Automobilindustrie und Märkte

Markt Europa

Der Pkw-Markt in Westeuropa setzte seine Erholung im vergangenen Jahr mit noch höherem Tempo fort.

Westeuropa

 

Der westeuropäische Pkw-Markt blieb 2017 auf Wachstumskurs: Mehr als 14,3 Mio. Neuwagen wurden im vergangenen Jahr in Westeuropa neu zugelassen – ein Plus von fast 3 Prozent. Damit erreichte der westeuropäische Pkw-Markt wieder nahezu sein durchschnittliches Vorkrisenniveau. 13 von 18 Ländern verzeichneten Zuwächse. Insbesondere Spanien und Italien legten erneut besonders stark zu. Auch der deutsche Pkw-Markt erwies sich als Wachstumsmotor, er erreichte das bislang höchste Marktvolumen dieses Jahrzehnts.

Für den britischen Pkw-Markt war 2017 kein gutes Jahr. Der Absatz von Neuwagen fiel um 6 Prozent auf gut 2,5 Mio. Fahrzeuge. Dies war der stärkste Rückgang im Vereinigten Königreich seit 2009, als die weltweite Finanzkrise die Nachfrage ausbremste. Die Verunsicherung über die Folgen des Brexits und die damit einhergehende Abwertung des Pfund Sterling gegenüber dem Euro sorgten für Gegenwind.

In Frankreich stiegen die Neuzulassungen um 5 Prozent auf 2,1 Mio Einheiten. Insbesondere in der zweiten Jahreshälfte gewann der Markt nochmals an Schwung, mit Wachstumsraten von gut 6 Prozent im dritten und 7 Prozent im vierten Quartal. Frankreich hat damit das Marktniveau vor der Finanzkrise erreicht. Der spanische Pkw-Markt profitierte 2017 von einer anhaltend guten Wirtschaftslage. Die Neuzulassungen stiegen in Spanien um 8 Prozent auf 1,2 Mio. Einheiten. Der Markt setzt damit die Erholung von seinem historischen Tief im Jahr 2012 (700.000 Neuzulassungen) weiter fort. In Italien wurden 2017 wieder knapp 2,0 Mio. neue Pkw zugelassen, der Zuwachs betrug 8 Prozent. Sowohl in Italien als auch in Spanien fehlen immer noch mehr als 20 Prozent zum Vorkrisenniveau.

In den neuen EU-Ländern stiegen die Pkw-Neuzulassungen um rund 13 Prozent auf über 1,3 Mio. Fahrzeuge. Als größter Einzelmarkt der neuen EU-Länder konnte Polen mit 486.400 Neuzulassungen ein Plus von 17 Prozent verbuchen. In Tschechien wuchs der Markt um 5 Prozent auf 271.600 Einheiten, gegenüber 2016 (+12 Prozent) ließ das Wachstumstempo also etwas nach.

Osteuropa

Neue EU-Länder
Mit einem Wachstum von rund 13 Prozent stiegen die Pkw-Neuzulassungen in den neuen EU-Ländern im vergangenen Jahr erstmals über die Marke von 1,3 Millionen Neuzulassungen. Damit setzen die neuen EU-Länder den im Jahr 2014 eingeschlagenen Wachstumskurs mit zweistelligen Zuwachsraten in jedem Jahr fort. Als größter Einzelmarkt der neuen EU-Länder konnte Polen mit 486.400 Neuzulassungen ein Plus von 17 Prozent verbuchen. In der Tschechischen Republik hat sich das Wachstumstempo etwas gedrosselt: Nach 12 Prozent in 2016 belief sich das Wachstum im vergangenen Jahr auf 5 Prozent (271.600 Einheiten). In der Slowakei erreichten die Pkw-Neuzulassungen mit 96.100 Einheiten (+9 Prozent) ein neues Rekordniveau. Andere osteuropäische Märkte sind hingegen noch deutlich von der Weltwirtschaftskrise gezeichnet. So fehlen dem ungarischen Pkw-Markt, trotz 20 Prozent Wachstum auf 116.300 Neuzulassungen in 2017, weitere 70.000 Einheiten zum Vorkrisenniveau. Auch der rumänische Markt lag 2017 mit 105.100 Neuzulassungen (+11 Prozent) noch rund 66 Prozent unter dem Allzeithoch aus 2007.

Türkei

Der türkische Pkw-Markt hat seit dem Ende der Finanzkrise einen erstaunlichen Expansionspfad eingeschlagen und mit 722.800 Pkw-Neuzulassungen im Jahr 2017 sein Volumen gegenüber 2007 verdoppelt. Auch die Pkw-Produktion in der Türkei wuchs: im Jahr 2017 um 20 Prozent auf den neuen Rekordstand von 1,1 Mio. Einheiten. Im Vergleich zum Vorjahr ging der Absatz im vergangenen Jahr jedoch um rund 5 Prozent zurück. Die Preissteigerungen infolge der Währungsabwertung sowie die Erhöhung der Sonderverbrauchsteuer (ÖTV) auf Autos im November 2016 bremsten die Nachfrage. Insgesamt dürfte die türkische Wirtschaft im Jahr 2017 um mindestens 6 Prozent gewachsen sein. Dieses Wachstum ist in erster Linie das Ergebnis massiver Steuersenkungen und Kreditsubventionen durch den türkischen Staat infolge der politischen Krise seit Sommer 2016. Die Konjunkturprogramme ziehen jedoch eine hohe Inflation und ein steigendes Haushaltsdefizit nach sich.

Russland

Der russische Light-Vehicles-Markt hat sich 2017 spürbar erholt. Mit 1,6 Mio.
verkauften Einheiten lag der Absatz rund 12 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die wirtschaftliche Lage verbesserte sich 2017 in Russland auch insgesamt. Vor allem der steigende Ölpreis kommt der stark rohstoffabhängigen russischen Volkswirtschaft zugute. Allerdings belasten Wirtschaftssanktionen immer noch die Konjunktur. Gleichzeitig fördert Russland den Fahrzeugabsatz durch staatliche Programme: Vergünstigte Finanzierungskonditionen, Abwrackprogramme sowie Investitionen in Zukunftstechnologien summierten sich auf rund 1 Mrd. Euro. Die Chancen stehen gut, dass die Erholung auch 2018 weitergeht.

Dr. Manuel Kallweit
Dr. Manuel Kallweit Leiter Abteilung Märkte, Analysen, Rohstoffe, Statistik

Tel: +49 30 897842-330 Fax: +49 30 897842-607
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