Automobilindustrie und Märkte

Logistik

Der Anteil der Logistikprozesse an der Wertschöpfung in der Automobilindustrie nimmt seit Jahren zu. Globale Märkte, lange Lieferketten, Best Country Sourcing sind nur einige Begriffe, die eine Herausforderung für die Logistik in der Automobilindustrie darstellen. In der Abteilung Logistik arbeiten Automobilhersteller, Zulieferer und Dienstleister gemeinschaftlich an Konzepten, diese Prozesse transparent, effizient und kostengünstig zu gestalten.

Themenstellungen der Logistik in der Automobilindustrie

Die deutschen Automobilhersteller errichten in allen relevanten Märkten – vor allem im Nafta-Raum sowie in China – neue Produktionsstätten. Aus Kostengründen und um die Logistikprozesse zu beherrschen, ist „Local Sourcing“ ein wichtiger Baustein für die Gestaltung der Logistik in der Automobilindustrie. Mit der effizienten Methode „Best Cost Country Sourcing“ sind dagegen oft lange Lieferketten verbunden. Kaum eine Fabrik kann alle gewünschten Fabrikate und Modelle eines Fahrzeugherstellers produzieren, dafür ist die Modellvielfalt zu hoch. Deshalb war in den vergangenen Jahren auch ein Wachstum der globalen Transportketten für die Distribution fertiger Fahrzeuge in der Logistik zu verzeichnen, das koordiniert und beherrscht werden muss.

In Europa und Nordamerika bewährte Konzepte der Logistikorganisation können
nicht immer ohne Weiteres in anderen Regionen angewendet werden. Die Anforderungen der Logistik in der Automobilindustrie sind vielfältig: Nicht immer sind qualitativ hochwertige und genormte Packmittel vorhanden, die kosteneffizient einen zuverlässigen Schutz der Teile bei allen Transport- und Produktionsprozessen gewährleisten. In Märkten wie China fehlt es zudem an standardisierten Ladeflächenmaßen. Oder es besteht ein Mangel an Schnittstellen und Standards für die globale Kommunikation zwischen den Partnern in der Lieferkette und für die Logistikprozesse.

Prozesse und Informationsaustausch

Transparenz und Steuerung der Logistikprozesse unter den aktuellen Rahmenbedingungen verlangen einen wachsenden, globalen Informationsaustausch zwischen Zulieferern, Herstellern und Dienstleistern in der Logistik in der Automobilindustrie. Die in der Vergangenheit entwickelten und in Deutschland weit verbreiteten VDA-Empfehlungen zur Datenfernübertragung werden diesen Anforderungen nur noch eingeschränkt gerecht. Daher wurde die Arbeit zur Entwicklung neuer, global anwendbarer Nachrichten fortgesetzt und intensiviert. Jetzt stehen Empfehlungen zum globalen Austausch von Lagerbestandsdaten, Lieferabrufdaten Lieferavisen und Rechnungsdaten für die Logistik in der Automobilindustrie zur Verfügung.

Zusätzlich wurde auch die Empfehlung zu Form und Inhalt warenbegleitender
Transportpapiere in der Logistik in der Automobilindustrie erneuert. Damit sind nun international anwendbare Formate vorhanden, die zum Teil bereits umgesetzt und genutzt werden. Die Mitglieder des zuständigen Arbeitskreises informierten in einer Roadshow-Veranstaltung, die mit 750 Teilnehmern eine hohe Resonanz erfuhr, über den Umsetzungsprozess.

Verpackungsmanagement

Ein Schwerpunktthema in der Logistik in der Automobilindustrie ist die Nutzung und Verwaltung von wiederverwendbaren Packmitteln, insbesondere von Kleinladungsträgern (KLT). Für solche Behälter wurden in der Vergangenheit durch das CoC Packaging im VDA Empfehlungen erstellt. Bisher wurden ca. 100 Mio. Behälter in Umlauf der Logistikprozesse gebracht. Im Jahr 2014 wurden erstmalig Werkzeuge eines Herstellers in China zertifiziert. Weitere werden folgen. Damit wurde ein wichtiger Schritt zur Versorgung des chinesischen Marktes und zur Ablösung von Einwegverpackungen innerhalb Chinas getan.


Die Verwaltung einer solch großen Zahl von Packmitteln stellt eine erhebliche
Herausforderung für die Logistik in der Automobilindustrie dar. In der Industrie gibt es unterschiedliche Konzepte zur Versorgung der Zulieferer mit leeren Behältern. Auch die Verwaltungstools sind höchst unterschiedlich und stellen eine bürokratische Hürde dar, die unnötig Kosten für die Logistik verursacht. Eine 2014 ins Leben gerufene Projektgruppe untersucht diese Prozesse und erarbeitet Empfehlungen für eine mögliche Vereinheitlichung der Informations- und Steuerungsprozesse für Logistikprozesse.

Industrie 4.0

Das Thema Industrie 4.0 treibt die Digitalisierung der Wertschöpfungskette voran: Mit der Verknüpfung von Maschinen, Werkzeugen und Anlagen auf der einen Seite und IT-Systemen auf der anderen Seite soll die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland gesichert werden. Viele der Konzepte werden bei der Fahrzeugproduktion bereits angewendet (zum Beispiel bei der Just-in-Time- und Just-in-Sequence-Produktion), aber in dieser Gesamtheit ist das Thema bisher noch nicht adressiert worden.
Für die Logistik ist der Aspekt „Smart Logistics“ besonders interessant. Hier führt
die Anwendung der erwähnten Prinzipien zu einer höheren Transparenz in den
Logistikprozessen, auch die Reaktion bei Störungen wird verbessert. Ein wesentlicher Baustein für solche Systeme sind intelligente Behälter. Daher haben Experten der beiden Arbeitskreise CoC Packaging und Auto-ID ein Anforderungsprofil für die nächste Generation von VDA-Kleinladungsträgern erarbeitet, die mit RFID-Technologie ausgestattet ist und eine weitere Prozessautomatisierung, z.B. in der Logistik in der Automobilindustrie, ermöglicht. Das Konzept wurde vom Logistikausschuss bewilligt und die Entwicklung dieser Behältergeneration, die auch Nachhaltigkeitsaspekte wie Materialeinsatz, optimiertes Transportvolumen und Umweltfreundlichkeit berücksichtigt, genehmigt.

Digitale Fabrik

Neben der zunehmenden digitalen Durchdringung im Bereich der Logistikprozesse beschäftigen sich die Arbeitskreise der Logistik auch mit der digitalen Entwicklung von Teilen und Fahrzeugen. Im Arbeitskreis Auto-ID wird auch das Thema „gläserner Prototyp“ weiterverfolgt. Ziel dieser Aktivitäten ist, die digitale Entwicklung von Fahrzeugen und Teilen weiter auszubauen und dadurch weniger physische Entwicklungsschritte bis zur Produktion zu benötigen. Ergänzt werden diese Aktivitäten durch den digitalen Entwurf und die Simulation der Produktion und der fabrikinternen Logistikprozesse im Rahmen des Arbeitskreises Digitale Fabrik. Mithilfe dieser innovativen Techniken lässt sich das Design von Produktionsstätten schon während der Planungsphase virtuell validieren und optimieren. So können alle wesentlichen Fabrikprozesse und -ressourcen in Verbindung mit dem Produkt ganzheitlich betrachtet und verbessert werden.

Werner Mock
Werner Mock Leiter Abteilung Logistik

Tel: +49 30 897842-222 Fax: +49 30 897842-600
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