Automobilindustrie und Märkte

Markt Europa

Im Jahr 2014 verzeichnete der westeuropäische Pkw-Markt, nach vier rückläufigen Jahren in Folge, erstmals wieder einen Zuwachs.

Entwicklung im Markt Europa

Im Jahr 2014 verzeichnete der westeuropäische Pkw-Markt, nach vier rückläufigen Jahren in Folge, erstmals wieder einen Zuwachs. Das Neuzulassungsniveau stieg um knapp 5 Prozent auf 12,1 Mio. Pkw. Der positive Trend, der in der zweiten Hälfte 2013 begann, setzte sich über das gesamte Jahr 2014 fort. Im Dezember wuchs der Pkw-Markt den 16. Monat in Folge.

Mit rund 1,8 Mio. Neuwagen erreichten die Pkw-Neuzulassungen in Frankreich jedoch lediglich das Vorjahresniveau. Während der Markt in den ersten drei Quartalen noch Zuwachsraten aufwies, ging die Pkw-Nachfrage im letzten Quartal 2014 um fast 5 Prozent zurück. Allerdings wirkte hierbei ein Sondereffekt: Durch die deutliche Verschärfung des Malus-Systems zum 1. Januar 2014 gab es im Dezember 2013 einen signifikanten Vorkaufeffekt. Die Anpassung des Bonus-Malus-Systems zum 1. Januar 2015 fiel dagegen deutlich milder aus. Der Pkw-Markt spiegelt die Situation der gesamten Konjunktur in Frankreich wider. Das BIP wuchs 2014 um 0,4 Prozent. Die Arbeitslosenquote verblieb weiterhin auf Rekordniveau.

Im Gesamtjahr 2014 erreichte der italienische Markt, nach vier Jahren mit deutlichen Rückgängen, ein Plus von über 4 Prozent (1,4 Mio. Pkw). Allerdings lag das Marktvolumen 2014 noch gut 1,1 Mio. Einheiten unter dem Level von 2007. Besonders stark erhöhten sich die Neuzulassungen von Mietwagen, die um rund 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr zulegten. Auch die privaten sowie die übrigen gewerblichen Neuzulassungen lagen im Plus (+2 bzw. +3 Prozent). Der Privatanteil in Italien erreichte 2014 gut 62 Prozent. Konjunkturell ging es dagegen in Italien weiter abwärts. 2014 ist die Volkswirtschaft wieder geschrumpft (BIP 2014: -0,4 Prozent). Erst für dieses Jahr wird ein minimales Wachstum erwartet (+0,4 Prozent).

2014 erreichte der britische Pkw-Markt mit einem Zuwachs von gut 9 Prozent ein Marktvolumen von knapp 2,5 Mio. Einheiten und damit das höchste Niveau in den letzten zehn Jahren. Insgesamt war es das viertbeste Ergebnis jemals, nur 2002 bis 2004 waren die Neuzulassungen höher. Eine gestiegene Beschäftigung, niedrige Zinsen, attraktive Finanzierungsmodelle und eine verbesserte Vermögensposition der Konsumenten wirkten deutlich positiv auf die Pkw-Konjunktur. Über alle Haltergruppen hinweg entwickelte sich die Pkw-Nachfrage positiv (Private: +10 Prozent, Gewerbliche: +9 Prozent). 2014 ist das BIP in UK um 2,6 Prozent gewachsen und lag damit deutlich über dem Durchschnitt der restlichen EU-Länder. Die deutschen Neuzulassungen erreichten das erwartete Ergebnis und übersprangen wieder die 3-Mio.-Grenze.

