang mit der Neufassung der HU-Richtlinie. Die Formulierung, die mit der deutschen Definition weitgehend übereinstimmt, wurde unverändert in den endgültigen Text der Richtlinie übernommen. Vom deutschen Bundesministerium für Verkehr und Infrastruktur wurde bestätigt, dass es für Oldtimer für die Durchführung sowohl der Hauptuntersuchung als auch der Sonderprüfung nach § 23 StVZO für Fahrzeuge mit H-Kennzeichen keine Änderung zum momentanen Stand geben wird.

Derzeit wird in Brüssel eine Empfehlung der Kommission zur Regelung der Umweltzonen erarbeitet. Ziel ist die einheitliche Gestaltung von Verboten und Ausnahmen, damit ein innereuropäischer Reiseverkehr ohne genaue Kenntnisse der jeweiligen lokalen Regelungen möglich ist. In dieser Empfehlung soll die deutsche Ausnahmeregelung für Oldtimer in Umweltzonen auf die europäische Ebene übertragen werden.

Die EU-Kommission erarbeitet zurzeit eine Änderung der Verordnung 1999/62/EG über die Erhebung von Gebühren für die Nutzung bestimmter Verkehrswege. Das überarbeitete Papier sieht vor, dass diese Regelung, die bisher ausschließlich für schwere Nutzfahrzeuge gültig ist, künftig auch für PKW angewendet werden kann. Des Weiteren ist angestrebt, die Grundlage für die Berechnung der Maut zu ändern. Neben der Berücksichtigung der Entfernung soll auch die Umweltfreundlichkeit zur Gebührenfindung herangezogen werden. Bisher sind in Deutschland Oldtimer-Nutzfahrzeuge von der Mautgebühr befreit. Der VDA setzt sich deshalb dafür ein, dass in dem Änderungsvorschlag analog zur Richtlinie 2014/45/EU die Möglichkeit einer Ausnahme von historischen Fahrzeugen in den einzelnen Mitgliedsländern aufgenommen wird.

Der Weltverband für historische Fahrzeuge ist die Fédération Internationale des Véhicules Ancien (FIVA). Er setzt sich weltweit für die Belange der bei ihm organisierten Oldtimerclubs ein. Im Zuge der regelmäßigen Zusammenarbeit zwischen dem VDA und der FIVA steht besonders eine Zusammenarbeit mit der Legislation Commission im Vordergrund. Der VDA berät dieses Gremium in Belangen, die mit Interessen der Automobilindustrie in Zusammenhang stehen.

Stefan Röhrig
Stefan Röhrig Leiter Fachbereich Historische Fahrzeuge

Tel: +49 30 897842-380 Fax: +49 30 897842-600
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