In Spanien verhalfen neben der konjunkturellen Belebung die durchgehend bestehenden Umweltprämien PIVE und PIMA Aire dem Markt zu einem deutlichen Sprung nach vorn. Im Gesamtjahr erreichte der spanische Pkw-Markt ein Volumen von 855.000 Einheiten (+18 Prozent). Zum Vergleich: 2007 gab es über 1,6 Mio. Neuzulassungen. Die siebte Runde des PIVE-Programms (1.000 Euro Förderung vom Staat, 1.000 Euro Förderung vom Hersteller) begann ab Januar 2015. Das Budget war im April 2015 ausgeschöpft. Die privaten Neuzulassungen stiegen 2014 förderbedingt um gut 21 Prozent (Anteil an Gesamt: 57 Prozent). Die Firmenwagen, die von PIMA Aire profitierten, erhöhten sich um knapp 14 Prozent (Anteil an Gesamt: 25 Prozent). Ebenfalls positiv entwickelte sich die Nachfrage der Vermieter (+16 Prozent), die in Spanien traditionell einen hohen Anteil aufweisen (Anteil an Gesamt: 18 Prozent).

Osteuropa trotzt der Ukraine-Krise

Die Pkw-Neuzulassungen in den neuen EU-Ländern stiegen 2014 zweistellig um gut 14 Prozent auf 895.700 Neufahrzeuge. Fast alle Märkte, ausgenommen Bulgarien, Estland, die Slowakei und Slowenien, wuchsen zweistellig. Dies war der erste Zuwachs der neuen EU-Länder seit 2007. Die Märkte waren noch deutlich von der Finanzkrise gezeichnet. So fehlten dem rumänischen Pkw-Markt 242.400 Einheiten zum Niveau von vor acht Jahren. Auch der ungarische Pkw-Markt verlor 104.200 Einheiten im Vergleich zum 2007er-Marktvolumen. Einzig Polen, Tschechien und die Slowakei konnten seit 2007 Zuwächse verzeichnen. Polen blieb 2014 der größte Pkw-Einzelmarkt der neuen EU, legte mit 327.200 Einheiten um 13 Prozent zu und erreichte so das höchste Marktvolumen seit 2003. In Tschechien wurde mit 192.300 Pkw ein Rekordjahr erreicht.

Russland: Nicht nur eine politische Krise

Der russische Light-Vehicle-Markt musste im Gesamtjahr 2014 einen herben Rückschlag hinnehmen. Negative konjunkturelle Rahmenbedingungen – insbesondere das niedrige Preisniveau für Rohöl wirkte sich ungünstig auf die stark rohstoffabhängige russische Wirtschaft aus – ließen den Neuwagenabsatz deutlich unter das Niveau des Vorjahres sinken. Rund 2,5 Mio. Pkw und Light Trucks wurden im vergangenen Jahr in Russland verkauft – der Verfall des Rubels sowie der Abzug von Kapital schwächten den Binnenkonsum und beschleunigten so den klaren Abwärtstrend. Auch der Ukraine-Konflikt – und die daraus resultierende Konfrontation Russlands mit Europa und den USA – blieb für den Light-Vehicle-Markt nicht ohne Konsequenzen: Vor dem Hintergrund westlicher Wirtschaftssanktionen fiel die Kauflaune der Verbraucher zusätzlich.

Die Neuauflage der „Abwrackprämie“ (die russische Regierung bezuschusst noch bis Ende 2015 den Kauf eines Neuwagens aus heimischer Produktion, wenn im Gegenzug ein Altfahrzeug dadurch ersetzt wird) konnte den Rückgang nicht abfedern – 2014 verfehlten die Light-Vehicle-Verkäufe das Vorjahresniveau um gut 10 Prozent.

Die Absatzlage dürfte auch in Zukunft äußerst angespannt bleiben: Ukraine-Krise, Inflation, Ölpreisverfall und ein Fortbestehen westlicher Sanktionen könnten zum stärksten Einbruch des russischen Light-Vehicle-Marktes seit 2009 führen. Die Aufwärtsbewegung zum Jahresende – der Dezember 2014 war mit knapp 270.700 Einheiten der verkaufsstärkste Dezember aller Zeiten – war daher auch nicht als Zeichen einer beginnenden Erholung zu werten. Vielmehr waren im Dezember Angstkäufe angesichts des sinkenden Rubels der Auslöser für den gestiegenen Absatz.

Dr. Manuel Kallweit Leiter Abteilung Märkte, Analysen, Rohstoffe, Statistik

Tel: +49 30 897842-330 Fax: +49 30 897842-607
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